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Den Gaumen überraschen

Von Es gibt Brote, die zwölf Stunden in warmer Erde gebacken werden. Es gibt Skyr, einen Joghurt-Quark, der in den Supermärkten in allen Variationen Regale füllt – nicht in Deutschland, sondern in Island. Die Eschborner Ursula und Markus Jäger verfassten ein Kochbuch. Sie entführen auf die im Atlantik gelegene Vulkaninsel, deren Fußballer bei der EM derzeit für Furore sorgen.
<span></span> Foto: Hans Nietner
Eschborn. 

Fermentierter Grönlandhai, Gammelrochen, sauer eingelegte Widderhoden und Walfleisch verbucht das Eschborner Ehepaar Ursula und Markus Jäger selbst als Gerichte der isländischen Küche, die eher unter die Rubrik „Touristen-Schrecken“ fallen. In ihr großes Koch- und Backbuch „Leckeres Island“ haben sie diese Delikatessen für Einheimische und mutige Ausländer deshalb nicht aufgenommen.

„Kleiner Schocker“

„Einzig den gesengten Schafskopf konnten wir uns als kleinen Schocker nicht verkneifen“, betont Markus Jäger. Ihr Werk, das die Jägers im Selbstverlag herausgebracht haben, ist bei den „Gourmand Cookbook Awards 2016“ als bestes Kochbuch Deutschlands in der Kategorie „Skandinavische Küche“ ausgezeichnet worden. Im Finale um den „Kochbuch-Oscar“ bei den „World Cookbook Awards“ im chinesischen Yantai war ihr Buch deshalb qualifiziert und mit im Rennen, konnte den Siegeslorbeer aber nicht erringen.

Die Jägers nehmen es gelassen. Sie waren ohnehin schon überrascht, dass ihr Kochbuch so wettbewerbstauglich ist. „Wir hatten uns gar nicht selbst dafür beworben“, sagt Ursula Jäger. Das Ganze ist ein Hobby für die Jägers. Denn beruflich ist ihnen das Kochbuch-Machen nicht in die Wiege gelegt worden: Ursula Jäger (41) ist Finanzbeamtin, Markus Jäger (45) Informatiker.

Nichts gefunden

Wie also kommt ein deutsches Ehepaar dazu, die isländische Küche wärmstens zu empfehlen? Island zu bereisen war ein Jugendtraum von Markus Jäger. Mit seiner Frau Ursula war er dann im Jahr 2004 erstmals auf der Vulkaninsel ganz in Europas Nordwesten – und beide verliebten sich in das Land, das sie inzwischen immer wieder besucht haben. „2011 wollte ich ihm zu Weihnachten ein deutschsprachiges Kochbuch mit isländischen Rezepten schenken und wollte auch etwas daraus kochen. Aber es gab keines“, sagt sie. „Nur im Internet fand ich ein einziges mit einer Lieferzeit von 3900 Tagen“, erinnert sie sich. Also fing sie an, isländische Rezepte zu sammeln, die sie seit zwei Jahren auch in einem eigenen Blog im Internet veröffentlicht.

Fisch dominiert

Vor einem Jahr entstand dann die Idee, daraus ein Kochbuch zu machen. Alles, was die Jägers darin empfehlen, haben sie selbst probiert, variiert und rauf und runter gekocht: Sie präsentieren isländische Hausmannskost, ein bisschen auf Jägersche Art.

Da trifft es sich gut, dass es mit den vier Kindern der Jägers auch viele Testesser in der Familie gibt. Ohnehin lautet die Devise eher: „Sie kocht. Er isst.“ Am Buch hat Markus Jäger dennoch viel Anteil, er hat alles Technische erledigt, wie etwa das Layout. Auf 180 Seiten sind die Rezepte nachzulesen sowie kenntnisreiche und unterhaltsame Informationen zu Island – insbesondere, was die Ernährung angeht. Illustrationen mit Fotos und Zeichnungen veranschaulichen die Inhalte. Island ist ein schönes, aber karges Land, in dem nicht viel über der Erde wächst. Früher war das für die Menschen hart. Gemüse konnte dort kaum gedeihen. Auch Nutzlandtiere zu ernähren war über die Jahrhunderte hinweg schwer. „Es wurde praktisch alles verwendet, was irgendwie essbar war. Und was nicht essbar war, wurde essbar gemacht – wie der berühmte Hákarl, der fermentierte Grönlandhai, der erst in der Erde verrotten und dann an der Luft ausdünsten musste, um genießbar zu sein“, schreibt Ursula Jäger in dem Buch.

Das Meer ernährte das Land, das heute etwa 330 000 Einwohner hat. „Im modernen Island, das seine Erdwärme nutzt, gibt es natürlich Gewächshäuser, in den alles frisch herangezogen wird“, berichtet sie. Die Isländer kochen heute modern, frisch, vielfältig und experimentierfreudig, aber es finde auch eine Renaissance statt, sich auf die Rezepte der Großmütter zu besinnen, sagt sie. Viel Fisch dominiert die isländische Küche, auch Lamm. Neben Fisch und Fleisch sind Beeren und Kräuter wichtige Zutaten. Und ein Füllhorn an Backwaren gehört auf den isländischen Tisch. Die Jägerschen Kinder lieben die Zimtschnecken und die Lakritzschokolade. „Es gibt Brote, die zwölf Stunden in warmer Erde gebacken werden. Es gibt Skyr, den isländischen Joghurt-Quark, der dort in den Supermärkten in allen Variationen Regale füllt“, schwärmen die Jägers. Bei den Jägers gehört das selbst gemachte Skyr-Fladenbrot, das Rezept findet sich im Kochbuch, zur Alltagsspeise.

Es braucht Zeit

Ursula Jäger liebt die isländische Küche auch, weil sich „viele Zutaten immer wieder neu zusammensetzen lassen und unerwartete Geschmackserlebnisse ergeben“. Allerdings: „Isländisch Kochen braucht Zeit“, sagt sie. Auch die eingangs genannten Speisen seien übrigens geschmacklich lecker und harmlos, wenn man andere Sinne ausschaltet, versichert sie.

Neue Auflage

Das Kochbuch „Leckeres Island“ von Ursula und Markus Jäger wird nicht nur in Touristen- und Museumsshops in Island feilgeboten, sondern ist auch im Online-Handel erhältlich. Es gibt eine neue Auflage. Der Preis ist 15,99 Euro.

Informationen gibt es dazu im Internet unter: www.leckeres-island.de. Den Blog von Ursula Jäger findet man unter: islandfankochbuch.blogspot.de

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