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Franz Kaspar bilanziert: Finanzskandal im Bistum: Ex-Generalvikar gibt Tebartz-van Elst Alleinschuld

Von Knapp drei Jahre ist es her, dass sich Franz Kaspar nach seinem unrühmlichen Abgang als Generalvikar des Bistums Limburg zu den von ihm mitverantworteten Skandalen schriftlich äußerte. Nun hat der Geistliche erstmals über einen Fall gesprochen – und damit nicht nur ehemalige Weggefährten in Limburg irritiert.
Limburgs ehemaliger Generalvikar Franz Kaspar Bilder > Limburgs ehemaliger Generalvikar Franz Kaspar
Limburg/Neuburg. 

In Limburg war Franz Kaspar in den vergangenen Jahren kaum noch zu sehen gewesen. Auch ihm wohlgesonnene Menschen hatten den Eindruck, als scheue der für drei handfeste Skandale im Bistum mitverantwortliche Ex-Generalvikar das Licht der Öffentlichkeit. Das Haus des Bistums in der Ferdinand-Dirichs-Straße, in dem er lebenslanges Wohnrecht hatte, stellte Kaspar dem neuen Bischof zur Verfügung; im Oktober 2016 zog er aus – und in Limburg wusste fast niemand, wohin. Es interessierte freilich auch nur ganz wenige, die meisten weinten ihm keine Träne nach.

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Chronik Skandalgebeuteltes Bistum: Luxus, Lügen, Protzbauten

Die Ermittlungen gegen den Büroleiter von Bischof Georg Bätzing wegen des Besitzes von Kinderpornos markieren nicht den ersten Skandal im Bistum Limburg. Vor allem die sechsjährige Amtszeit des ehemaligen Bischofs ist gepflastert mit Fettnäpfchen, Lügen und dubiosen Vertrickungen. Unsere Chronik fasst sie zusammen.

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Nun gibt es ein Lebenszeichen von Kaspar. Der 78-Jährige meldet sich mit einem Paukenschlag zurück im kirchlichen Leben und äußert sich erstmals auch persönlich zu seiner Rolle beim Bau der 31-Millionen-Residenz auf dem Limburger Domberg, die ihm und seinem Chef Franz-Peter Tebartz-van Elst das Amt kostete.

Bilderstrecke Tebartz: Der Luxus-Wohnsitz des Limburger Protz-Bischofs
31 Millionen Euro verpulverte der Limburger Skandal-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für seinen Luxus-Wohnsitz. Wir haben uns in dem Gebäudekomplex umgesehen.Standard: Mit dieser beleuchteten Treppe fand sich der Bischof auch bei Dunkelheit perfekt in seiner Wohnung zurecht.Bischof möchte man sein: Das Schlafzimmer lässt keine Wünsche offen.

Kaspar lebt als Kirchenrektor in Bergen bei Neuburg an der Donau, berichtet die „Augsburger Allgemeine“, hält als Pfarrer täglich in der Wallfahrtskirche Heilig Kreuz einen Gottesdienst, tagt mit der Kirchenverwaltung des 383-Einwohner-Dorfes, zeigt als Experte für Kunst und Geschichte den Wallfahrern die Pietà von Maria mit dem Schwert im Herzen.

Nur Rechnungen bezahlt

Kaspar habe fünf Kirchen und Klöster in Deutschland besucht, die ihm einen adäquaten Altersruhesitz angeboten hätten, schreibt die Zeitung. Seine Entscheidung für das Domizil am südlichsten Ende des Bistums Eichstätt fiel demnach nicht zuletzt wegen seiner Freundschaft zum dortigen Bischof Gregor Maria Hanke, der auch in schwierigen Zeiten zu Tebartz und Kaspar gehalten hatte.

Im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ wäscht sich Kaspar rein, so gut es geht. Nachdem er in einer schriftlichen Stellungnahme im April 2014 sein allgemeines „tiefes Bedauern“ über das Bauprojekt geäußert hatte, macht der damalige Verwaltungsleiter der Diözese nun Tebartz allein dafür verantwortlich. „Ich musste nur sehen, dass die Rechnungen bezahlt werden“, so Kaspar. Und: „Ein Generalvikar hat keine eigenen Rechte.“ Die Entscheidungen habe der Bischof gefällt, sagte er der Zeitung. Wie es so weit kommen konnte? „Man hätte das Projekt nie beschließen dürfen.“ Das sei allerdings vor seiner Zeit als Generalvikar und vor der Amtszeit des Bischofs vom Domkapitel in die Wege geleitet worden.

Verblüffende Tricks

Damit hat der mit den höchsten kirchlichen und staatlichen Auszeichnungen gewürdigte Theologe recht. Tatsache ist aber auch, dass das Domkapitel lediglich einen Wohn- und einen Gebetsraum für den Bischof für maximal 2,5 Millionen Euro schaffen wollte – keine in den Domfelsen gebaute Residenz mit Privatkapelle für mehr als 30 Millionen.

Für diese Entwicklung waren laut Prüfbericht der Deutschen Bischofskonferenz ausschließlich Tebartz und Kaspar verantwortlich, die mit verblüffenden Tricks alle Kontrollmechanismen aushebelten. Wer was genau getan hat, bleibt offen. Der emeritierte Bischof hatte seinem Generalvikar die alleinige Schuld in die Schuhe geschoben, der behauptet genau das Gegenteil. Da verwundert es nicht, dass die beiden laut Kaspar keinen Kontakt mehr haben.

Beteiligte schildern, dass die sündhaft teuren Extrawünsche auf Initiative von Tebartz realisiert wurden. Sie erinnern sich ebenso gut daran, dass Kaspar der Motor des Projekts und Hauptakteur im System der Verschleierung war. Das belegen im Internet veröffentlichte Protokolle.

Weggefährten erstaunt

Kaspar überrascht ein paar Jahre später auch mit der Aussage, mitveranlasst zu haben, dass der Fall schließlich doch von der Bischofskonferenz untersucht wurde. Die Prüfungskommission nahm ihre Arbeit erst im Oktober 2013 auf, nachdem der Skandal bekannt, Tebartz seines Amtes enthoben und Kaspar vorzeitig als Generalvikar abgelöst worden war.

Im Bischöflichen Ordinariat und in Kirchenkreisen ist der Vorstoß des 78-Jährigen erstaunt zur Kenntnis genommen worden. „Hätte er doch besser weiter geschwiegen“, sagte ein hoher Würdenträger dieser Zeitung.

First Class in die Slums

Franz Kaspar habe sich in den vergangenen Jahren sein eigenes Weltbild geschaffen, die aktuelle Darstellung passe dazu. Eine offizielle Stellungnahme der Diözese gab es gestern nicht.

Franz Kaspar war im Februar 2012 auch aktiv am ersten Skandal um Franz-Peter Tebartz-van Elst beteiligt. Er hatte es mit privaten Bonusmeilen ermöglicht, dass die beiden in der First Class in die Slums in Indien flogen. Tebartz hatte in diesem Zusammenhang später eine falsche eidesstattliche Erklärung abgegeben.

Eine unrühmliche Rolle spielte der langjährige Leiter des Kommissariats der Bischöfe in Hessen (von 1979 bis 2003) vorher im St. Vincenzstift Aulhausen. In seiner Zeit als Direktor der größten Behinderteneinrichtung des Bistums gab es Misshandlungen und Missbrauchsfälle. Entsprechende Vorwürfe leugnete und bekämpfte Kaspar juristisch. Im April 2014 hat er sich dafür bei den Opfern entschuldigt.

Grab in Limburg

Und im Sommer 2015 gab er schließlich nach langem Streit knapp zwei Dutzend Kunstwerke an das Stift zurück, die er in seiner Wohnung nach eigenen Angaben „zwischengelagert“ hatte.

In Limburg sei er weder verbannt worden noch geflohen, sagt Franz Kaspar in Oberbayern. Er pflege weiter seine Kontakte und werde eines Tages dort beerdigt.

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