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Bürger-Pläne fürs Nieder Tor

Von Der Zustand der Mainzer Landstraße ist vielen Niedern ein Dorn im Auge. Doch die Stadt kommt allenfalls langsam voran. Nur für das Nieder Tor gibt es konkrete Pläne. Doch das reicht den Bürgern nicht. Für sie geht es darum, die gesamte Hauptverkehrsachse zu betrachten. Dafür haben sie eigene Pläne erstellt.
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Nied. 

Am Nieder Tor geht es kaum voran. Mehr als ein Jahr ist es her, dass die Stadt ihre Pläne für das Entrée des Stadtteils vorgestellt hat. Passiert ist seitdem nichts. Die Vorplanungen seien mehrfach überarbeitet worden, sagt Stefan Lüdecke, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Vorgesehen sei nach wie vor eine Umgestaltung der Kreuzung der Mainzer Landstraße mit Alt-Nied und dem Nieder Kirchweg in einen Kreisverkehr. Wann das passiert, ist aber weiter völlig offen.

Noch weiter entfernt ist ein Umbau der Mainzer Landstraße in Nied, der von den Bürgern immer wieder gefordert wird, wirkt die Straße mit den danebenliegenden Straßenbahnschienen doch wie eine große Barriere im Stadtteil. „Gerade das Gleisbett hat trennende Wirkung“, sagt Ante Ljubas vom Arbeitskreis „Ideen für Nied“. „Eine Umgestaltungsplanung wird derzeit vom Stadtplanungsamt betrieben“, teilt Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, mit. Konkretes gibt es dazu noch nicht, das Vorhaben ist aber noch nicht einmal in der Finanzplanung.

Modell aus der Schweiz

Zwar kritisiert die Bürgerinitiative das Vorgehen und die Langsamkeit der Stadt, die Mitglieder haben sich aber auch eigene Gedanken gemacht, wie ihre Ortsmitte und dabei vor allem der Abschnitt der Mainzer Landstraße zwischen Birminghamstraße und dem geplanten Kreisel aussehen könnte. Ljubas orientiert sich dabei am „Berner Modell“, welches dem Prinzip des „Shared Space“ bzw. der Gemeinschaftsstraße nahesteht. Auch hier werden Straßen umfassend betrachtet und auf Verkehrsschilder und Ampeln möglichst verzichtet, um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer aufeinander zu erhöhen.

Für Ante Ljubas ist es dabei besonders wichtig, „das eigene Gleisbett der Straßenbahn aufzulösen“. Schließlich sei das nicht nur gefährlich, wie der tödliche Unfall mit einer Tram im November 2015 belege, sondern verbrauche mit bis zu fünf Spuren auch viel zu viel Platz. Für die Neugestaltung dient ihm dann die Lösung in Wabern bei Bern als Vorbild: Dort wurde die Seftigenstraße 1997 umgebaut. Seitdem teilen sich dort der Autoverkehr und die Tram eine Fahrbahn. Dazwischen gibt es einen multifunktionalen Mittelstreifen. Der soll nicht nur das Abbiegen der Autos vereinfachen, sondern auch das Überqueren der Fußgänger. Außerdem könnten darauf Bäume gepflanzt, die Masten der Straßenbahn aufgestellt und die Straßenbahnhaltestelle Luthmerstraße einen Mittelbahnsteig erhalten. Zusätzlich sehen die Pläne der Bürgerinitiative Radfahrstreifen auf beiden Seiten vor.

„Die Mischverkehrslösung schafft viel Platz, etwa für größere Bürgersteige“, sagt Ante Ljubas. Dort kann er sich Cafés mit Außenbewirtschaftung vorstellen. Eine ganz neue Mitte Nieds entstünde. „Die Bürger haben dann mehr vom Stadtraum“; sagt er. Mit den bisherigen Plänen, die immer ein eigenes Gleisbett für die Straßenbahn vorsahen, werde dies nicht erreicht.

Problem Straßenbahn

Ante Ljubas weiß aber auch, dass die Tram das größte Problem ist. Auch sie könnte bei seinen Plänen nur mit Tempo 30 oder 40 durch Nied fahren. Auf solche Temporeduzierungen reagiert man bei der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt zumeist allergisch, „Schneller fährt sie aber auch heute kaum“, ist sich Ante Ljubas sicher. Mit den Stationen Birminghamstraße, Luthmerstraße und Nied Kirche hält die Straßenbahn zudem auf dem relativ kurzen Stück gleich dreimal. Die Haltestelle Nied Kirche würde die Initiative aber gerne westlich des neuen Kreisels sehen. „Das würde die Wege zwischen Straßenbahn und Bus optimal, sicher und kurz gestalten.“

Klar ist aber nur, dass die Stadt nun Zeit hat, sich die Pläne der Nieder genau anzuschauen, auch wenn Ante Ljubas kritisiert, dass man nicht alles auf einmal betrachtet. Aus seine Sicht hätte eine Planung der Mainzer Landstraße nämlich von Osten her erfolgen sollen. „Dadurch würde verhindert, dass noch mehr Verkehr durch Alt-Nied rollt“, sagt er. Dies befürchtet die Initiative aber vor allem wegen des Neubauprojekts der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding im Nieder Loch westlich der Kreuzung der Mainzer Landstraße mit Alt-Nied und dem Nieder Kirchweg. Zum einen könnte dieses Gebiet mit einer Zwischenlösung erschlossen werden, wie Michaela Kraft sagt. Dies liegt daran, dass die ABG schneller anfangen will, als der Kreisel errichtet werden kann. Zum zweiten wird aber auch bei der derzeitigen Kreiselplanung kritisiert, dass die Anbindung in die Parallelstraßen im Ortskern über die „kleine“ Mainzer Landstraße nördlich der Bahngleise entfalle.

ABG fängt im Frühjahr an

Laut ABG-Chef Frank Junker soll die Bebauung des Nieder Lochs im kommenden Frühjahr beginnen. Derzeit werde noch geprüft, ob sich auf der Fläche schützenswerte Tiere befinden. Danach sollen die Bagger für den ersten Bauabschnitt anrollen. Dieser befindet sich auf der Fläche in Richtung Höchst, die über die Mainzer Landstraße erschlossen wird. 75 Wohnungen sollen hier gebaut werden, Kostenpunkt: 21 Millionen Euro.

Auf den zweiten Bauabschnitt muss aber noch gewartet werden. Hierfür ist die Änderung des Bebauungsplans notwendig. Auch hier sind wieder Kosten von 21 Millionen Euro kalkuliert. Hier werden die restlichen der insgesamt 136 Wohnungen und ein Supermarkt mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche gebaut. Umziehen wird dann der bisher in der Mainzer Landstraße 786 beheimatete Rewe-Markt.

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