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Goldene Klobürste: "Award" für dreckigste Schultoilette wird vergeben

Die „Goldene Klobürste“ ist kein erstrebenswerter Preis. Er wird im Main-Taunus-Kreis an die Schule mit den dreckigsten Toiletten vergeben. Damit soll auf eine ganze Reihe von Missständen aufmerksam gemacht werden.
Viele Toiletten in öffentlichen Einrichtungen und Schulen geben ein beklagenswertes Bild ab.  Archivfoto: Jens Priedemuth Viele Toiletten in öffentlichen Einrichtungen und Schulen geben ein beklagenswertes Bild ab. Archivfoto: Jens Priedemuth
Hofheim. 

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die teils katastrophalen und unzumutbaren Zustände der sanitären Anlagen in den Schulen des Main-Taunus-Kreises zu lenken und diese dadurch zu verbessern – so lautet das Ziel der „Goldenen Klobürste“, die einen neuen Preisträger sucht. Erstmals wurde dieser „Award“ für die dreckigste Schultoilette, ein Projekt der Kreisschülervertretung Main-Taunus, im Jahr 2009 an die Albert-Einstein-Schule in Schwalbach verliehen. Der Grundgedanke damals: Speziell der Schulträger, also der Kreis, sollte mit der Baufälligkeit der Toiletten konfrontiert werden.

Immerhin wurden daraufhin neue Systeme zur Reinigung und Nutzung der Toiletten ausprobiert und sich insgesamt intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. „Mittlerweile gibt es zwar an manchen Schulen modernere Toiletten, aber es wird oft nicht richtig mit ihnen umgegangen“, schildert Finn Kretschmer. „Daher wollten wir nun einerseits die Schüler dazu ermahnen, die schuleigenen Toiletten gewissenhaft zu nutzen, und außerdem auf die baulichen Missstände hinweisen, die weiterhin existent sind“, so der Kreis-Schulsprecher. „Daher richten wir uns auch an die Lehrer und Eltern sowie Interessierte ohne direkte Verbindungen zu den Schulen des Main-Taunus-Kreises.“

Er weiß von erschreckenden Negativbeispielen zu berichten: „Da wurden unter anderem Pissoirs von den Wänden getreten oder Toiletten mutwillig verstopft. Dass keine Mülleimer vorhanden sind oder weder Handtücher noch Klopapier aufgefüllt werden, ist hingegen schon an der Tagesordnung, ebenso wie viel zu selten oder oberflächlich gereinigte Toiletten, weil weder Personal noch Ressourcen zur Verfügung stehen.“ Kritzeleien oder misslungene Verschönerungsversuche der Schule, kaputte Lampen und dementsprechend dunkle Toiletten mit teils antiquarischen Spülvorrichtungen seien ebenfalls keine Seltenheit.

Alle tragen Verantwortung

Die Verantwortung für diese Zustände sieht Finn Kretschmer bei allen Beteiligten: „Das schlimmste Problem ist meist eine Kombination mehrerer Faktoren. Sind die Schultoiletten alt und abgenutzt, achten die Schüler weniger auf den Umgang mit ihnen, und nehmen die Schüler wenig Rücksicht und machen mehr Dreck, hat eine schlecht bezahlte Putzkraft mit wenig Zeit nicht die Motivation und Möglichkeiten, die sanitären Anlagen ausreichend zu reinigen.“ Allerdings komme es natürlich auch vor, dass Schüler mit neuen Toiletten schlecht umgehen oder dass Toiletten generell unzureichend geputzt würden.

Auf der Website des Projekts unter klobuerste.ksr-mtk.de konnten in den vergangenen Wochen Beispiele für unansehnliche Schultoiletten im Main-Taunus-Kreis hochgeladen werden. Bis Donnerstag, 29. März, stehen dort insgesamt acht Schulen zur Abstimmung. Jeder, egal ob Schüler, Elternteil oder Interessierter von außerhalb, darf über das Formular auf der Website seine Wahl treffen, allerdings nur einmal. „Anhand der verschiedenen Beispiele können die Schüler erkennen, wie ihre eigene Schule aussehen könnte, wenn nicht gut mit den Toiletten umgegangen wird. Auch Außenstehende können für sich eine Lehre daraus ziehen, für die Nutzung von öffentlichen Toiletten oder denen am Arbeitsplatz“, so Kretschmer.

Gegen Gebühren

Einer anderen Idee – in Marburg kassiert eine Gesamtschule pro Toilettengang zehn Cent und hat damit großen Erfolg in Sachen „saubere Toiletten“ – erteilt der Kreis-Schulsprecher allerdings eine klare Absage: „Das Modell der Toilettennutzung gegen eine Gebühr lehnen wir prinzipiell ab. Zum einen wird vermutlich die zweite Toilette, die gratis zu benutzen ist, seltener gereinigt und weniger gut gepflegt. Und es kann nicht sein, dass Schüler damit separiert werden. Wenn sich einer selbst diese geringe Gebühr nicht leisten kann und die Gratis-Toilette benutzen muss, wird er automatisch ins Abseits gestellt. Außerdem sollte jeder die Möglichkeit haben, eine saubere Toilette gratis zu nutzen.“

Daher will der Kreisschülerrat auch nicht umgekehrt vorgehen und die sauberste Toilette auszeichnen, „denn wir wollen nicht loben, was ohnehin funktioniert“. Vielmehr liegt ihm eine ernsthafte Verbesserung der Situation am Herzen. „Denkbar wäre es allerdings, in gewissem zeitlichem Abstand nach Verleihung der ,Goldenen Klobürste‘ die Schule auszuzeichnen, bei der die größte positive Veränderung stattgefunden hat.“ In erster Linie sollen dem Schulträger mit dem Ergebnis des aktuellen Award-Projekts konkrete Zahlen vorgelegt werden, um ihn durch den Druck der öffentlichen Meinung zum Handeln zu bewegen. Anfang April wird der „Gewinner“ verkündet.

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