Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Beispiel für gelungene Integration: Den Kulturschock überstanden

Nicht jeder Einwanderer bringt eine gute Ausbildung mit. Beruflich qualifizierte Menschen unter ihnen sind vermutlich sogar die Minderheit. Doch es gibt sie, die ermutigenden Beispiele für eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft. Ein Kreisblatt-Besuch in Altenhain.
Er weiß, wo seine Heimat ist: Daud Azimi zeigt auf dem Globus auf Afghanistan. Foto: Maik Reuß Er weiß, wo seine Heimat ist: Daud Azimi zeigt auf dem Globus auf Afghanistan.
Altenhain. 

„Jetzt ist es an der Zeit, dass ich etwas zurückgeben kann“, betont Daud Azimi. Der Diplom-Informatiker war selbst ein Flüchtling, als er 1982 als 13-Jähriger nach Deutschland kam. Der Akademiker, der schon während seines Ingenieurstudiums in Frankfurt für Asylbewerber gedolmetscht hat, engagiert sich deshalb seit der Belegung der Hasselgrundhalle mit Flüchtlingen im Herbst wieder verstärkt im Asylkreis in Bad Soden. Denn als einer der wenigen Flüchtlingshelfer kann er als Muttersprachler fließend Dari und Paschtu, die beiden Amtssprachen Afghanistans. Azimi beherrscht aber auch Urdu, weshalb er für Flüchtlinge aus Pakistan dolmetschen kann.

Vater ist verschollen

„Gut waren nur meine ersten zehn Lebensjahre in Afghanistan“, sagt Azimi, der 1969 in Kabul geboren wurde. Er erzählt: „Gleich nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan im Dezember 1979 wurde mein Vater verhaftet, der Oberst der Luftabwehr des alten Königshauses war, das von den Kommunisten im Land bereits im Jahr zuvor abgesetzt worden war.“ Azimis Vater gilt seitdem als verschollen. Die Mutter drängte deshalb den Sohn, das Land zu verlassen. „Aufgrund meiner Schulbildung und der Sprachkenntnisse war Deutschland das Land der Wahl“, betont der 46-Jährige. Denn bis dato hatte er die Amani-Oberrealschule in Kabul besucht, die 1924 von einem deutschen Lehrer gegründet worden war, um dabei mitzuhelfen, Afghanistan nach westlichem Vorbild zu modernisieren.

„Für mich war das aber erstmal ein Kulturschock, als ich in Deutschland ankam“, erinnert sich Azimi, der das erste Jahr bei einer Tante in Frankfurt lebte und dann mit knapp 16 Jahren seine erste eigene Wohnung bezog. Zunächst wurde er damals von behördlicher Seite in der Hauptschule „eingeschult“. „Das Niveau dort war sehr niedrig im Vergleich zu meiner Schule in Kabul“, sagt er. „Meine erste Deutscharbeit hatte ich bereits nach einer Viertelstunde fertig.“ Relativ rasch gelang ihm dann der Sprung auf das Gymnasium, wo er auch das Abitur ablegte. Daran schloss sich das Ingenieur-Studium der Fachrichtung Informatik an der Fachhochschule in Frankfurt an. Als er 1994 als studierter Diplom-Ingenieur auf den Arbeitsmarkt drängte, waren die Zeiten für Informatiker aber noch alles andere als rosig. Deshalb arbeitete er anfangs zunächst für ein Softwareentwicklungszentrum in Indien, bevor er eine Anstellung als IT-Berater bei einem deutschen Unternehmen in Mannheim fand. Sein beruflicher Aufstieg sei ihm aber erst gelungen, als das Unternehmen 2013 von einem indischen Konzern aufgekauft wurde, wo Azimis kultureller Hintergrund zum Vorteil wurde und die Aufstiegschancen höher waren als im deutschen Unternehmen.

Skepsis gespürt

Als er und seine Frau Malalei mit den beiden Töchtern Shamla und Cincella (die mittlerweile neun und sieben Jahre alt sind) 2009 sich ganz bewusst der Kinder wegen aus der Großstadt Frankfurt verabschiedete, um ins dörfliche Altenhain zu ziehen, hatten anfangs viele Alteingesessene auch Ressentiments gegen die Zugezogenen. Mittlerweile ist die Familie aber dank des ehrenamtlichen Engagements im Schulelternbeirat und im Vereinswesen bestens integriert in die Dorfgemeinschaft.

Deutsch lernen!

Insbesondere jungen Flüchtlingen gegenüber macht Azimi deshalb deutlich, dass sie alles daran setzen sollen. Deutsch zu lernen. Das sei der Schlüssel dafür, sich möglichst schnell integrieren zu können. Außerdem sei das Engagement in Vereinen und Sportverbänden wichtig.

Gerne hätte Azimi mehr Zeit für sein ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe. Der IT-Berater pendelt aber täglich nach Mannheim und hat unter anderem auch oft in der Schweiz beruflich zu tun, so dass seine Freizeit knapp bemessen ist.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse