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Zu wenig Schutz vor Masern: Brühlwiesenschule: 50 Lehrer und mehrere hundert Schüler vorerst ausgeschlossen

Von Wegen eines Masern-Falls in der Brühlwiesenschule hat der Main-Taunus-Kreis gestern den Immun-Status von rund 2000 Schülern und Mitarbeitern der Beruflichen Schule überprüft. Das Ergebnis ist alarmierend: Viele sind nicht geimpft und wussten auch nicht, ob sie aufgrund einer früheren Masernerkrankung geschützt sind.
Drei Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts Main-Taunus, Pia Schenk, Gislinde Henninger und Marion Bund (von links), kontrollieren Impfpässe von Lehrern und Schülern der Brühlwiesenschule. Foto: Knapp Drei Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts Main-Taunus, Pia Schenk, Gislinde Henninger und Marion Bund (von links), kontrollieren Impfpässe von Lehrern und Schülern der Brühlwiesenschule.
Hofheim. 

In der Pausenhalle der Brühlwiesenschule gestern Morgen gegen 10 Uhr. Kein gewöhnlicher Schultag. Schüler bilden eine Traube um ihre Klassenlehrerin. Die ruft Name für Name auf ihrer Liste auf, um die Impfausweise in Empfang zu nehmen. „Ich hatte die Masern, aber wie soll ich das denn nachweisen?“, fragt eine Schülerin. „Kontaktier deine Eltern und ruf den Hausarzt an, der muss das bescheinigen.“ Der nächste Name. Ein Impfausweis wird gezückt, das gibt einen Haken auf der Liste.

Andere Lehrer haben zu diesem Zeitpunkt die Prozedur schon erledigt und sind mit ganzen Stapeln gelber Heftchen unterwegs zu dem Raum, in dem das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises an diesem Tag ganz außergewöhnlich gefordert ist. 25 Kollegen aus dem Kreishaus, zum Teil auch von anderen Ämtern dort, hat Dr. Ruth Mühlhaus, die Chefin des Gesundheitsamtes, mitgebracht. Immerhin soll bei rund 1800 Schülern, 120 Lehrern und allen sonstigen Mitarbeitern der Brühlwiesenschule an diesem Tag überprüft werden, ob sie ausreichend gegen die hochansteckenden Masern geschützt sind.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass ein minderjähriger Schüler an der meldepflichtigen Infektionskrankheit leidet, die in seltenen Fällen zu schweren Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung führen kann. Für den Main-Taunus-Kreis zählt deshalb vor allem eines: „Wir wollen sicherstellen, dass wir es begrenzen können und keine Epidemie ausbricht“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Kollmeier, der ebenso in die Brühlwiesenschule gekommen ist wie Herbert Daubner-Flöck vom Staatlichen Schulamt.

Nur wer zweifach geimpft ist oder nachweisen kann, dass er die Virus-Erkrankung schon einmal gehabt hat und entsprechend immun ist, darf in den nächsten Tagen zur Schule kommen. Nur bei ihnen ist klar: Sie können die Krankheit nicht in sich tragen und weiterverbreiten. „Wir hätten den fehlenden Impfschutz in diesem Maß nicht erwartet“, muss Ärztin Mühlhaus nach einer guten Stunde bereits feststellen. Alarmierend, dass auch viele Lehrer, die doch täglich in der Schule mit jungen Menschen zusammenkommen, keinen Impfschutz haben.

Eine Lehrerin wird mit dem Schreiben, dass sie mangels Impfschutz erhalten hat, im Sekretariat vorstellig, um sich zu vergewissern, dass die Anweisung in dem Schreiben wirklich stimmt. Kein Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen bis zum 3. März, heiße das, sie dürfe auch an der anderen Schule, an der sie sei, jetzt nicht mehr unterrichten? Geraten wird ihr, einen Bluttest beim Hausarzt zu machen. Wenn dabei festgestellt werde, dass sie ausreichend Antikörper aufgrund einer Erkrankung in der Kindheit habe, dürfe sie wiederkommen.

Sorge wegen des Abiturs

Entwarnung konnte Mühlhaus gestern Morgen geben, was die benachbarte Main-Taunus-Schule betrifft. Da der erkrankte Schüler zum Zeitpunkt, als er die Infektion bereits in sich trug, weder in der beiden Schulen gemeinsamen Cafeteria war, noch auf dem Schulhof, seien an der MTS keine Schutzmaßnahmen erforderlich.

BWS-Schulleiter Jochen Niclaus macht jetzt vor allem das bevorstehende Abitur Kopfschmerzen. Auch Schüler und Eltern seien deswegen besorgt. Kollmeier sagt, damit werde man sensibel umgehen müssen. Die zentralen Prüfungstermine in Hessen sind zwischen dem 16. und 30. März.

Gestern Nachmittag kündigte Kreissprecher Johannes Latsch an, es werde einen veränderten Stundenplan geben, denn rund 50 Lehrer (mehr als 40 Prozent) konnten zunächst keinen ausreichenden Schutz nachweisen. Auch mehrere 100 Schüler dürfen erstmal nicht zur Schule kommen.

Das Verständnis für die vom Kreis getroffenen Maßnahmen war in der BWS gestern groß. Als „professionell“ bewerteten Lehrer das Vorgehen. „Wenn es um die Gesundheit geht, ist das absolut angemessen“, hieß es.

Frankfurter Erfahrungen

Für die Aktion habe man auf die Erfahrungen in Frankfurt, wo es bereits in den vergangenen Wochen mehrere Masernfälle in zwei Höchster Gymnasien gegeben hatte, zurückgreifen können, so Kollmeier. Der Bruder des erkrankten BWS-Schülers gehörte zu den sechs Schülern aus dem MTK, die sich in Höchst angesteckt hatten. Kollmeier betonte gestern, der Kreis sei als Schulträger besonders in der Pflicht“, eine Ausbreitung der Masern zu verhindern.

Für alle, die ständig mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, egal ob in Krippen, Kindergärten, Schulen, Betreuung, Jugendhäusern. Vereinen oder Kirchengemeinden, ist der aktuelle Fall Mahnung, mal zu überprüfen, wie es mit dem eigenen Schutz vor Masern und anderen „Kinderkrankheiten“ aussieht, denn diese können eben auch Erwachsene treffen – und das nicht selten mit weit mehr Komplikationen.

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