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Als Babettchen über die Akazien-Meile flanierte

Im Rahmen der Reihe „Kommoden und Komödien“ erweckte Katharina Schaaf die Kelkheimer Geschichte zum Leben. Der Beginn der Blütezeit im Möbelhandwerk vor mehr als 100  Jahren wird dabei lebendig.
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Kelkheim. 

Geschichtsunterricht kann mitunter ganz schön dröge sein. Der historische Spaziergang vom Museumsverein hingegen war alles andere als trocken - und das lag nicht am strömenden Regen. Schauspielerin Katharina Schaaf schlüpfte in die Rolle des Frankfurter Töchterchens „Babettchen“ und entführte die Teilnehmer auf einen Rundgang durch das Kelkheim vor 100 Jahren. Im authentischen Kleid, mitsamt Sonnenschirm und Hut hauchte sie der Tour Leben ein und brachte mit ihrer „Frankfurter Gusch“ die Zuhörer ein ums andere Mal zum Schmunzeln.

Der Grund für ihren Besuch ist ihr Geliebter Julius, der als Schreinergeselle in der aufstrebenden Möbelstadt Kelkheim seinen Lebensunterhalt verdient. „Isch nennen aber immer Jules, des klingt irschendwie vornehmer“, verrät die junge Dame.

 

Strom, Kanal, Trottoir

 

Auch das einstige Dorf Kelkheim habe sich zur damaligen Zeit herausgeputzt. Seit 1905 sind die Anwohner ans Stromnetz angeschlossen, bekamen ein Kanalisationssystem und neue Straßen samt Trottoir. Diese waren damals allerdings noch von Akazien umsäumt, in deren Schatten die beiden Verliebten Küsse austauschen konnten. Und in den großen Vordergärten, die im Laufe der Zeit Reihenhäusern Platz machen mussten, konnte Jules seiner Angebeteten bunte Blumen stibitzen.

Selbst den Bahnhof erkennt das „Babettchen“ kaum wieder. Längst ist das Gütergleis verschwunden, auf dem zu ihrer Zeit noch riesige Holzstämme angeliefert wurden. Daraus entstanden die Möbelstücke, die Kelkheim zu Ruhm verhalfen. Ursprünglich griffen die ortsansässigen Bauern dieses Handwerk nur aus der Not heraus auf. Da die großen Höfe unter den zahlreichen Erben langsam zerfielen, breitete sich Armut aus. Folglich überlegten die Menschen nicht lange, als sie erfuhren, dass in den Farbwerken Hoechst Bedarf an Kommoden bestand. Nebenberuflich wurden die Möbelstücke zusammengeleimt und so unbewusst ein äußerst ertragsreicher Industriestandort eröffnet. Ein ebenso glücklicher Zufall brachte auch Schauspielerin Katharina Schaaf nach Kelkheim. Ursprünglich war Mario Gesiarz vom Frankfurter Mundart-Theater „Rezi Babbel“ als Leiter der Führung vorgesehen. Als dieser aus terminlichen Gründen absagte, verwies er die Verantwortlichen auf Schaaf. Die charismatische Schauspielerin hatte bereits im Rahmen der „Frankfurter Stadthistoriker“ ähnliche Veranstaltungen in Rödelheim gehalten.

 

Zeitzeuge Josef Becker

 

„Die Hintergrund-Informationen bekam sie von Josef Becker“, erklärt Beate Matuschek vom Kulturreferat. Der 94-Jährige stellte als Zeitzeuge eine unschätzbar wertvolle Quelle an Anekdoten und Wissen dar. Am 13.  Oktober ist das „Babettchen“ mit ihrer Tour „Kommoden und Komödien“ um 15 Uhr erneut zu Gast in Kelkheim. Aufgrund des Erfolges bei der Premiere ist es durchaus vorstellbar, dass die humorvolle Frankfurterin in Zukunft zum Dauergast in der Möbelstadt wird.

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