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Allein unter starken Frauen

Von Es ist das fünfte Werk seiner Reihe - und er hat noch jede Menge Geschichte im Computer. Schon mehr als 100 000 Exemplare wurden bereits verkauft.
Dieter Wunderlich Bilder > Dieter Wunderlich
Kelkheim. 

Sie sind das, was man im Angelsächsischen „shocking“ nennt: Frauen, die einfach ihr „Ding“ durchgezogen haben, ohne sich um Konventionen zu scheren. Frauen, die die Ächtung der Bourgeoisie in Kauf genommen haben, die bedingungslos liebten und deren Lebenselixier die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit war und ist. „Provozierend und vom Durchschnitt abweichend“, nennt Dieter Wunderlich die Attribute der elf Damen, die er in seinem neuen, vor wenigen Tagen erschienenen Buch „Unerschrockene Frauen“ porträtiert. Es ist das fünfte einer Reihe, die im renommierten Piper-Verlag erscheint und in der sich der Kelkheimer Autor mit berühmten Frauen sowie ihren ungewöhnlichen Lebenswegen beschäftigt. Mit großem Erfolg - inzwischen haben die Bücher des gebürtigen Münchners, der seit über 20  Jahren in der Möbelstadt lebt, eine Auflage von über 100 000 Exemplaren und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

2004 hat der heute 67-Jährige mit den ersten Porträts begonnen. „Eigensinnige Frauen“ standen - damals im Blickpunkt und eigensinnig kommen auch die Damen daher, deren Biografien der studierte Psychologe in seinem aktuellen Buch skizziert. „Menschen, die Ungewöhnliches wagen, haben mich seit jeher interessiert, ebenso habe ich schon als Junge gern geschrieben“, erzählt der erfolgreiche Autor, der zuvor jahrzehntelang im Management eines internationalen, in Schwalbach ansässigen Konzerns arbeitete. Hätte er nicht Psychologie studiert, wäre Journalist sein Traumberuf gewesen, sagt er. Das merkt man den sorgsam recherchierten Porträts an, die den Leser mit prägnanten Formulierungen und spannend konstruiertem Aufbau in den Bann ziehen. Freilich liegt es auch an der Auswahl der Porträtierten, die sogleich ein lebendiger Exkurs in die Geschichte ist.

Voilà, beginnen wir chronologisch - mit Madame de Staël. Schön war sie nicht, die 1766 geborene Tochter eines aus Genf stammenden Bankiers, der ebenso wie seine Tochter später ein wichtige Rolle in der Französischen Revolution spielen sollte. Den Mangel an Liebreiz machte sie durch Belesenheit und Verve wett. Nicht nur Wilhelm Schlegel gehörte zu ihren Bewunderern, auch Friedrich Schiller lobte sie als „geistreichstes weibliches Wesen“ seiner Zeit. Furchtlos und unerschrocken war die Philosophin, die sich mit ihrer politischen Haltung später Napoleon zum Todfeind machte.

Schönheiten im klassischen Sinn waren auch George Sand oder die französische Schriftstellerin Collette nicht - doch ebenso wie die Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé revoltierten diese Frauen gegen die gesellschaftlichen Regeln, nahmen an der Welt der Männer teil und waren mit ihren unkonventionellen Lebensstil Wegbereiterinnen der Emanzipation.

Schönheit, Macht und Glamour indes vereinte Evita Peron in sich. In kleinsten Verhältnissen geboren, wurde die elegante Blondine nicht nur Ehefrau des früheren argentinischen Staatspräsidenten, sondern unvergessene Wohltäterin der Armen. Noch heute, 61 Jahre nach ihrem tragischen Krebstod, lieferte sie den Stoff für Legenden und das Musical „Evita“. Hauptrolle in letzterem Stück spielte übrigens eine weitere „unerschrockene“ Frau, der ebenfalls ein Kapitel gewidmet ist: Superstar Madonna.

Apropos: Hildegard Knef und Nina Hagen komplettieren die Riege der porträtierten Film- und Musikstars, deren unkonventionelle Lebensmuster Dieter Wunderlich aufzeigt. Aber auch die Politik kommt mit einem einfühlsamen Porträt von Großbritanniens „Iron Lady“ Margaret Thatcher nicht zu kurz. Wie ein Thriller liest sich die Biografie der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt, deren Mord 1957 einen Skandal im Nachkriegsdeutschland auslöste. Als „skandalös“ haben viele auch die politische Unbeirrbarkeit von Filmregisseurin Leni Riefenstahl empfunden, deren Lebensweg Dieter Wunderlich nüchtern und bar jeglicher Bewertung wiedergibt. Was ihn an all diesen Frauen fasziniert? „Auch wenn die Lebensumstände sehr unterschiedlich waren, haben sie sich nie von ihrem Ziel abbringen lassen und sind ihren Weg gegangen. Vielleicht nicht immer glücklich, denn viele waren auch sehr einsam“, sagt der Autor, der viele Ideen für weitere Bücher hat. Auch wenn er durchaus „auch gern mal etwas anderes schreiben würde“, sind seine Frauenporträts so erfolgreich, dass der Verlag bereits Interesse an einem weiteren Buch der Reihe bekundet hat. Reichlich Stoff jedenfalls hat Dieter Wunderlich: „Ich habe die Kurzporträts von 300 Frauen auf dem Laptop, das reicht für zehn Jahre.“

 

Das Buch „Unerschrockene Frauen“, ISBN 978-3-492-30267-8 von Dieter Wunderlich ist im Piper-Verlag erschienen. Das 288 Seiten starke Taschenbuch kostet 9,99 Euro und ist überall im Buchhandel erhältlich.

 

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