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Über die Jugend: Hans Altenhofen verlässt nach 36 Jahren die Evangelische Jugendfreizeitstätte

Von Nach 36 Jahren fällt der Abschied dann doch schwer: Seit dem Sommer ist Hans Altenhofen nicht mehr Leiter der Evangelischen Jugendfreizeitstätte in Limburg. Über die Jugend von heute und früher spricht der frischgebackene Rentner aber gerne. Und auch über seine Zukunft.
Nach 36 Jahren als Leiter der evangelischen Jugendfreizeitstätte verabschiedet sich Hans Altenhofen in den Ruhestand. Foto: Johannes Koenig Nach 36 Jahren als Leiter der evangelischen Jugendfreizeitstätte verabschiedet sich Hans Altenhofen in den Ruhestand.
Limburg. 

Hans Altenhofen (63) will und wollte einen unauffälligen Abschied aus Limburg. 36 Jahre lang betreute der Wiesbadener die im Untergeschoss der evangelischen Kirche untergebrachte Jugendfreizeitstätte, die im Volksmund auch lange Zeit „Fetze“ genannt wurde. Und obwohl er schon seit rund drei Monaten offiziell im Ruhestand ist, half er am vergangenen Sonntag wieder beim großen Limburger Flohmarkt aus.

„Hallo Hans“, tönte es gefühlt aus jeder Ecke des Kirchengebäudes, als es runter in den zu einem kleinen Musikstudio umgebauten Keller geht. „Mit dem Raum hier erreichen wir auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sonst nicht kommen.“ Oben geht währenddessen das Gewusel munter weiter: „1990 haben wir zum ersten Mal mitgemacht. Damals noch im ganz bescheidenen Rahmen“, erinnert sich der ehemalige Leiter, dessen Nachfolge momentan noch nicht abschließend geklärt ist.

Spenden gesammelt

Der Flohmarkt aber, der ist für die Jugendfreizeitstätte inzwischen zu einer ganz großen Sache geworden: „Rund 50 Freiwillige sind hier den ganzen Tag über unterwegs“, berichtet Hans Altenhofen. Über Wochen und Monate hatten sie die diversen Spenden eingesammelt, die nun rund um die Kirche feilgeboten wurden. Betreut wird der Verkauf von den Jugendlichen selbst: „Wir haben hier etwa sieben Kassen.“ Kassen, die jeweils eigenverantwortlich geführt werden. „Es wäre ein Leichtes, da mal reinzugreifen. Aber da passiert nichts“, umreißt er das gewachsene Vertrauensverhältnis.

Was nicht heißt, dass es nicht mal andere Zeiten gab: „Der Name ,Fetze‘ kam nicht von ungefähr. Ich wurde früher auch schon körperlich angegangen. Ich habe auch Hausverbote ausgesprochen.“ Als Leiter der Jugendfreizeit war er schließlich eine Autoritätsperson, und gegen Autorität rebellierten Jugendliche. Er wollte aber nie eine Autoritätsperson qua Amt, sondern qua Person sein, betont Altenhofen. Wegweisend für ihn sei dabei das Gleichnis vom verlorenen Sohn: „Da hat jemand in kürzester sein Erbe durchgebracht. Und erst als er ganz tief in der Scheiße sitzt, kehrt er zu seinem Vater zurück, der sogleich das beste Kalb schlachtet.“

Dennoch gelten im Jugendzentrum Regeln: „Riechen Sie hier etwas? Seit 15 Jahren gilt bei uns ein Rauch- und Alkoholverbot.“ Was aber unterscheidet die heutige Generation von früheren? „Die Jugendlichen heute wissen nicht, wofür sie sein können und wogegen sie sein müssen. Sie suchen mehr Freiräume.“ So lebten sie nun wieder nach dem alten Sponti-Spruch „Legal, illegal, scheißegal“. Denn da es heutzutage in Zeiten von G 8 generell immer weniger Zeit gebe, nähmen sie sich einfach die Zeit.

Hohes Engagement

Was sich unter anderem im Drogenkonsum manifestiert. Dazu kommen Probleme in den Elternhäusern: Vor acht Jahren hatte eine repräsentative Umfrage unter Konfirmanden ergeben, dass 30 Prozent von ihnen aus Scheidungsfamilien kommen. „Trotz allem ist die Jugend von heute mutig und lebenslustig“, betont Altenhofen. Und auch ihr Engagement ist entsprechend hoch: So waren die Limburger Jugendlichen seit 2001 auf rund einem Dutzend Kirchentagen immer mit 20 bis 25 Helfern aktiv. „Meine schönste Erinnerung fanden aber noch zu DDR-Zeiten statt, da haben wir gemeinsam eine Kirche in Lauchhammer renoviert.“ Rundherum glücklich verlässt er seine alte Wirkungsstätte dennoch nicht: Ihm sei es zum Beispiel nie wirklich gelungen, ökologische Kriterien im Jugendzentrum durchzusetzen. „Warum muss man fünf Kilo Pommes anstatt zehn Kilo Kartoffeln kaufen? Oder zum Frühstück Brötchen holen, von denen eins nicht sattmacht, anstatt Brot?“ Sein eigener ökologischer Fußabdruck liegt bei 2,1. „Ich verbrauche also mehr als das Doppelte an Ressourcen, als ich sollte. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“ Und welche Pläne hat Altenhofen für seine Zukunft? „Mein Traum wäre eine kleine Hütte am Lago di Bolsena in Mittelitalien.“

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