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Beeindruckendes Engagement

Von Gestern Abend wurde im Bürgerhaus der Kulturförderpreis der Stadt vergeben. Er wurde diesmal dreigeteilt. Dazu gab es einen nicht dotierten Ehrenpreis.
Flatternde Fahnen von Griechenland über Kanada bis nach Großbritannien: Die Mädchen und Jungen der Theodor-Heuss-Schule freuten sich auf ihre eigene Art und Wiese über die Preisverleihung.	Fotos: Hans Nietner Bilder > Flatternde Fahnen von Griechenland über Kanada bis nach Großbritannien: Die Mädchen und Jungen der Theodor-Heuss-Schule freuten sich auf ihre eigene Art und Wiese über die Preisverleihung. Fotos: Hans Nietner
Bad Soden. 

Die Verlegung von sechs Stolpersteinen am 30. Mai war das herausragende kulturelle Ereignis in der Kurstadt in diesem Jahr, dokumentiert es doch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Die öffentliche Aktion zeigt, dass die Bürger der Stadt die Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus, die einst in der Kurstadt ihren Lebensmittelpunkt hatten, wachhalten wollen.

Dieses „sichtbare Zeichen gegen das Vergessen“ überzeugte die Juroren des Kulturförderpreises. Sie erkoren die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine Bad Soden zum ersten Preisträger 2014. Der Preis ist mit 1250 Euro dotiert.

„Die Schöpfung“ von Joseph Haydn wählte der Main-Taunus-Kammerchor für einen herausragenden Auftritt zu seinem 30. Geburtstag aus. Die Jury beeindruckte die „organisatorische Leistung, die zu einem außerordentlichen Klangereignis führte“ und verlieh dem Chor den zweiten Preis. Über 750 Euro kann sich die Singgemeinschaft freuen.

Nachhaltiges Dokument

Die Theodor-Heuss-Schule an der Sulzbacher Straße existiert seit 100 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums stellte die Grundschule gemeinsam mit dem Förderverein der Schule sowie dem Historischen Verein ein umfangreiches Festprogramm auf die Beine, das nach Ansicht der Jury eine Auszeichnung verdient hat. Die Juroren lobten das optimale Zusammenwirken der drei Institutionen bei diesem Projekt sowie die umfangreiche Festschrift, die ein nachhaltiges Dokument darstelle. 500 Euro gehen an den dritten Preisträger.

Besondere Würdigung

Einen Ehrenpreis ohne finanzielle Zuwendung erhielt die Altenhainer Galerie Helga K. Schiffler. Ohne die Galerie würde es den Namen „Stadtgalerie“ für die Ausstellungsräume im historischen Badehaus im Alten Kurpark möglicherweise nicht geben, stellte Bürgermeister Norbert Altenkamp in seiner Laudatio fest. Das breitgefächerte Engagement der Galerie für die Bildende Kunst in Bad Soden verdiene eine besondere Würdigung.

Die Galerie habe Arbeiten der über Deutschland hinaus bekannten Neuenhainer Künstlerin Elvira Bach nach Bad Soden gebracht, aber auch regionalen Künstlern eine Plattform geboten. Ausstellungen wie die „Hommage an Bad Sodener Künstler“, der Künstlermarkt im Herrnbau-Garten in Neuenhain sowie die Aktion „Offene Sodener Ateliers und Galerien“ seien weitere künstlerische Aktivitäten, die die Galerie in der Stadt etabliert habe.

Während der Preisverleihung im Bürgerhaus gestern Abend beeindruckte die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine mit ihrer Präsentation, in der sie die schrecklichen Geschehnisse im November 1938 in Soden in Erinnerung rief, die langwierigen Vorbereitungen für die Verlegung der Stolpersteine ansprach sowie über die berührenden, menschlichen Begegnungen berichtete, die es in der Kurstadt während der Tage im vergangenen Mai gab.

Weite Anreise

Fünf Stolpersteine wurden von dem Kölner Künstler Gunter Demnig vorm Gebäude „Zum Quellenpark 6“ verlegt. Sie erinnern an den Arzt Max Isserlin, seine Frau Regina und die Kinder Bruno und Ruth. Ein Stein würdigt die Haushälterin Mina Grünebaum. In der Hasselstraße 20 wurde ein Stolperstein für Bernhard Freymann in den Fußweg eingelassen.

Dass die beiden Enkel des Arztehepaares Isserlin zur Verlegung der Steine nach Bad Soden angereist kamen, war besonders beeindruckend. Ora Goldschmidt, die Tochter von Ruth, verheiratete Baum, kam aus Tel Aviv. Jonathan Isserlin nahm die Reise aus Kanada auf sich. Eine englische Führung durch Sodens Innenstadt, eine über den Jüdischen Friedhof auf der Wilhelmshöhe sowie ein Besuch in Höchst, wo Ruth und Bruno Isserlin seinerzeit zur Schule gegangen waren, gehörten zum umfangreichen Besuchsprogramm, das der Arbeitskreis gemeinsam mit Sodener Bürgern sowie Lehrern und Schülern der Heinrich-von-Kleist-Schule aus Eschborn und der Mendelssohn-Bartholdy-Schule in Sulzbach gestaltet hatte.

Die beiden anderen Preisträger rahmten die Präsentation der Stolperstein AG ein. Musikalisch hatte sich der Main-Taunus-Kammerchor zu seinem Geburtstag mit „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn selbst beschenkt. Das Konzert im Juli in der Kirche St. Katharina war ein großartiger Erfolg. Hatte sich doch Dirigent Stefan Claas, der den Kammerchor erst seit Januar 2013 führt, auf ein beeindruckendes Projekt eingelassen. Er nutzte nicht nur die Stimmgewaltigkeit des Chores, sondern führte ihn zusammen mit Studenten der Musikschule Frankfurt sowie Schülern und Lehrern der Freien Musikschule Bad Soden. Im Bürgerhaus gab der Chor eine musikalische Kostprobe.

Begeisternde Schüler

Das Programm, das die Theodor-Heuss-Schule (THS) in Kooperation mit dem Förderverein und dem Historischen Verein zu ihrem Hundertjährigen bot, war umwerfend. Da gab es im Juni 2013 im Neuen Kurpark einen Benefizlauf, dessen Teilerlös an ein Schulprojekt in Burkina Faso nach Afrika ging. Eine Projektwoche stand vor den Weihnachtsferien auf der Agenda. In einer offiziellen Feststunde im Dezember trugen alle 450 Schüler zur Programmgestaltung bei und natürlich wurde auch der Schulgeschichte gedacht und eine ansprechende Ausstellung präsentiert.

Bereits Monate zuvor hatte der Historische Verein die Bad Sodener aufgerufen, nach alten Fotos und Dokumenten in ihrem Bestand zu suchen. Mit der Teilnahme am Wettbewerb „Entente Florale“ und einem Schulgarten im Neuen Kurpark, den die Grundschüler von Frühjahr bis Herbst 2013 pflegten, wurde das Programm abgerundet. Mit ihrer Begeisterung brachten 85 Schüler der THS gestern das Bürgerhaus zum Beben.

In jedem Jahr bedeutet die Auswahl der „Besten“ unter den eingesandten Bewerbungen zum Kulturförderpreis der Stadt für die Jury eine echte Herausforderung. 13 Bewerber hatten dieses Mal ihre Unterlagen eingereicht. Berücksichtigt werden dabei vorrangig Initiativen, die das öffentliche Kulturleben in der Stadt erkennbar fördern sowie das bürgerliche Engagement anregen. Dieses Credo hat sich die Stadt Bad Soden, die den Kulturförderpreis seit 1993 ausschreibt, auf die Fahnen geschrieben. Das Preisgeld von 2500 Euro steuert die Stiftung der Frankfurter Sparkasse bei.

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