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Brandstifter wollte seine Mutter rächen

Im Fall des Frankfurters Harry B., der in Los Angeles über 50 Feuer legte, kommen immer mehr Details ans Licht: Der 24-Jährige soll im Schwalm-Eder-Kreis ein Fachwerkhaus angesteckt haben. Und seine Mutter wurde wegen Frankfurter Betrugsfällen verhaftet.
Dorothee B. Dorothee B.
Frankfurt. 

Nach der Festnahme des Feuerteufels von Hollywood (wir berichteten) kristallisiert sich Zorn auf die Justizbehörden von Los Angeles als Motiv für die mehr als 50 Brandstiftungen heraus. Offenbar wollte sich der 24 Jahre alte Harry B. aus Frankfurt dafür rächen, dass seine Mutter am 28. Dezember in L. A. verhaftet und den Frankfurter Strafverfolgern gemeldet wurde.

Das Amtsgericht Frankfurt hatte wegen 19 Betrugsfällen aus den Jahren 2000 bis 2006 einen internationalen Haftbefehl gegen die 53 Jahre alte Dorothee B. erlassen – der Schaden, den sie verursachte, soll sich auf insgesamt 35 000 Euro belaufen.

Auch Harry B., der am Montag in West Hollywood festgenommen wurde, ist in Deutschland kein unbeschriebenes Blatt: Die Staatsanwaltschaft Marburg verdächtigt ihn, am 14. Oktober ein Fachwerkhaus in der Gemeinde Neukirchen (Knüll) angesteckt zu haben, um Geld von der Brandversicherung einzustreichen.

Verdacht auf Betrug

Laut Annemarie Wied, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, stellte B. sofort am Tag des Feuers einen Antrag auf Regulierung des Schadens. Die Frage, ob das Haus Harry oder Dorothee B. oder beiden gehörte, konnte sie nicht beantworten. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf schwere Brandstiftung und wegen Betrugs.

Harry und Dorothee B. wurden dem Vernehmen nach in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny geboren, haben aber die deutsche Staatsangehörigkeit. 18 der 19 Betrugsfälle, die der Mutter zur Last gelegt werden, drehten sich um illegale Mietaktivitäten: Die Beschuldigte habe Wohnungen angemietet, ohne Kaution und Miete zu bezahlen, sagt Amtsgerichtssprecher Günther Meilinger. Außerdem habe sie angemietete Wohnungen weiteren Personen angeboten und ohne Gegenleistung Geld kassiert.

In den Jahren 2000 bis 2006 sei die Beschuldigte in Frankfurt mehrfach umgezogen. Die Wohnungen, mit denen sie betrog, seien "über die ganze Stadt verteilt" gewesen und hätten beispielsweise im Mittleren Hasenpfad (Sachsenhausen), in der Frankenallee (Gallus) und der Grusonstraße (Ostend) gelegen.

Der mit mehr als 7680 Euro höchste Schaden entstand beim 19. Betrugsfall, der mit einer Brustvergrößerung im Sommer 2004 in Verbindung steht. Vor der OP in einer Frankfurter Spezialklinik behauptete Dorothee B. offenbar, den Rechnungsbetrag überwiesen zu haben – tatsächlich ging das Geld aber niemals ein.

Flucht vor Verhandlung

Weil Dorothee B. zur Verhandlung nicht erschien, erließ das Amtsgericht im September 2007 zunächst einen europäischen Haftbefehl; nach Hinweisen, die Beschuldigte könnte sich in Nordamerika aufhalten, folgten internationale Haftbefehle für die USA und Kanada.

Harry und Dorothee B. lebten wohl schon seit 2007 in Nordamerika: US-Behörden berichten, dass der Sohn zuletzt im Oktober 2011 in die USA eingereist sei; sein Visum laufe bald ab. Die Mutter soll im Oktober 2007 eingereist sein und die USA vier Monate später in Richtung Kanada verlassen haben. Dort stellte sie im Mai 2010 mit ihrem Sohn einen Asylantrag, den die Behörden ablehnten. Danach kam das Duo nach L. A., wo es jetzt ohne die Aussicht, auf Kaution frei zu kommen, hinter Gittern sitzt.

Bei einer Anhörung am Dienstag bezeichnete Dorothee B. ihren Sohn als "psychisch krank". Sie selbst soll über eine Internetseite als "Annabelle" erotische Massagen angeboten haben, in einem angemieteten Appartement am Sunset Boulevard. Die Staatsanwaltschaft kündigt an, einen Antrag auf Auslieferung Dorothee B.s zu stellen. Ihr Sohn wird zunächst in US-Haft bleiben.

Von Freitag bis Montag soll Harry B. in Hollywood und Umgebung über 50 Autos und Carports angesteckt haben, in Dutzenden Fällen griffen die Flammen auf Gebäude über. Auch das Haus des verstorbenen Doors-Sängers Jim Morrison und das Hollywood & Highland Center, zu dem das Kodak Theatre gehört, brannten. Der Gesamtschaden beträgt 2,3 Millionen Euro.chc

(Christian Scheh)
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