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Asylbewerber werden nicht bewacht

Von Der Zustrom hält unvermindert an. Niemand weiß, wie viele Menschen noch kommen werden. Asylkreise aus Kirchen und der Nachbarschaft der Unterkünfte sind wieder aktiv.
Hofheim. 

Donnerstags bekommt die Kreisverwaltung die Zahl der Flüchtlinge genannt, die sie im Laufe der Woche unterbringen muss. Zwar sind alle Kommunen in der Pflicht, Flüchtlingen aufzunehmen, organisatorisch ist aber der Kreis verantwortlich. Er muss die Unterkünfte mieten oder bauen, und er muss dafür sorgen, dass es darin menschlich zugeht.

Keine einfach Aufgabe, denn die Kreisverwaltung bekommt donnerstags nur die nackte Zahl genannt, dazu noch das Herkunftsland, das Geschlecht und ob Familien darunter sind. Das war’s. „Wir haben keine Ahnung, ob Behinderte darunter sind, ob welche traumatisiert sind, welches Schicksal sie erlebt haben oder wie weit ihre Asylverfahren sind“, sagt Johannes Latsch, Sprecher der Kreisverwaltung. Das müssen die Sozialarbeiter herausfinden. Einer kommt auf 150 Flüchtlinge. Noch. Das Verhältnis dürfte ungünstiger werden, wenn der Zustrom anhält – und es sieht ganz danach aus.

Joachim Werle, Leiter des Kreis-Sozialamts, hatte zu Beginn des Flüchtlingsdramas im Kreisblatt schon mal einige Eckpunkte des Unterbringungskonzepts erklärt. So sollen die Flüchtlinge möglichst in kleinen Wohneinheiten untergebracht werden, in ganz normalen Wohnhäusern, quer über die Städte und Gemeinden verteilt. Das nimmt nicht nur den Nachbarn die Angst vor den Unbekannten, es entstehen auch weniger Konflikte unter den Flüchtlingen. Hotels will der Kreis wenn möglichst nicht anmieten, mehr als 50 Flüchtlinge sollen nicht an einer Stelle untergebracht werden, denn Konflikte blieben nicht aus, wenn Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt mit den unterschiedlichsten Wertvorstellungen auf engem Raum zusammenleben.

Dennoch entstehen die Flüchtlingsunterkünfte, die vor ein paar Jahren abgebaut wurden, gerade wieder. Beispielsweise in Kriftel. „Dass da ein Zaun drum ist, hat nichts damit zu tun, dass wir jemanden einsperren möchten, er soll vielmehr ein Schutz für die Bewohner sein, denn die Straße ist direkt nebenan und vielbefahren“, sagt Latsch. Die Bewohner dürfen ein und aus gehen, wie sie wollen. Bad Sodens Bürgermeister Norbert Altenkamp sei schon aufgefallen, dass man dort nur selten einen der männlichen Bewohner antreffe, erzählt Kreissprecher Latsch. Viele seien ständig auf Sportplätzen unterwegs. Latsch: „Sie wurden schnell in die Vereine integriert.“

Irgendwelches Wachpersonal findet man in den Asylunterkünften im Main-Taunus-Kreis nicht. Auch kein anderes Personal. Die Flüchtlinge organisieren ihre Leben so weit es geht selbständig. Wenn sie Hilfe brauchen, bekommen sie die oft in der Nachbarschaft oder in den Asylkreisen, die die Neuankömmlinge bei Behörden- und Arztbesuchen begleiten, den Kindern erste Brocken Deutsch beibringen oder ihnen bei Hausaufgaben helfen, ihnen aber auch zeigen, wie und wo man einkaufen kann. „Sie bekommen Geld für das Essen von uns“, sagt Johannes Latsch. Damit verpflegen sie sich dann selbst.

Ob das alles dauerhaft durchgehalten werden kann, weiß man beim Kreis nicht. Das hängt auch von der Zahl der Flüchtlinge ab. Es fehlen schon jetzt Wohnungen.

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