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Kevin Finster spielt eine wichtige Rolle bei den deutsch-chinesischen Sportbeziehungen: Chinas Ziel: Fußball-Weltmeister 2050

Von Staatspräsident Xi Jinping zu Gast beim Deutschen Fußball-Bund, Anthony Modeste wechselt von Köln nach Tianjin, das Olympiateam spielt außer Konkurrenz in der deutschen Regionalliga Südwest mit. Chinas Fußball ist derzeit in aller Munde.
Deutsch-chinesische Zusammenarbeit: Kevin Finster mit dem Wirtschaftsingenieur Kui Wu. Foto: Maik Reuß Deutsch-chinesische Zusammenarbeit: Kevin Finster mit dem Wirtschaftsingenieur Kui Wu.
Sulzbach. 

Der 24 Jahre alte Sulzbacher Kevin Finster ist begeistert vom Fußball und begeistert von China. Er bringt beides unter einen Hut und spielt in jungen Jahren schon eine wichtige Rolle bei den deutsch-chinesischen Sportbeziehungen. Und noch bis zum 1. August sind 51 Chinesen, 34 Kinder und 17 Lehrer und Schulleiter, aus der Partnerstadt Duisburgs, Wohan, zu einem Fußballcamp in der Ruhrgebietsmetropole. Kevin Finster ist im Dienste der Fußballagentur „Spielkultur“ an der Organisation dieses Ereignisses beteiligt.

Wie kommt ein junger Sulzbacher zu derart engen Kontakten zum Fußball des 1,4 Milliarden Einwohnern zählenden „Reich der Mitte“? Kevin Finster ist Bayern-Fan und hat als Sechsjähriger beim 1. FC Sulzbach mit dem Fußballspielen begonnen und später höherklassig beim VfB Unterliederbach und bei Rot-Weiß Frankfurt gekickt. Bei einem Urlaub mit der Familie in Peking vor dem Abitur keimte die Liebe zu dem Riesenland und seinen Menschen auf. Kevin entschied sich, in Heidelberg Volkswirtschaft und Sinologie (Chinesisch) zu studieren.

Kumpel aus der Schule

Dann schlug eine Sternstunde für den Sulzbacher: Mit einem Freund aus der gemeinsamen Schulzeit im Schwalbacher Albert-Einstein-Gymnasium, Jan-Darius Reimann, wollte Kevin Finster wie bereits 2014 auch 2015 auf China-Reise gehen – Kevin wegen seines Studiums, Jan aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit bei einer chinesischen Reederei in München. Kevin Finster: „Dann hatte ich das Gewinnspiel von Audi Football auf Facebook gesehen, mitgemacht und eine siebentägige Chinareise für zwei Personen mit der Mannschaft von Bayern München gewonnen. So konnten wir unserem größten Hobby frönen, unsere Lieblingsmannschaft begleiten und auch die geplante China-Reise antreten, ohne die Kosten tragen zu müssen.“

Voller Erfahrungen kehrte der Sulzbacher aus Asien zurück, gab zum Abschluss seines Studiums die Bachelorarbeit zum Thema „Internationalisierung ausländischer Fußballvereine in China“ ab und war schnell wieder in Asien. Finster hat erkannt, „dass sich da ein unwahrscheinlicher Markt auftut, der auch in Deutschland gefragt ist“.

Der Sulzbacher fand Kontakt zu dem früheren Bundesliga-Fußballer Thomas Ernst. Der Torhüter spielte unter anderem für Eintracht Frankfurt, VFL Bochum, VfB Stuttgart und den 1. FC Kaiserslautern und war danach Team-Manager beim FSV Frankfurt und Vorstandsmitglied beim VfL Bochum. Heute betreibt er zusammen mit Bernd Reisig eine Spielerberater-Agentur und engagiert sich bei dem Talententwicklungsprojekt in China mit dem Namen „Spielkultur“.

Finsters Partner bei der Durchführung des Fußallcamps in Duisburg ist der in Frankfurt lebende 37 Jahre alte Diplom-Wirtschaftsingenieur Kui Wu. Der ist Repräsentant des chinesischen Unternehmens Renxin in Deutschland, das die Vorbereitungen für das Fußballcamp in China trifft.

Renxin hat auch die Delegation von Kindern und Lehrern aus verschiedenen Schulen zusammengestellt, die jetzt nach Deutschland reist.

Dazu erläutert Finster: „Fußball wird in China an den Schulen gespielt und nicht wie in Deutschland in Vereinen.“ Da sieht Kevin Finster zwei Handicaps: Es gibt wenig speziell für den Fußball ausgebildete Trainer, die meisten sind eher auf die Volkssportarten Tischtennis oder Badminton fixiert. Zudem würden die Eltern großen Wert auf die schulische Ausbildung der Kinder legen und für ihre Knirpse Individualsportarten wie Tischtennis und Badminton bevorzugen und keine Disziplin wie Fußball, wo erst einmal elf Spieler zusammen kommen müssten.

Andererseits – so Kevin Finster – haben die Politik und die Wirtschaft die riesigen Chancen erkannt, die der Fußball in der Zukunft bieten kann. Der Asien-Experte aus Sulzbach berichtet, dass in China viel Geld in die aus 18 Mannschaften bestehende 1. Liga investiert wird und auch millionenschwere Einkäufe vorgenommen werden. Allerdings sind pro Mannschaft nur fünf Ausländer zugelassen, um auch chinesischen Spielern eine Chance zu geben.

Magath in Jinan

Felix Magath ist derzeit Trainer in Jinan und der in Leverkusen kürzlich entlassene Roger Schmidt in Peking. Finster schildert die Probleme der deutschen Trainer wegen der weiten Reisen der Mannschaften, die auf das ganze Land verteilt sind: „Die sind da manchmal einen ganzen Tag lang unterwegs“, sagt Finster, der die Spielstärke der besten chinesischen Teams so einschätzt, „dass die Spitze in unserer 2. Liga mithalten könnte“. Aber: „Das Ziel der Chinesen ist, 2050 Weltmeister zu werden.“

Kevin Finster will später noch das Master-Studium fortsetzen, nimmt derzeit aber gerne die Herausforderung an, sich im spannenden Geflecht der deutsch-chinesischen Sportbeziehungen zu tummeln. Und wenn er mal zu Hause ist, trifft er sich auch gerne mit den Kumpels vom 1. FC Sulzbach.

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