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Chöre aus St. Martin und St. Franziskus: Das Experiment „Renaissance“ ist voll aufgegangen

Die Chöre aus St. Martin und St. Franziskus in Kelkheim sowie St. Antonius in Rödelheim präsentierten sich im Kloster von ihrer besten Seite.
Foto: Knapp
Kelkheim. 

Dass Wolfgang Jacob, Leiter der Chöre aus St. Martin und St. Franziskus in Kelkheim sowie St. Antonius in Rödelheim, am Beginn des gemeinsamen Konzertes am Sonntag in der Klosterkirche den zahlreichen Besuchern zu ihrem Wagemut gratulierte, verwunderte zunächst nicht. Schließlich hatten sich die beiden Gruppen, unterstützt vom Frankfurter Holz- und Blechbläser-Ensemble aus-schließlich auf doppelchörig angelegte Motetten der Renaissance- und Barockzeit konzentriert. Eine Klangsprache, die unseren Ohren heute eher fremd erscheint, doch das 90-minütige Konzert zeigte eindrucksvoll, dass sich eine Beschäftigung mit dieser Musik lohnt.

Gerade, was das räumliche Empfinden angeht, setzte die Renaissance Maßstäbe, was nicht nur auf die perspektivische Malerei, sondern auch auf die Musik Auswirkungen hatte. So begriff man doch nun den Raum im Allgemeinen und den Kirchenraum im Besonderen als Element der Klanggestaltung. So wurde der Umstand, dass San Marco in Venedig über zwei Emporen verfügt, zur Grundlage für das Musizieren mit zwei Chören. Aber nicht nur für die Singstimmen, auch für die Instrumente wurde dieser Effekt ausgenutzt. Vor allem Andrea Gabrieli (1510 - 1586) und Giovanni Gabrieli (1557 - 1612) förderten diese Klanggestaltung.

Da verwundert es auch nicht, dass diese beiden Komponisten stark im Kelkheimer Programm vertreten waren, allerdings vorwiegend als Schöpfer von Instrumentalmusik. So trug das Frankfurter Holz- und Blechbläser-Ensemble mehrere Canzonen für unterschiedliche Bläserbesetzungen vor und vermochte mit einer ausgewogenen Klanggestaltung und klarer Strukturierung zu überzeugen.

Mit seinem Jubilate Deo, das die Eröffnung bildete, ging Giovanni Gabrieli über die Doppelchörigkeit hinaus, da diese Komposition zwölfstimmig gestaltet ist und sich auf drei Chöre verteilt. Bereits hier zeigten sich die Gruppen konzentriert und präsent, ohne es dabei aber an der nötigen Musizierfreude fehlen zu lassen. Auch heute noch hat diese Musik nichts von ihrer Frische verloren und hätte es verdient – so wie es die Komponisten auch vorgesehen hatten – im Rahmen von Gottesdiensten gesungen zu werden. Auch die Motetten Buccinate von Giovanni Croce (1557 -1609) und Gaudens gaudebo von Ludovico Casali (1557 - 1613) brachten dies zum Ausdruck.

Im Zentrum stand jedoch die „Missa sexti toni a due cori“ von Alessandro Gualtieri (1585 - 1655), bei der es die Chöre weder an gestalterischer Vielfalt noch an einer guten Ausgewogenheit des Klanges fehlen ließen. Bei den Chorwerken wirkte das Holz- und Blechbläserensemble unterstützend mit, indem es die Chorstimmen „colla parte“ begleitete, eine Praxis, die in der Renaissance- und Barockzeit durchaus üblich war. Für die Aufführung hatte Wolfgang Jacob die Instrumentalstimmen extra eingerichtet.

Neben lateinischen Motetten wurde auch Musik aus Deutschland präsentiert, so der 100. Psalm „Jauchzet dem Herren alle Welt“ in einer doppelchörigen Version von Heinrich Schütz (1585 - 1672), dem das „Singet dem Herren“ von Johannes Pachelbel (1653 - 1706) folgte. Gegenüber den Chorklängen Gualtieris und Croces ließen sich hier deutliche Weiterentwicklungen erkennen. Dies muss auch für das „Te Deum“ von Domenico Scarlatti (1685 - 1757) gelten, das die beiden Chöre als vorletztes Stück präsentierten. Den Schlusspunkt setzten sie mit „Amen, Lob und Ehre und Weisheit“ von Georg Philipp Telemann (1681 - 1767), einem Komponisten, der Anfang der 1720-er Jahre auch in Frankfurt tätig war. Am Ende stand großer und begeisterter Beifall, für den sich die Chöre mit zwei Zugaben bedankten. Das Experiment „Renaissance“ ist somit voll aufgegangen.

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