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Bildung ist ihr Geschäft

Von Sigrid Bauschert hat in einem gut laufenden Unternehmen das Sagen. Wenn sie wollte, könnte sie es verkaufen und aussteigen – das möchte sie aber nicht. Sie fühlt sich wohl in einer Branche, in der es globaler und schneller zugeht denn je.
Eschborn. 

Intensive Zeitungslektüre ist für Sigrid Bauschert ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer täglichen Arbeit.. Sie muss und will wissen, was läuft, was die Wirtschaft national und international vor neue Herausforderungen stellen könnte und wo sich besondere Entwicklungen abzeichnen, die Einfluss nehmen könnten auf Unternehmensstrategien. Das ist für die Chefin des Weiterbildungsspezialisten „Management Circle“ so grundlegend wie Wasser und Brot. „Google reicht da nicht“, sagt Bauschert mit einem natürlichen Lächeln, das es leicht macht, ihr abzunehmen, dass sie bei allem beruflichen Erfolg bodenständig geblieben ist.

Gerade erst hat sie das 25-jährige Bestehen ihres Unternehmens feiern können. Nach nur zwei Jahren Berufserfahrung in der Weiterbildung von Führungskräften hat die studierte Juristin, die schon vor ihrem Ersten Staatsexamen über Studentenjobs in die Branche gefunden hatte, den Sprung in die Selbständigkeit gewagt.

Eltern trauten ihr was zu

Das Selbstvertrauen bezog die damals 31-Jährige zum einen aus ihrer erfolgreichen Arbeit – Bauschert hatte in ihrem ersten Job die deutsche Niederlassung eines internationalen Weiterbildungsunternehmens aufgebaut. Zum anderen fußt es auf dem Vertrauen, das ihr die Eltern entgegenbrachten. „Um dich mache ich mir gar keine Sorgen“, diesen Satz ihres vor vielen Jahren verstorbenen Vaters, eines Handwerkers, hat Bauschert nie vergessen. Ihr Erfolg als Unternehmerin hat die Einschätzung der Eltern bestätigt. Die Familie ist Sigrid Bauschert, die noch drei Geschwister hat, eine wichtige Größe im Leben geblieben. Immer mal wieder ist die gebürtige Heilbronnerin deshalb in ihrer schwäbischen Heimat zu Besuch. Ihr Lebens- und Arbeitsumfeld möchte sie aber gegen kein Anderes mehr tauschen. Frankfurt und überhaupt das Rhein-Main-Gebiet, „das ist schon ein guter Standort“, findet die Vorstandsvorsitzende der Management Circle AG. Rund 200, in der Mehrheit weibliche Mitarbeiter hat ihr Unternehmen heute, der Jahresumsatz liegt bei rund 30 Millionen Euro.

1994 ist der Anbieter von beruflicher Weiterbildung für Führungskräfte in der Wirtschaft (Werbeslogan: „Bildung für die Besten“) von Frankfurt nach Eschborn umgezogen und heute an der Hauptstraße 129 ansässig. Für Bauschert, die seit 20 Jahren in einer festen Partnerschaft mit einem Rechtsanwalt lebt, ist ihr Beruf so erfüllend, dass sie die Frage nach eventuellen Ausstiegsüberlegungen regelrecht entgeistert mit der Gegenfrage kontert: „Sehe ich schon so alt aus?“

Angesichts ihrer offensichtlichen Attraktivität braucht es da keine große Versicherung, dass die Frage nicht aufs Alter abzielte. Sondern schlicht auf die gar nicht so seltene Praxis, ein Unternehmen aufzubauen, es gewinnbringend zu verkaufen und sich anschließend dem süßen Leben oder anderen Dingen zu widmen, die erfüllend sein können. Für Sigrid Bauschert ist diese Überlegung allem Anschein nach keine Versuchung. Auch ein Künstler höre doch nicht auf zu arbeiten, sagt sie. Und alles, was sie gern tue, Reisen etwa oder das Frankfurter Kulturleben genießen, könne sie ja auch jetzt schon tun, auch wenn sie sich sicher manchmal ein wenig mehr Zeit für derlei Aktivitäten wünsche. „Aber es macht wahrscheinlich auch den Wert aus, dass man die Dinge anders genießen kann“, sagt sie nachdenklich.

Experten sind gefragt

Ein Leben ohne Weiterbildung, ohne Beschäftigung für die grauen Zellen – für Sigrid Bauschert schlicht nicht vorstellbar. Auch für sie ganz persönlich nicht. Geschichte studieren und Portugiesisch lernen hat sie auf ihrem Wunschzettel für später einmal, denn die Gegenwart fordert sie voll als Firmenchefin. Schneller geworden sei alles auch in ihrer Branche, sagt Sigrid Bauschert. „Und globaler natürlich.“ Wo vor 25 Jahren noch Programme über Monate im Voraus gemacht werden konnten, ist der Takt heute deutlich schneller. Bauschert nennt ein Beispiel: das Iran-Embargo. Auf solche Entwicklungen müsse sie schnell mit einem Angebot für betroffene Firmen reagieren. Wohl dem, der da über einen großen Experten-Pool verfügt.

Prominente

Unter den rund 10 000 Referenten, mit denen Management Circle zusammenarbeitet, sind immer auch wieder sehr prominente Akteure. Michael Gorbatschow war einer von ihnen – und für Sigrid Bauschert ist die Begegnung bis heute eine ganz Besondere geblieben. Dass sie sich damals getraut hatte, den Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung zu einem Abendessen einzuladen, habe sie selbst ein wenig erschrecken lassen, räumt Bauschert im Rückblick ein und lächelt. Doch dann war’s, wie eigentlich immer in ihrem Beruf, der sie mit vielen Persönlichkeiten in Spitzenpositionen zusammenführt: „Es sind auch alles nur Menschen“, sagt Sigrid Bauschert.

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