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Angst um den Lindenplatz

Von Wieder einmal gibt es Diskussionen über ein städtisches Grundstück, das verkauft und bebaut werden soll. In Eddersheim sind davon der Lindenplatz betroffen sowie der alte Friedhof. Verkauft ist bisher aber noch kein Quadratmeter.
Der Lindenplatz muss erhalten bleiben, fordert die Eddersheimer Bürgerinitiative für Umweltschutz. Zurzeit prüft das Landesdenkmalamt, ob die historische Friedhofsmauer (rechts) schützenswert ist. Foto: Hans Nietner Der Lindenplatz muss erhalten bleiben, fordert die Eddersheimer Bürgerinitiative für Umweltschutz. Zurzeit prüft das Landesdenkmalamt, ob die historische Friedhofsmauer (rechts) schützenswert ist.
Eddersheim. 

Ein Detail auf der Homepage der Terra Immobilien ist schon etwas kurios. Da ist im Garten eines der Reihenhäuser, die darauf angeboten werden, ein Junge zu sehen, der offensichtlich einen Drachen steigen lässt. Das ist freilich ein unwahrscheinliches Szenario für ein Grundstück mitten im Ort, an der Einmündung der Bahnhofstraße in die Flörsheimer Straße. Aber das ist auch nur ein Detail am Rande. Für mehr Aufregung sorgt im Ort, dass das Grundstück überhaupt bebaut werden soll. Konkret geht es um das Gelände, das der katholischen Pfarrgemeinde gehört und auf dem noch der alte Kindergarten steht, sowie um eine angrenzende Fläche, die wegen der dort stehenden Bäume eben Lindenplatz heißt. Dort möchte die in Frankfurt-Höchst ansässige Terra Immobilien acht Reihenhäuser verkaufen, die von der Hochheimer Synergie Consulting GmbH gebaut werden.

Zum Sturm gegen diese Projekte bläst nun die Bürgerinitiative für Umweltschutz (BfU). Ein „kostbares Kleinod“ nennt BfU-Sprecher Frank Wolf den Lindenplatz in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung. „Vor vollendete Tatsachen sollten die Eddersheimer gestellt werden“, schimpft BfU-Vorstand Werner Schuster.

Für BfU-Sprecher Wolf kann es vor allem nicht sein, dass ein einstiger Friedhof mit Reihenhäusern bebaut wird. Dort seien viele Vorfahren heutiger Eddersheimer Bürger beerdigt, unter anderem die Opfer der großen Pockenepidemie von 1827. Zudem sei es kirchenrechtlich nicht möglich, einen ehemaligen Friedhof zu entwidmen und zu bebauen. Zivilrechtlich ist das freilich kein Problem, in Hofheim etwa steht auf einem ehemaligen Friedhof das Personalwohnhaus des Krankenhauses.

Keine Baugenehmigung

Die Stadt räumt ein, dass tatsächlich einmal angestrebt war, das Gelände für Einzelhandel zu nutzen oder zum Bau von seniorengerechten Wohnungen. Verhandlungen in dieser Richtung hätten nicht zum Erfolg geführt, so Pressesprecher Stefan Käck.

Fest steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nur, dass das Vorhaben noch nicht unter Dach und Fach ist. Wie die Stadt mitgeteilt hat, sei das städtische Grundstück noch gar nicht verkauft. Von der Pfarrgemeinde war gestern zum Stand der Verkaufsverhandlungen bis Redaktionsschluss nichts zu erfahren. Die Pläne zeigen aber, dass zur Realisierung des Projektes beide Grundstücke gebraucht werden. Auch eine Baugenehmigung gibt es noch nicht, erklärt der Main-Taunus-Kreis auf Anfrage des Kreisblatts. Dass die Reihenhäuser trotzdem schon zum Verkauf angeboten werden, sei gängige Praxis in der Branche, sagt Norbert Rupprath von Terra Immobilien. So spare man Zeit und Geld. In dem für das Projekt geschalteten Internetauftritt sind schon vier der acht Häuser als reserviert markiert.

Für den Verkauf des städtischen Grundstückes gibt es aber noch keine Zustimmung von der Stadtverordnetenversammlung. Die Mitglieder der neuen Mehrheitskoalition – die damals die Opposition waren – hatten einst der Liste der zu verkaufenden städtischen Grundstücke nicht zugestimmt. Jetzt haben CDU, FDP und FWG die Mehrheit. Nach Auskunft des CDU-Vorsitzenden Klaus Schindling hat das neue Bündnis aber noch keine gemeinsame Position zu dem Thema formuliert. Dafür ist noch Zeit genug – die Stadtverordnetenversammlung wird erst nach den Sommerferien über das Grundstücksgeschäft beraten.

Ein ganz anderer Stolperstein könnte übrigens die historische Friedhofsmauer sein, die das Grundstück begrenzt. Wie Deike Wichmann von der Pressestelle des Kreises berichtet, soll das Landesdenkmalamt prüfen, ob die Mauer schützenswert ist. Sollte man zu dieser Einschätzung kommen, müsste zumindest umgeplant werden.

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