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Was ist die Kubikwurzel aus 35 937?: Das Superhirn

Dr. Dr. Gert Mittring hat zehn Mal die Weltmeisterschaften im Kopfrechnen gewonnen. In Schwalbach gab er Einblicke in sein Erfolgsrezept.
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Schwalbach. 

Mittring hatte schon immer eine Affinität zu Zahlen. Als ihm das bewusst wurde, war er in etwa so alt wie die 15 Mädchen und Jungen von der Obermayr-Schule, denen er in Schwalbach gegenübersteht. Auch sie haben Spaß an Mathe, mussten sich aber eigens für das Seminar mit dem Rechen-Genie qualifizieren. Eigentlich hatte Stufenleiter Marc Rindert vor, seine Matheasse zur Europa-Meisterschaften im Kopfrechnen in Luzern anzumelden. Sie war im Oktober, doch für die Anmeldung war es schon zu spät. So kam die Idee auf, stattdessen den Weltmeister an die Schule zu holen. Da haben die Teilnehmer nun Techniken, Methoden und Ansätze gelernt, die sie auf jeden Fall für eine solche Meisterschaft nutzen können.

 

Die Scheu nehmen

 

Man braucht allerlei Kniffe, um die komplizierten Aufgaben zu lösen, die da auf einen zukommen. Mittring musste einmal für seinen Titel als Kopfrechen-Weltmeister die 13. Wurzel aus einer Zahl mit 100 Stellen ziehen. Schon alleine die Zahl ist absurd. Kaum, dass man sie aussprechen könnte, ist es für den Normaldenker völlig illusorisch sie ausschließlich gedanklich mathematisch zu behandeln.

Die Zahl lautet: 7 066 437 381 674 286 102 234 008 830 240 157 375 704 233 170 702 632 731 269 721 516 000 395 709 065 419 973 141 914 549 389 684 111. Die 13. Wurzel daraus ist 47 941 071. Wer das nicht glaubt, kann es ja nachrechnen – vorausgesetzt, er verfügt dafür über einen geeigneten Taschenrechner.

So etwas mussten die Workshopteilnehmer nicht ausrechnen. Aber sie können jetzt relativ galant die Kubikwurzel aus einer Zahl ziehen. Und sie haben in knapp einer Stunde gelernt, zu jedem beliebigen Datum den Wochentag zu errechnen. So rechnen Philipp (12) und Alexander (11) für die Presse mal eben die Kubikwurzel aus 35 937 aus, und kommen auf das Ergebnis 33. Kleinigkeit. Immerhin ist Philipp der Titelverteidiger des Kopfrechenwettbewerbs der Obermayr-Schule, der am kommenden Freitag mit drei Teilnehmern im Finale enden wird. Alexander ist bis ins Halbfinale gekommen. Angst vor Zahlen haben die beiden nicht.

Das ist es, worum es Mittring auch geht: die Scheu vor Mathe zu nehmen. Der Umgang mit Zahlen und Formel scheint für ihn ein Spiel zu sein. Die Kunst scheint es zu sein, sich zunächst von der Genauigkeit zu lösen, erst einmal eine Näherungszahl zu erdenken und sich dann wiederum der Genauigkeit anzunähern. Mittring hat derartige Vorgehensweisen in seinen Büchern – das neueste heißt „Fit im Kopf“ – aufgeschrieben. Jeder könne das lernen, sagt er, während er Primzahlen anschreibt und darüber sinniert, dass man im Grunde keine Rechenvorschrift gefunden habe und dass es so zu sein scheint, „dass sich die Primzahlen bestimmten Musterstrukturen entzogen haben“.

 

Ein Datum vergessen!

 

Dann erklärt er, wie man eine Zahl in ihre Primfaktoren zerlegt, zum Beispiel die Zahl 6 in 2 x 3. Er hantiert mit Aufgaben, die beeindrucken aber nicht einfach nachvollziehbar sind. „Wenn ich einen Algorithmus entwickele, kann es sein, dass ich das verifizieren muss, dann nutze ich schon mal einen Taschenrechner“, gibt er zu. Ansonsten nicht. Taschenrechner gibt es an diesem Nachmittag nur im Publikum, damit es nachrechnen kann, was Mittring vorrechnet. Nicht selten ist der 48-Jährige schneller als der Taschenrechner. Wie er sich bei mehreren Rechenschritten die Zwischenergebnisse merke? Manchmal sind das viele, die miteinander verarbeitet werden müssen: „Ich schreibe Zahlen in die Luft.“

Dass ihm seine Rechenkünste auch im Alltag deutliche Vorteile bringen, erklärt Mittring am Beispiel der Supermarktkasse. Da überschlage er schnell, was er zu zahlen habe, und bemerke sofort, wenn er zu viel zahlen soll. „Wenn die Rechnung nicht stimmt, dann ist es meistens zu viel und seltener zu wenig.“ Das kommt bei Mittring wohl öfter vor. „Dann muss man Ruhe bewahren und sehr lieb sein und sagen, dass man zu einem abweichenden Ergebnis gekommen ist“, schildert Mittring. Immerhin habe er ein Hausverbot bislang vermeiden können. In solchen Fällen macht man sich mit Hochbegabung nicht gerade beliebt.

Mittring ist hochbegabt, hat sein Abitur aber dennoch mit einer Dreikommanochwas gemacht. Er wurde immer mal wieder zum Studienobjekt. Im Dezember ist er wieder im Fernsehen zu sehen, in der Sendung Terra X, „aber da weiß ich jetzt das Datum nicht“, gibt er zu. Es ist sehr sympathisch, dass einem Superhirn auch mal eine Zahl abhanden kommen kann.

(elle)
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