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Tipps vom Hunde-Coach: Der Hund muss sicher fühlen

Von Wenn sie mit ihrem Vierbeiner-Trio unterwegs war, fühlte sich Sandra Debus gehörig unter Druck. Inzwischen ist sie viel sicherer – und die Hunde sind es auch.
Sandra Debus mit ihren drei Hunden Molly, Renia und Jenna. Von Hundecoach Dieter Zurr kommen hilfreiche Tipps. Sandra Debus mit ihren drei Hunden Molly, Renia und Jenna. Von Hundecoach Dieter Zurr kommen hilfreiche Tipps.
Sulzbach. 

Die Redewendung „aller guten Dinge sind drei“ trifft nicht immer zu. Sandra Debus liebt zwar ihre Hündinnen. Doch in geballter Form können der 48 Kilo schwere Hirtenhund Jenna und die beiden mittelgroßen Mischlinge Molly und Renia ganz schön anstrengend sein. „Vor allem das Gassigehen ist eine Herausforderung“, erklärt die zart gebaute Hundehalterin aus Sulzbach.

Genau dieser Herausforderung soll sich die 26-Jährige jetzt stellen. Die Probleme beginnen schon beim Anleinen der Vierbeiner. Erst nimmt Frauchen die ruhige Renia am Halsband, streckt sich dann nach Molly aus und ruft gleichzeitig Jenna zur Tür. Immerhin: Der große Hund hört, fegt beim frohgemuten Heraneilen aber schwanzwedelnd eine große, am Boden stehende Vase um.

Heute sind die Hunde ein wenig nervöser als sonst. Schließlich ist ein unbekannter Gast im Haus: Dieter Zurr will Debus helfen, „ihr Rudel“ künftig besser im Griff zu haben. „Ich bin nicht hier, um die Hunde zu erziehen“, erklärt er. Er sei als Coach eine Art passiver Unterstützer, wolle die Verständigung und den Umgang zwischen Hund und Besitzer verbessern.

„Vierbeiner sind nicht für demokratische Verhältnisse geschaffen“, sagt Zurr, der in Oberursel eine Hundeschule betreibt. Die vom Wolf abstammenden Tiere seien klare Hierarchien gewöhnt. „Dabei sollte sich der Besitzer als Leitwolf seines Rudels durchsetzen.“ Ein Herrchen müsse sich als Alpha-Tier Respekt verschaffen.

 

Kommunikationsprobleme

 

„Das heißt aber keineswegs, dass der Halter unsinnig streng oder hart sein soll“, fährt Zurr fort. „Probleme im Zusammenleben mit dem Vierbeiner sind niemals mit Gewalt zu lösen.“ Ein Souverän würde für seine Gelassenheit und Überlegenheit geschätzt. Zudem müsse die Freundschaft zwischen Tier und Hund an erster Stelle stehen, nicht der willenlose Gehorsam. Bei Sandra Debus und ihren Hunden herrscht großes Vertrauen. „Doch in der Kommunikation läuft etwas falsch“, sagt Zurr. „Wir müssen uns in die Tiere hineinversetzen.“

Beim Spaziergang über die Felder läuft zunächst alles gut. Doch dann nähern sich zwei Frauen mit Kinderwagen und Husky. Prompt nimmt Debus Jenna enger an die Leine. Während der große Hund den unbekannten Artgenossen schon aus mehreren hundert Metern Entfernung fixiert und zu ziehen beginnt, redet Debus lautstark auf ihn ein. Doch dadurch scheint sie den Hirtenhund nur zusätzlich nervös zu machen. Er ist erst 18 Monate alt und sehr verspielt, dafür hat Sandra Verständnis. „Aber das geht so nicht“, erklärt sie. „Wer garantiert mir, dass sich Jennas potenzieller Spielfreund nicht als bissig entpuppt?“

Außerdem müsse sie ja auch die anderen beiden Hunde im Blick behalten. Molly habe sie schon von klein auf. Sie sei unproblematisch. Doch die brave, aber ängstliche Renia benötige ihre volle Aufmerksamkeit. Die braune Hündin mit den Narben an den Ohren habe Traumatisches erlebt, sagt Debus. „Sie kommt aus einem polnischen Tierheim, ist sehr verängstigt. Wenn Renia sich erschreckt und losreißt, läuft sie mir umgehend davon.“ In Anbetracht dessen müsse sich Jenna, die Debus erst im März aufgenommen hat, einfach gehorsamer verhalten.

 

Wie Zauberei

 

Viele Jahre lang hat der 1956 geborene Dieter Zurr Führungskräfte trainiert. Dann empfahlen ihm die Ärzte, einen Beruf an der frischen Luft zu ergreifen. Nun geht er in der Arbeit mit den Hunden auf. Er nimmt Sandra Debus die Leine aus der Hand und hält sie locker. „So ist Jenna doch gleich viel entspannter“, erklärt er. Dann geht er erhobenen Hauptes an dem fremden Hund vorbei. „Deine Hündin muss sich in deiner Gegenwart sicher fühlen“, erklärt er. „Sie muss wissen, dass der fremde Vierbeiner ihr nichts anhaben kann, solange du in seiner Nähe bist.“

Als der freilaufende Husky auf Jenna zurennt und diese noch stärker zieht, gibt Zurr ihr einen kleinen, sanften Schubs mit dem Knie. „Das tut dem Hund nicht weh, reißt ihn aber aus seinem triebartigen Verhalten.“ Debus ist erstaunt, denn Zurr hat Erfolg. Es ist wie Zauberei: Jenna konzentriert sich, lenkt ihren Blick weg vom anderen Hund, fokussiert sich auf ihren Leinenführer. Als Debus Zurrs Beispiel folgt, klappt es fast genauso gut.

 

Lob hilft weiter

 

Sie tätschelt ihrem Hund den Kopf. „Ein Lob ist die Bestätigung dafür, dass etwas richtig gemacht wurde“, erklärt Zurr. Das sei für Hunde immens wichtig, weil sonst die Freude am Lernen und die Motivation nachlassen würden, mit dem Halter weiterzuarbeiten. Und ein Lob hat Sandra Debus auch für Zurr parat: „Sein Coaching war ausgesprochen hilfreich“, erklärt sie. „Ich fühle mich jetzt viel sicherer.“ Das Gelernte bringe sie nun auch ihrer Mutter bei, die sich auch oft um die Hunde kümmere.

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