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Neuer Ortsgerichtsvorsteher: Burghard Haueisen: Ein Frankfurter Bub, der in Schwalbach heimisch wurde

Von Burghard Haueisen ist jetzt der Nachfolger von Ortsgerichtsvorsteher Klaus Stöcklin. Die Arbeit bringt ihn ganz nah an die Menschen – was nicht immer ganz einfach ist.
Burghard Haueisen wurde von der Stadtverordnetenversammlung zum Ortsgerichtsvorsteher gewählt. Foto: Maik Reuß Burghard Haueisen wurde von der Stadtverordnetenversammlung zum Ortsgerichtsvorsteher gewählt.
Schwalbach. 

„Schwalbach habe ich zuerst von oben – über Luftaufnahmen – kennengelernt“, erinnert sich Burghard Haueisen. Während seines Studiums arbeitete der Diplom-Geograph bei der ersten digitalen Kartierung der Region mit, die ein Vorgänger des heutigen Regionalverbandes Frankfurt-Rhein-Main durchführte. „Was wir damals gemacht haben, ist noch heute die Grundlage für Aktualisierungen“, sagt er. Und für eine Volkszählung machte er den „Hausnummernplan“ für Schwalbach. Das waren seine ersten Berührungen mit der Stadt.

Als seine Eltern 1980 einen Alterssitz suchten, empfahl er ihnen die grüne Stadt am Taunus. Er selbst zog mit seiner Familie 1993 ebenfalls hierher. Aus dem Frankfurter Bub, Jahrgang 1954, ist ein richtiger Schwalbacher geworden. Durch seine Tätigkeit im Schwalbacher Rathaus als Umweltbeauftragter im Bau- und Planungsamt ist er vielen Schwalbachern bekannt. Jetzt hat er ein Ehrenamt übernommen, bei dem er künftig noch mehr mit den Bürgern zu tun haben wird: Burghard Haueisen ist der neue – vom Parlament bestätigte – Ortsgerichtsvorsteher.

Ortsgerichte sind eine hessische Spezialität. Sie sind keine städtische Einrichtung, sondern eine Hilfsbehörde der Justiz. Burghard Haueisen kennt das Metier. Schon seit 2008 war er Schöffe und hat bisher als Stellvertreter den früheren Ortsgerichtsvorsteher Klaus Stöcklin unterstützt. „Es ist mehr Arbeit als ich dachte, aber der Umgang mit den Menschen macht mir Freude“, sagt Haueisen.

Ortsgerichte beglaubigen unter anderem Unterschriften und Vollmachten, nehmen Registereintragungen vor, sind zu Immobilienschätzungen berechtigt, zeigen Sterbefälle für Erbscheine an und kümmern sich um Nachlass-Sicherungen. „Vieles wie die Beglaubigungen ist Routine, aber Vieles bringt einen Ortsgerichtsvorsteher auch ganz existenziell mit den Menschen in Berührung“, sagt Haueisen. „Bei Sterbefällen erzählen Menschen oft ihre ganze Lebensgeschichte und ich teile ihren Kummer“, sagt er. „Bei Nachlass-Sicherungen ohne erkennbare Angehörige sehen wir oft anhand des Zustands der Wohnung das Elend und die Einsamkeit des Verstorbenen“, so etwas nimmt Haueisen mit, der sozial denkt und handelt und privat in der katholische Gemeinde St. Pankratius engagiert ist. „Ansonsten bin ich in keiner Partei und keinem Verein. Ich bin das ganz bewusst nicht, um weder im Beruf noch im Ehrenamt angreifbar zu sein. Ich urteile objektiv und neutral und ohne Einflussnahmen“, sagt Haueisen.

Das hat er von seinem Vater, einem Juristen gelernt, der seinen vier Kindern mit auf Weg gegeben hat, dass Vetternwirtschaft oder auch Ausländerhass ein Land ruinieren. Haueisen ist verheiratet und selbst Vater von zwei erwachsenen Töchtern. „Da ich als Geograph lange freiberuflich gearbeitet habe, habe ich viel von Zuhause aus gemacht. Dadurch habe ich den Alltag meiner Kinder hautnah mitbekommen. Das bewerte ich als großes Glück“, sagt er. Die Geschichte, warum Haueisen trotzdem seit 1999 fest angestellt im Rathaus arbeitete, ist so schön, dass sie erzählt werden muss. Burghard Haueisen engagierte sich Ende der 1990er Jahre als Schwalbacher in einer Bürgerinitiative, die sich erfolgreich gegen die Bebauung des Geländes „Pfannenstiel“ wehrte. Der damalige und inzwischen verstorbene Bürgermeister Horst Faeser (SPD) sagte anschließend zu Haueisen: „Sie waren zwar die Gegenseite und haben sich auch noch durchgesetzt. Aber Sie argumentieren so gut. Ich brauche Sie im Rathaus.“ Und dort wirkt Haueisen seither. Jetzt steht er den Bürgern außerdem als Ortsgerichtsvorsteher zu Verfügung.

An den bekannten Sprechzeiten des Ortsgerichts ändert sich jedoch nichts: Burghard Haueisen ist als Ortsgerichtsvorsteher jeden Freitag zwischen 7 und 9.30 Uhr sowie jeden ersten Mittwoch im Monat von 15.30 bis 17.30 Uhr erreichbar – entweder direkt im Zimmer 300 im Rathaus oder telefonisch unter der Nummer (0 61 96) 804-174.

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