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Verkehr in Eppenhain: Das Ende des Sackgassen-Dorfes

Die meisten Autofahrer haben sich gestern am ersten Tag mit den abenteuerlichen Pisten durch den Wald arrangiert – und am Vormittag sogar zum „Abschied“ einen Kaffee bekommen.
Einen Kaffee gefällig? Philippe Prokasky bedient Beate Naab am Ende der Sackgasse. Auch Mit-Initiator Michael Klewinghaus (hinten rechts) und Bürgermeister Albrecht Kündiger sind an der ungewöhnlichen Versorgungstelle am Ende der Sackgasse gerne mit dabei. Bilder > Foto: Hans Nietner Einen Kaffee gefällig? Philippe Prokasky bedient Beate Naab am Ende der Sackgasse. Auch Mit-Initiator Michael Klewinghaus (hinten rechts) und Bürgermeister Albrecht Kündiger sind an der ungewöhnlichen Versorgungstelle am Ende der Sackgasse gerne mit dabei.
Eppenhain. 

Vergangenen Mittwoch informierten die Stadt und Hessen Mobil über die Bauarbeiten an der Kreisstraße zwischen Ruppertshain und Eppenhain. Danach standen einige Bürger noch bei einem Bierchen zusammen – unter ihnen Dobsza Schiffer, Philippe Prokasky und Michael Klewinghaus. Hier kamen sie auf eine Schnapsidee, die sie nun umgesetzt haben: Während der Baumaßnahmen wird Eppenhain zwischen 9 und 15 Uhr noch bis Donnerstag über eine Umleitung angefahren und über eine andere Einbahnstraße wieder verlassen. Somit ist der Ort vier Tage lang mal kein Sackgassen-Dorf – und das haben die Bürger nun gefeiert.

Es ist Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr: Die erste Handvoll Autos hat die neue Ortsausfahrt über die Rossertstraße in den Wald, vorbei am Steinbruch bis nach Fischbach, schon getestet. Das „Abschiedskomitee“ hat sich auf Bierbänken mit Kaffee, Brötchen und heißen Würstchen in Position gebracht. „Dirk, einen Kaffee?“, fragt Klewinghaus den nächsten Autofahrer. „Wenn ich das gewusst hätte“, ruft der zurück. Er habe keine Zeit und müsse weiter. Einer Fahrerin geht es ähnlich. Gerne würde sie mit der munteren Gruppe frühstücken und das Ende des Sackgassen-Dorfes feiern. Doch sie müsse zur Arbeit.

Fröhliche Stimmung

Von dort hat sich wiederum Bürgermeister Albrecht Kündiger auf den Weg hoch nach Eppenhain gemacht. Er heizt die fröhliche Stimmung weiter an. Er habe gehört, dass Eppenhain jetzt auch eine Umgehungsstraße fordere. „Ja, um Ruppsch herum“, flachst Klewingshaus zurück und kündigt die nicht ernst gemeinte Gründung einer Bürgerinitiative an. Kündiger stichelt weiter: Mancher unke, die Eppenhainer könnten mit der Umleitung so gut leben, „weil sie nicht mehr durch Ruppsch müssen“.

Bei allem Spaß: Die Verkehrsregelung während der Sperrung von 9 bis 15 Uhr (davor und danach ist die K 775 offen) hat dem Bürgermeister schon Bauchschmerzen bereitet. Denn die Umleitung ist knifflig: Wer nach Eppenhain rein will, muss am Parkplatz „Landsgraben“ gleich hinter der Kreuzung K 775/L 3016 links in den Wald fahren. Ein Fahrer hat gestern Morgen verdutzt an der Baustelle gehalten, ist zurückgesetzt und dann an der beschilderten Umleitung vorbeigefahren. Ein anderer ist – obwohl die Umleitung eine Einbahnstraße ist – einfach in die Gegenrichtung gerollt. Eine Fahrerin findet: „Das ist schon abenteuerlich. Aber wenn der Weg trocken ist, wird es schon gehen. Was wollen sie denn sonst machen?“ Eppenhain vier Tage von der Außenwelt abzutrennen – das wäre sicher keine Option gewesen. Bewohnerin Ulrike Ballmann-Ickstadt kann ebenfalls mit der Strecke leben: „Das ist vernünftig, so lange die Straße dadurch besser wird.“ Da ihre Wohnstraße nun mehr Durchgangsverkehr habe, müsse sie nur besser auf die Katze aufpassen.

Mit Umweg leben

Der Tenor bei allen Fahrern ist deutlich: Sie können vier Tage mit dem Umweg und verstaubten Autos durchaus leben. Denn ein Ende der Schlaglochpiste K 775 zwischen Ruppertshain und Eppenhain ist in Sicht. Hessen Mobil wird vier Zentimeter abfräsen und einen neuen Asphaltbelag aufbringen. Neu entdeckte Schäden werden gleich mit behoben. „Die Straße ist eine Katastrophe, das muss sein. Den Umweg nehme ich gerne in Kauf“, erklärt Viktor Jarai. Den angebotenen Kaffee am „Kontrollpunkt“ muss er aus Termingründen ausschlagen.

Klewinghaus und Prokasky erinnern aber daran, dass die Straße vor knapp zehn Jahren schon einmal gemacht wurde und hoffen, dass diese Maßnahme nicht nur Stückwerk ist. Es gebe schon erste Stimmen, „dass die Umleitung besser ist als die Straße“, flachst der Bürgermeister wieder. Gut möglich: Denn Teile der Feldwege seien von Hessen Mobil befestigt worden. Das sei in den Kosten von 150 000 Euro mit drin. So hat der Rathauschef auch keine Bedenken, sollte es noch einmal stark regnen. Dass die Strecke nach dem Sturm frei ist – das wurde ebenfalls abgeklärt. Kündiger hofft nun, dass die Arbeiten in den vier Tagen auch abgeschlossen sind – der erste Tag habe sich aber schon mal gut angelassen. Und kleinere Anregungen, wie ein offensichtlich noch irreführendes Sackgassen-Schild, sollen noch einmal überprüft werden.

Freie Fahrt für Retter

Von Montag, 7., bis Donnerstag, 10. August, wird die K 775 zwischen Eppenhain und Ruppertshain großflächig saniert. Dabei wird die Straße ab Abzweig Schloßborn täglich von 9 bis 15 Uhr voll gesperrt.

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(wein)
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