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Ruhige Zeit für Schildkröten: Winterschlaf im Pappkarton

Von Wenn es kühl wird, macht das Hobby von Gerd Isselbächer Pause. Seine Schildkröten verabschieden sich dann in die Winterstarre. Diese setzte in diesem Jahr später als sonst ein.
Sandra und Gerd Isselbächer sind fasziniert von Schildkröten. Bilder > Sandra und Gerd Isselbächer sind fasziniert von Schildkröten.
Limburg-Staffel. 

Gracia hat Weihnachten verschlafen. Auch Silvester und die nachfolgenden Wochen verbringt die maurische Landschildkröte gemeinsam mit ihren Schildkröten-Freunden noch tief vergraben im feuchten Laub in einem Karton. Sie wird erst wieder richtig erwachen, wenn es wärmer wird. Nur ihr Rückenpanzer, der bei jedem Tier anders aussieht und sie voneinander unterscheidet, ist nun sichtbar; der Kopf, an dem sie sich gern kraulen lässt, ist eingezogen – aus Schutz vor „Feinden“, wie Mäusen. Die Körperfunktionen sind heruntergefahren. Die Schildkröten halten Winterstarre, weil ihnen die Temperaturen im Winter viel zu kalt sind.

Der Staffeler Schildkröten-Besitzer Gerd Isselbächer hilft den Tieren dabei, indem er ihnen einen kühlen Ort im Keller bereitstellt, und ihnen ihr „Bett“ herrichtet, wenn es soweit ist. „Sie werden langsamer, träge, nehmen weniger Nahrung als sonst zu sich“, beschreibt er die Anzeichen, an denen er erkannt, dass es langsam Zeit wird, den Karton für die Winterpause vorzubereiten. „Die Schildkröten sind Kaltblüter und brauchen Wärme, um aktiv zu sein“, erklärt Tochter Sandra, die mit ihrem Vater das Hobby „Schildkröten“ teilt, den Grund für die Trägheit der Tiere im Herbst.

 

Wintervorbereitung

 

In diesem Jahr sei diese Phase allerdings später gekommen, sagt Gerd Isselbächer, der schon seit Jahrzehnten Schildkröten hält. Das lag an den warmen Temperaturen im Herbst. Länger als in den Vorjahren waren die sensiblen Tiere in ihrem Freigehege unterwegs. Bevor es dann doch ruhiger wurde unter den Schildkröten, wurden die Tiere gewogen und gebadet, um sie vor Parasitenbefall während der Ruhe zu schützen. Dann ging es ab in die Kiste, die jetzt im Keller der Isselbächers steht.

Hin und wieder schaut Gerd Isselbächer nach dem Rechten, befeuchtet das Laub, in dem die Tiere liegen, und schaut, ob alles in Ordnung ist. Ruhig liegen seine Schützlinge im Laub, auch Gracia, die mit 60 Jahren älteste seiner Schildkröten. Nur eine der Panzertiere will nicht schlafen und bewegt sich noch, ansonsten ist alles ruhig im Laub. „Das ist die langweiligste Zeit unseres Hobbys“, sagt Sandra Isselbächer.

Aufwecken ist nicht nötig: Wenn es draußen wärmer wird, bekommen das die gepanzerten Tiere mit, auch wenn es im Keller immer kühl bleibt. Wie kleine Meteorologen wissen sie, wann der Zeitpunkt für das Erwachen ist. Dann raschelt das Laub im Karton und kündigt diesen Moment an. Faszinierend findet das Gerd Isselbächer. Dann entscheidet jedes der Tiere selbst, wann es genug geruht hat, reckt seinen Hals aus seinem Panzer und beginnt sich langsam wieder zu bewegen und zu fressen. „Das ist dann immer ein besonderer Tag“, sagt Gerd Isselbächer, der insgesamt 14 maurische und griechische Landschildkröten beheimatet.

 

Aufwach-Kontrolle

 

Jedes der Tiere ist ein Individuum. „Manche sind echte Langschläfer, andere Frühaufsteher“, weiß der Schildkröten-Freund. Auch nach dem Erwachen geht es für die Tiere wieder auf die Waage, um den Gewichtsverlust zu kontrollieren. Die Daten trägt der Rentner in eine Tabelle ein und heftet diese in den Schildkröten-Ordner, der zudem wichtige Dokumente wie Genehmigungen für die Haltung der artgeschützten Tiere enthält.

Sind die Tiere erwacht, beginnt wieder die schöne Phase seines Hobbys: die Schildkröten beobachten, ihnen beim Fressen und beim Wandern durch ihren großen, naturnahen Freilauf zusehen. „Es sind tolle Tiere“, sind sich Vater und Tochter einig. Die artgerechte Haltung sei ihnen sehr wichtig, sagen die beiden, die sich selbst rein vegetarisch ernähren. Zwar seien ihre Schildkröten insgesamt pflegeleicht, doch gäbe es einiges zu beachten. So muss ausreichend Platz für ein Außengelände vorhanden sein und dieses zudem Steine und Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Das Beobachten der Tiere soll zudem nicht nur die Besitzer erfreuen, sondern dient auch der Überwachung. Nur so könnten Krankheiten erkannt und behandelt werden. „Es sind keine Spielzeuge für Kinder“, betont Tierfreundin Sandra Isselbächer und hofft, dass keine Tiere zu Weihnachten verschenkt wurden. Hochheben und Knuddeln mögen Schildkröten nämlich nicht.

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