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Bürgermeisterwahl in Hattersheim: 97 Stimmen Vorsprung für Schindling

Von Die Hattersheimer haben den Wechsel komplett gemacht: Mit einem denkbar knappem Ergebnis wurde gestern Klaus Schindling (CDU) zum Bürgermeister gewählt.
Der künftige Bürgermeister Klaus Schindling schaut fast ein wenig mitleidig zu Antje Köster, als die sozialdemokratische Amtsinhaberin und Wahlverliererin ihm zum Erfolg gratuliert. Der künftige Bürgermeister Klaus Schindling schaut fast ein wenig mitleidig zu Antje Köster, als die sozialdemokratische Amtsinhaberin und Wahlverliererin ihm zum Erfolg gratuliert.
Hattersheim. 

97 Stimmen machten am Ende den Unterschied aus: 4579 Hattersheimer wählten Amtsinhaberin Antje Köster (SPD), was einem Stimmenanteil von 49,5 Prozent entspricht. Klaus Schindling (CDU) wurde von 4676 Wählern unterstützt und kam auf 50,5 Prozent. Damit stand am gestrigen Sonntag um 19.02 Uhr fest: Die Reihe der SPD-Bürgermeister in Hattersheim ist unterbrochen, CDU-Mann Schindling kann am 30. September auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen.

Quälende 15 Minuten

Dicht gedrängt standen die Hattersheimer im Hessensaal des Posthofes, und sie erlebten einen denkwürdigen Wahlabend. Anfangs sah Bürgermeisterin Köster wie die Siegerin aus – der erste Stimmbezirk – Goethestraße, Heddingheimer Straße, Eichendorffring – ging mit 52,7 zu 47,3 Prozent an sie. Köster hatte gegenüber dem ersten Wahlgang 7,3 Prozentpunkte zugelegt, Schindling 10,7 Punkte. Hätte Köster in allen Wahllokalen ähnliche Zuwächse geschafft, wäre ihr der Sieg nicht zu nehmen gewesen.

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Um 18.23 Uhr lag Köster nach sieben ausgezählten Wahllokalen sogar mit 57,6 zu 42,4 Prozent vorne, aber der Vorsprung schmolz schnell. Zwischen 18.30 und 18.40 Uhr lagen beide Kandidaten abwechselnd vorne, nach 20 ausgewählten Stimmbezirken lag Schindling um 0,4 Prozent vorne. Genau so sah es auch um 18.48 Uhr aus, nach 31 von 32 Wahlbezirken. Dann dauerte es fast eine quälende Viertelstunde lang, bis das fehlende Resultat aus Okriftel eintraf.

Nur wenige Genossen

War es bis dahin ausgesprochen ruhig gewesen im Hessensaal, blickten die meisten gebannt auf die Projektion der Wahlergebnisse an der Leinwand, so brandete Jubel auf, als das Ergebnis feststand. Schindling war einige Minuten vorher eingetroffen, man umarmte sich und tauschte Gesten des Triumphes aus. Bis zuletzt konnte man sich des Erfolges nicht sicher sein. Vertreter von SPD und Grünen hatten sich nur wenige im Hessensaal eingefunden – ein Zeichen dafür, dass man in der ehemaligen Koalition ahnte, dass der Abend mit einer Niederlage enden könnte.

Köster tauchte erst einige Minuten nach Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses auf, durchaus mit einem Lachen im Gesicht, anmerken ließ sie sich wenigstens auf den ersten Blick nicht viel. Ob sich auch ein ganz klein wenig ein Gefühl der Befreiung eingestellt hatte? Die abgelaufene Wahlperiode mit einer Reihe unliebsamer Probleme, vom Baustopp im Schokoladenquartier bis zum Einnahmeeinbruch bei der Gewerbesteuer, dürfte Kraft und Nerven gekostet haben. In der rot-grünen Koalition gab es nicht nur Sonnenschein, und ohne ihr nachdrückliches Drängen hätte sich die SPD womöglich auch auf den kommunalen Schutzschirm nicht eingelassen.

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„Die Bürgermeisterin wurde nicht abgestraft, die Leute haben keine persönlichen Vorbehalte gegen Frau Köster“, kommentierte auch Wahlsieger Schindling. Er geht aber davon aus, dass es den Hattersheimern wichtig war, dass es zu einer bürgerlichen Koalition den passenden Bürgermeister gebe – der einfacheren Zusammenarbeit wegen. „Der Bürger will Regierungsfähigkeit.“

Köster war nicht in der Stimmung, große Erklärungen abzugeben. „Es ist, wie es ist“, erklärte die Rathauschefin, um sich noch von ihrer Hofheimer Amtskollegin Gisela Stang und der Landtagsabgeordneten Nancy Faeser (beide SPD) in den Arm nehmen zu lassen. Köster bedankte sich bei allen, die sie im Wahlkampf unterstützt hatten. „Herr Schindling wird es schon richten“, sagte Köster, um sich wieder auf den Weg zu machen.

Bilderstrecke Bürgermeisterwahl in Hattersheim: Klaus Schindling macht das Rennen
Familienglück: Wahlgewinner Klaus Schindling freute sich mit seinen Kindern Franziska und Georg.Sie war sichtlich frustriert vom Ausgang der Stichwahl: Hedwig Bender (Bündnisi 90/Die Grünen)Spannend bis zum Schluss war es bei der Präsentation der Wahlergebnisse im Alten Posthof.

Derweil waren die Bündnispartner der CDU schier aus dem Häuschen. „Unsere Strategie ist aufgegangen“, so FWG-Fraktionschef Karl Heinz Spengler. Köster habe man nur in einer Stichwahl besiegen können, und für diese habe er mit seiner Kandidatur gesorgt. „Wir haben Wahlkampf gemacht, bis der Arzt kommt“, betonte FDP-Parteichef Peter Pilz. Außerdem kündigte er den Verhandlungsbeginn mit CDU und FWG an – die drei Parteien hatten die neue Koalition ja schon verkündet. Nun sollen die künftigen Projekte festgelegt und Details besprochen werden.

„Viel abverlangt“

Demgemäß stellt sich die SPD schon auf die Oppositionsrolle ein. „Wir haben den Bürgern viel abverlangt“, weist der Parteivorsitzende Thomas Abicht auf den kommunalen Schutzschirm hin, auf die damit verbundene Erhöhung der Grundsteuer und auf die Schließung der Stadthalle. In der Opposition komme jetzt viel Arbeit auf die SPD zu, so Abicht, der Ausblick auf den nächsten Wahlkampf wagte: Man müsse darüber reden, ob solche Materialschlachten tatsächlich notwendig seien.

Er bleibt CDU-Chef

„Wir müssen den Worten jetzt Taten folgen lassen“, sagte Wahlsieger Schindling. Das werde eine schwierige Aufgabe. Für Hattersheim sei der Wahlsonntag ein guter Tag gewesen, denn mit einem „Weiter so“ sei die Genesung der Stadt sicher nicht zu schaffen. Eine erste Entscheidung hat er schon getroffen – auch als Bürgermeister will er Vorsitzender der CDU bleiben. Am Dienstag trifft sich die CDU-Fraktion erstmalig, und dann dürfte eine weitere Personalie Thema werden: Als stärkste Fraktion wird die CDU auch den Stadtverordnetenvorsteher stellen.

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Kommentar: Furioser Endspurt

Rumms, das hat gesessen. Die Kreis-Genossen erwischte es innerhalb von vier Monaten zum zweiten Mal: Eine SPD-Amtsinhaberin verliert eine

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