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Bürgermeisterkandidat: Blisch: Stolpersteine schwächen Mahnmal-Aussage nicht

Von Die Kritik der Sozialdemokraten weist Dr. Bernd Blisch zurück. Sein Engagement sei kein Wahlkampfthema, betont er.
Dr. Bernd Blisch Dr. Bernd Blisch
Flörsheim. 

Dr. Bernd Blisch legt großen Wert darauf, dass er sich nicht erst seit dem laufenden Wahlkampf mit den Opfern des Nationalsozialismus befasst. Der Bürgermeisterkandidat weist damit Kritik der SPD entschieden zurück. Stein des Anstoßes ist ein Stolperstein: Ein neu gegründeter Verein setzt sich für die Verlegung der Gedenksteine in Fußwegen vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer ein. Blisch begleitet das Projekt als zweiter Vorsitzender.

Die Sozialdemokraten hatten die Stolperstein-Aktion in der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. SPD-Chef Gerd Mehler kritisierte den Verein in der Vorwoche und warb für ein „Gedenken auf Augenhöhe“.

Gerd Mehler: „Nicht jedes Projekt unterstützen“

Bernd Blisch reagiert mit einem sehr persönlichen offenen Brief an Mehler. Im Jahr 1978 habe er als 15-Jähriger auf einer Englandreise Brigitte Selby kennengelernt – die einzige Überlebende der jüdischen Flörsheimer Familie Kahn. „Den Tag im April 1978, angefüllt mit den Erinnerungen von Frau Selby, werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, schreibt Blisch. Die Begegnung habe ihn für sein späteres Leben geprägt und vielleicht auch zu seinem späteren Studium der Geschichte beigetragen. Blisch erzählt auch von seiner Teilnahme an Mahnwachen der Katholischen Jungen Gemeinde. Im Jahr 1983 habe er mit Gleichgesinnten vor den Häusern der Opfer an die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht erinnert.

„Seit diesen Jahren gibt es kein Projekt zu diesem Thema, das ich nicht persönlich unterstützt hätte oder unterstützen würde, so man es von mir wünscht“, betont der Bürgermeisterkandidat des Viererbündnisses. Er habe bei Begegnungswochen mit Mainzer und Flörsheimer Juden geholfen und sei stolz dass er ehemalige Flörsheimer Juden wie Lotte Altmaier mit ihrem Mann und das Ehepaar Hecht durch die Stadt führen durfte. Genauso habe er Mahnwachen der SPD in der Synagogengasse besucht und sei gelegentlich sogar als Redner involviert gewesen. Deshalb sei es für ihn keine Frage gewesen, dass er nun auch das Stolperstein-Projekt unterstützt.

Blisch räumt ein, dass es bereits andere Gedenkstätten gibt – unter anderem in der Synagogengasse. Darin sieht er jedoch keinen Konflikt: „Kein zukünftig verlegter Stolperstein wird die Aussagen dieser Mahnmale oder Gedenktafeln schwächen“, so der zweite Vorsitzende. Jeder verlegte Stein hole ehemalige Bürgerinnen und Bürger aus der Anonymität zurück in die Erinnerungskultur der Stadt. Blisch spricht von der „Markierung authentischer Orte“.

Außerdem gehe die Reichweite der Stolpersteine über die Tafeln in der Synagogengasse hinaus, weil das Projekt alle Opfer des Nationalsozialismus umfasse – es erinnere auch an Euthanasie-Opfer und Zwangsarbeiter, die ums Leben kamen. Blisch weist darauf hin, dass bereits 61 000 Stolpersteine in Deutschland und Europa verlegt worden seien. Er freue sich, dass sich jüngere und junge Menschen heute dieses großen Themas des „Zivilisationsbruches“ annehmen, wie er es seinerzeit ebenfalls gemacht habe. Einladungen an die SPD hätten nie gefehlt.

Die Darstellung, dass das jüngste Projekt nur von den freien Bürgern ausgehe, kann der Bürgermeisterkandidat nicht nachvollziehen: Der Magistrat habe mehrheitlich zugestimmt, sagte Blisch auf Nachfrage dieser Zeitung. Es gebe für ihn keinen Grund, anzunehmen, dass die Stadt das Projekt nicht wolle. Dass der Termin der Verlegung (15. Mai) kurz vor der Bürgermeisterwahl liege, habe sich aus dem Terminplan von Stolperstein-Begründer Gunter Demnig ergeben.

Der Vorsitzende des Flörsheimer Stolperstein-Vereins, Christian Melchior, erklärt, dass der Verein keine Konkurrenz zur Synagogengasse und den dortigen Gedenktafeln sein wolle. Allein der Gedanke sei „absurd“.

In der Schirmherrschaft der freien Bürger, sieht Melchior, der selbst für die Wählergemeinschaft in der Flörsheimer Stadtverordnetenversammlung sitzt, kein Problem. Der Verein sei unabhängig und bleibe dies auch.

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