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Der Sucht entronnen

Alkohol ist allgegenwärtig. Wenn aus dem gelegentlichen Genuss Sucht wird, brauchen Betroffene Hilfe. In der Gemeinschaft der Guttempler unterstützen sie sich gegenseitig. Drei Männer und eine Frau wurden jetzt für je 25 Jahre Mitgliedschaft in Sindlingen geehrt.
Manfred Hartmann (von links) Lidia und Stefan Scholtyssik sowie Adolf Thoma sind seit 25 Jahren Guttempler. Foto: Maik Reuß Manfred Hartmann (von links) Lidia und Stefan Scholtyssik sowie Adolf Thoma sind seit 25 Jahren Guttempler.
Sindlingen. 

Dezember 2003. Oktober 1978. Juli 1989. Wendepunkte im Leben der Männer und Frauen, die sich seither Woche für Woche in der Guttemplergruppe treffen. Jeder von ihnen weiß noch das genaue Datum, an dem er oder sie beschloss, sich aus der Alkoholabhängigkeit zu befreien.

Vier von ihnen wurden nun vom Vorsitzenden der Guttempler-Selbsthilfegruppe Sindlingen, Thomas Michels, für jeweils 25 Jahre Mitgliedschaft in einer festlichen Sitzung geehrt. Manfred Hartmann (75 Jahre), Adolf Thoma (73) und Stefan Scholtyssik (78) sind ehemalige Alkoholabhängige, Lidia Scholtyssik (74) hatte zwar nie Probleme, wollte aber ihren Mann den schweren Weg nicht allein gehen lassen. „Es ist sehr hilfreich, wenn die Familie mitzieht“, sagt Michels: „Die Guttempler helfen Betroffenen und ihren Angehörigen, denn die Sucht beeinträchtigt die ganze Familie.“

Der erste Schritt

Der erste Schritt ist der schwerste. Erkennen, dass es ein Problem gibt, Hilfe suchen, finden, annehmen. Durchhalten. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Dann nahm mich mein Meister an die Hand und ging mit mir zur Beratungsstelle“, erinnert sich Guttempler Horst Grün. „Man muss zu seiner Krankheit stehen“, sagt auch Manfred Hartmann. Anschließend ist es harte Arbeit und ein Lernprozess, damit umzugehen. „Es ist kein einfacher Weg. Es kostet Kraft. Heute bin ich froh, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Und in der Gruppe unterstützt man sich gegenseitig.“

„In der Beratungsstelle riet man mir zu den Guttemplern und meine Frau mitzunehmen“, erinnert sich Stefan Scholtyssik. Andere lernten den Verband während der Therapie kenne. „Dort stellten sich verschiedene Selbsthilfevereine vor“, berichtet Hartmann. Das Konzept der Guttempler basiere auf „Geborgenheit in der Gemeinschaft und weltweiter Verbundenheit“, sagt Michels. Eine neue, positive Gestaltung des Lebens soll möglich werden, ausgerichtet an den Guttempler-Grundsätzen Enthaltsamkeit, Brüderlichkeit und Frieden. Achtung und Toleranz gegenüber der Persönlichkeit des Anderen und Zuwendung für den Einzelnen sind Grundlagen des Umgangs miteinander. „Wir wollen denen zur Seite stehen, die unter den Folgen des Suchtmittelmissbrauchs leiden“, sagt Michels: „Wir wissen selbst darum, wie gut es tut, eine helfende Hand zu haben.“ Hertmann ergänzt: „Man hält sich gegenseitig. Einer allein geht kaputt.“

Immer aufpassen

Bei den wöchentlichen Treffen ist die Sucht zwar das Grundthema, aber nicht nur. „Der Alkohol ist nicht mehr so vordergründig“, sagt Adolf Thoma. Die Gedanken kreisen schon lange nicht mehr darum, sondern um die „Weiterentwicklung des alkoholfreien Lebensstils“, wie sie es nennen. „Heute gibt es überall alkoholfreie Getränke“, sagt Hartmann. Allerdings ist ständige Wachsamkeit der Preis des Lebens ohne Abhängigkeit. „Beim Kauf von Eis oder Kuchen muss man aufpassen, dass kein Alkohol drin ist, beim Essengehen frage ich immer, ob welcher in den Soßen ist“, erzählt er: Gerne erinnert er sich an eine Reise, bei der er ebenfalls nach den Bestandteilen fragte und ihm die Bedienung den Koch schickte. „Hallo Bruder, hat er mich begrüßt“, sagt Hartmann. Der Koch war ebenfalls Abstinenzler und trug wie er das Guttempler-Abzeichen, eine kleine, schwarz-weiße Weltkugel.

Die Guttempler betrachten sich als Geschwister und sprechen sich auch so an. Speziell die Sindlinger Gruppe ist schon lange miteinander vertraut. Die Mitglieder kommen aus der Umgebung, aus Zeilsheim und Eckenheim, Raunheim und Liederbach. Aus Anlass der Jubilarenehrung deckten sie die Tische festlich und gönnten sich ein gemeinsames Essen. Zuvor sangen sie noch das Guttempler-Lied: „Mancher steht einsam am Wege herum. Reich ihm die Hand, Mensch sei nicht so dumm. Denk dran, auch Du warst einmal allein, so muss es wirklich nicht sein – Wir sind Guttempler, wir sind es gerne.“

Weitere Infos finden sich unter www.guttemplerhessen.de im Internet. Für Menschen mit Suchtproblemen oder deren Angehörige bieten die Guttempler ein Nottelefon Sucht an. Es hat die Nummer 01 80-3 65 2 4 07 und ist rund um die Uhr besetzt.

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