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Den Zeitgeist in sich aufnehmen

Von Im Heimatmuseum im Beunehof ist noch bis Ende des Jahres eine Ausstellung zum 1. Weltkrieg zu sehen. Ein Sonderheft der Schriftenreihe des Geschichtsvereins vertieft das Thema und legt dabei den Schwerpunkt auf Nieder Geschehnisse.
Schon im September 1914 formierte sich der Landsturm zum Schutz des Nieder Bahnhofs.	Fotos: HGV Nied Bilder > Schon im September 1914 formierte sich der Landsturm zum Schutz des Nieder Bahnhofs. Fotos: HGV Nied
Nied. 

100 Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg begann. Seit Monaten wird das Ereignis aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Auch der Heimat- und Geschichtsverein Nied hat vor Monaten seine Ausstellung im Heimatmuseum an der Beunestraße eröffnet (wir berichteten). Ergänzt und erweitert wird sie durch das Heft „Nied(er) im 1. Weltkrieg 1914–1918“, das vom Redaktionsteam des Vereins herausgegeben worden ist.

In der Ausstellung geht es nicht vorrangig um Daten und Schlachten. Vielmehr werden die Marksteine des Krieges dazu benutzt, um die Entwicklung zu verdeutlichen, von der das damals noch selbstständige Dörfchen in den Jahren zwischen dem Kriegsausbruch 1914 und dem Beginn der französischen Besatzungszeit, mit dem die Niddabrücke 1918 zur scharf bewachten Grenze der besetzten Nachbarstadt Höchst wurde.

Neben Orden, Waffen, Ehrenzeichen und Reservistenkrügen sind viele Dinge ausgestellt, die einen Einblick in die Köpfe der Menschen der damaligen Zeit ermöglichen. Wie heute Fußball-Panini-Bildchen gesammelt werden, sammelte man damals Zigarettenbildchen von den Schlachten an der Somme und an der Marne, bei Verdun und Ypern, und klebte sie in dicke Kladden. Frauen, die ihren Schmuck in der Aktion „Gold gab ich für Eisen“ weggegeben hatten, um den Krieg zu unterstützen, bekamen von ihren Männern Broschen aus Granatsplittern; aus demselben Material wurden auch Brieföffner gebastelt, aus einer Granate ein Zigarrenschneider. „Man muss diesen Zeitgeist in sich aufnehmen“, sagt Wolfgang Lampe, der 1. Vorsitzende des Nieder Heimat- und Geschichtsvereins. Deswegen habe man auch einen Bücher-Grabbeltisch aufgebaut, an dem die Besucher der Ausstellung in zeitgenössischen Publikationen blättern können.

Das Sonderheft der Schriftenreihe greift die Themen der Ausstellung auf und vertieft sie. Das Nied um 1914 wird vorgestellt, in dem es immerhin noch sieben landwirtschaftliche Betriebe gab. 1915 wurde mit dem Bau der Königlich-preußischen Lokomotiv-Hauptwerkstätte am Rödelheimer Weg (heute Oeserstraße) begonnen. Eine Hilfskommission des Roten Kreuzes unter Bürgermeister Franz Simon packte Pakete für die Soldaten; der Landsturm sicherte den Nieder Bahnhof gegen Saboteure und Kollaborateure, gegen welchen Feind auch immer.

Die Nieder Zeitung berichtete von 888 Mitbürgern, die unter Waffen standen – bei 3816 männlichen Einwohnern im Jahr 1914. Zeitweise musste die Hälfte der Belegschaft der Farbwerke im benachbarten Höchst Frontdienst leisten; Anlagen wurden wegen Personalmangel stillgelegt. 1918 waren mehr als 340 Nieder gefallen. Auch die Trauerkultur dieser Zeit ist für den Heimat- und Geschichtsverein und die Redaktionsgruppe um Wolfgang Lampe und Norbert Traband ein wichtiges Thema. Exemplarisch werden in der Schrift des Heimat- und Geschichtsvereins fünf Nieder Schicksale vorgestellt – fünf Männer von vielen, die damals nicht zurückkehrten. Als der Krieg zu Ende war, waren es die Hungerjahre noch lange nicht: Die Inflation und die Weltwirtschaftskrise warfen ihre Schatten voraus.

Ausstellung geöffnet jeweils sonntags von 14–17 Uhr im Heimatmuseum, Beunestraße 9 a. Das Heft gibt es dort für 3 Euro. Infos (etwa für Sonderöffnungszeiten): (0 69) 39 87 89, Fax (0 69) 35 35 61 45, E-Mail heimat@geschichtsverein-nied.de.

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