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Hofheimer Demo gegen Rassismus: "Der Kreis ist weltoffen"

Von Über 800 Menschen beteiligten sich gestern Abend an einer Demonstration auf dem Kellereiplatz gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Toleranz.
Gut gefüllt war der Kellereiplatz gestern Abend: „Liebe für alle, Hass für keinen“ – dieses und viele weitere Transparente waren zu sehen.	Fotos: Matthias Knapp Gut gefüllt war der Kellereiplatz gestern Abend: „Liebe für alle, Hass für keinen“ – dieses und viele weitere Transparente waren zu sehen. Fotos: Matthias Knapp
Hofheim. 

Die Polizei hatte auf Nummer sicher gehen wollen und gleich die ganze Elisabethenstraße zwischen Pfarrgasse und Rathaus gesperrt – aber weder kamen so viele Demonstranten, dass die Straße für die Kundgebung gebraucht wurde, noch ging von dort irgendeine Gefahr für die Veranstaltung aus. Die Kundgebung „für Toleranz, Gleichheit, Zusammenhalt“ verlief friedlich, die Ordnungskräfte konnten sich im Hintergrund halten. Auf dem Platz herrschte bei eher ungemütlichen Temperaturen die Einschätzung, dass doch mehr Menschen gekommen seien, als zu erwarten waren. Für die große Resonanz sorgte wohl schon die große Zahl der teilnehmenden Organisationen und Institutionen – Parteien, soziale Einrichtungen, Vereine sowie christliche Kirchen und andere religiöse Gruppen waren dabei.

Die bemerkenswerteste Rede auf dem Podium hielt Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU), weil er über die bei solchen Gelegenheiten üblichen Formulierungen hinaus klar Position bezog zu verschiedenen, derzeit kontrovers diskutierten Themen. „Alle Menschen, die hier leben, gehören zu Deutschland – gleichgültig, was sie glauben“, nahm Cyriax eine These von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die damit auch innerhalb ihrer Partei nicht nur auf Zustimmung gestoßen ist. „Nicht alles, was man sagen darf, muss man auch sagen“, mahnte Cyriax aber auch zu einer gewissen Sensibilität. Ohne dass es ausgesprochen werden musste, stand die Frage im Raum, wie Satire mit religiösen Überzeugungen umgehen sollte.

Aber wenn dabei Grenzen überschritten werden, rechtfertigt dies noch keine Gewalt, wie Jürgen Richter vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen erklärte: „Es ist auch Teil von Meinungsfreiheit, sich über Religionen lustig zu machen, auch wenn uns das nicht gefällt.“ Zuvor hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser erklärt, es gehe darum, der drohenden Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft entgegenzutreten. Faeser: „Der Kreis ist vielfältig und weltoffen, und so soll er auch bleiben.“

Für die christlichen Kirchen erklärte der evangelische Dekan Martin Fedler-Raupp, der Austausch über unterschiedliche Ansichten und Lebensweisen sei die Grundlage für den gesellschaftlichen Frieden. „Für die christlichen Kirchen ist es unabdingbar wichtig, jedem seine Lebensweise zuzugestehen“, betonte Fedler-Raupp. Der islamische Theologe und Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Union, Selcuk Dogruer, erklärte zu den Anschlägen von Paris, „keiner habe das Recht, an Stelle von Allah über das Leben Anderer zu richten“. Radikalen Tendenzen dürfe man nicht nur mit Worten begegnen, sondern müsse sich aktiv dafür einsetzen, die Freiheit eines jeden zu schützen. Auch für die Muslime seien Meinungs- Presse- und Religionsfreiheit die Fundamente der demokratischen Gesellschaftsordnung.

Attila Karaböklü, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der türkischen Gemeinden in Hessen, berichtete vom Unverständnis seiner Kinder über antiislamische Demonstrationen in Deutschland. Immerhin hätten die das Land als ihre Heimat kennengelernt. „Hier fühlen wir uns wohl“, erklärte Karaböklü, ausdrücklich auch als Vertreter der Einwanderer angekündigt. Dass es gegen diese ausgerechnet dort die größten Demonstrationen gibt, wo ihr Anteil doch besonders klein ist, veranlasste Jürgen Richter vom Landesverband der jüdischen Gemeinden zu der Schlussfolgerung, dass es dort am wenigsten Vorurteile gebe, wo man sich kenne.

Das gegenseitige Kennenlernen wird auch möglich durch die vielen Ehrenamtlichen, die sich um neu ankommende Flüchtlinge kümmern – Cyriax und Faeser nutzen den Anlass, sich für dieses Engagement zu bedanken. Die islamfeindliche Gegenseite fand an diesem Abend nur ein oder zwei Mal Erwähnung. „Die Erwähnung des Namens Pegida ist schon fast Leichenschändung“, äußerte Jürgen Richter die vielbeklatschte Hoffnung, dass diese Art der Dresdner Montagsdemonstrationen einschließlich ihrer Ableger in anderen Städten bald der Vergangenheit angehört.

Bilderstrecke Hofheim: 500 Teilnehmer protestieren gegen Fremdenfeindlichkeit
Über 500 Teilnehmer kamen zur Kundgebung auf dem Hofheimer Kellereiplatz am Montag, 2. Februar, zusammen, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Unsere Bilderstrecke zeigt Impressionen von der Kundgebung. Fotos: KnappDie SPD hatte dazu die demokratischen Parteien aufgerufen, ebenfalls dabei waren Kirchengemeinden, soziale Institutionen und Verbände. Es folgen weitere Bilder.
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