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Internetseite als Plattform und Tauschbörse: Der junge Flüchtlingshelfer

Von Bei „Jugend hackt“ in Köln wurde das Projekt des Liederbachers ins Leben gerufen und bereits ausgezeichnet. Nun soll der offizielle Startschuss folgen.
Zwischen Laptop und Handy: Die Aktion „Germany says welcome“ gibt es sowohl als Homepage als auch als App. Konzipiert wurde sie von Patrice Becker und seinem Team. Foto: Matthias Knapp Zwischen Laptop und Handy: Die Aktion „Germany says welcome“ gibt es sowohl als Homepage als auch als App. Konzipiert wurde sie von Patrice Becker und seinem Team.
Liederbach.  Er will den Flüchtlingen helfen – und zwar „mit dem, was ich am besten kann“, erklärt Patrice Becker. Da musste der 17-Jährige nicht lange überlegen, es sollte etwas mit Computern zu tun haben – das ist das Steckenpferd des Schülers, der nächstes Jahr sein Abitur an der Frankfurter Schiller-Schule machen will. Und so reifte in ihm die Idee, eine Art Willkommensseite für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer zu gestalten. Aus der Vision ist Realität geworden: Die Internet-Seite und die Handy-App „Germany says welcome“ („Deutschland sagt willkommen“) sind online, schon im fortgeschrittenen Stadium der Testphase und können bald mit all ihren Funktionen auf den Markt gehen.

Infos sind online

Möglichkeiten gibt es dort viele. Herzstück ist eine Tauschbörse, bei der Helfer, Bürger und Flüchtlinge Dinge anbieten oder suchen können. Auch Dienstleistungen dürfen gerne „getauscht“ werden. Zweiter Schwerpunkt: Jedermann darf Fragen ganz konkret zu Problemen stellen, die ihm von der Gemeinschaft beantworten werden. Wichtige Adressen, Anlaufstellen, Kontakte von Behörden, Organisationen und Gruppen sind ebenfalls online, sofern sie den Machern von „Germany says welcome“ mitgeteilt werden oder abrufbar sind. Und die Flüchtlinge können kostenlose Hotspots suchen.

Das Team hinter diesem Projekt ist groß und jung: Acht Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus dem Westen Deutschlands, von Trier über Bonn bis Köln, machen mit. Patrice ist der einzige Hesse, zudem ist ein Freund von ihm aus Tel Aviv dabei. Der hatte die Idee der Börse, der Liederbacher überlegte sich die Flüchtlings-Seite – so wurde beides zusammengeführt.

Bei der IT-Veranstaltung „Jugend hackt“ vor wenigen Wochen in Köln stellte Patrice das Projekt den rund 50 Teilnehmern vor – und hatte plötzlich für dieses PC-Wochenende in der Kategorie „Gesellschaft“ sechs weitere Mitstreiter gefunden. Viele Stunden wurde programmiert, „wir hatten nicht so viel Schlaf“, erinnert sich Patrice aber gerne zurück. Zumal die Gruppe mit ihrem Vorhaben in Köln gleich zwei Preise einheimsen konnte. Inzwischen habe jedes Teammitglied sicher 80 Stunden mit dem Projekt verbracht. Er als inoffzieller „Kapitän“ noch etwas mehr. Professionell sieht zum Beispiel sein Projektplan aus, auf dem er die Aufgaben und die Bearbeiter definiert hat. Zu tun gibt es noch genug. Derzeit ist die Seite in englischer Sprache – künftig soll sie aber anhand des Browsers seines Nutzers erkennen, welche Sprache dieser spricht und automatisch umschalten.

Einen großen Erfolg hatte das Team Mitte des Monats in Berlin bei „Jugend hackt“. Das bundesweite Treffen von 135 Programmierbegeisterten stand unter dem aktuellen Hauptthema „#refugeeswelcome“ und Antirassismus. Patrice und sein Team gewannen den Preis in dieser neuen Kategorie. Die Jury befand, dass „Germany says welcome in diesem historischen Moment, in dem sich Deutschland gerade befindet, das Gefühl von Zugehörigkeit für Flüchtlinge stärkt und bei der Verständigung und Barrieren zu überwinden hilft.“

Hilfe im Vordergrund

Bei der Kölner Internetwoche vom 19. bis 24. Oktober haben Patrice und seine Kollegen das Projekt bei der Eröffnung vorgestellt. Ziel sei es nicht, „damit Geld zu machen“, betont Patrice. Die Hilfe für die Flüchtlinge stehe ganz klar im Vordergrund, die Kosten sollten aber gedeckt sein. Daher möchte die Gruppe über Crowdfunding Sponsoren für ihr Projekt suchen. Sollte dann noch etwas übrig bleiben, solle das wiederum in Flüchtlingsprojekte gesteckt werden, kündigt Patrice an. Der Liederbacher selbst engagiert sich allerdings nicht nur via Computer für die Asylbewerber. In der Schule in Sachsenhausen macht er im Schülerbündnis mit. Diese Gruppe besuchte schon Flüchtlingsheime mit dem Blick auf das, was noch verbessert werden kann. In der Eppsteiner Villa Anna, in der unbegleitete Flüchtlinge untergebracht sind, hat er, damals noch für die Einstein-Schule Schwalbach, bei einem Filmprojekt mitgemacht. Die jungen Bewohner wurden vorgestellt, die Filmemacher waren eine Woche unter ihnen.

Dass Patrice Becker mal eine Flüchtlings-Homepage programmieren würde – es war vor einigen Jahren nicht abzusehen. Wie viele Jugendliche seines Alters hatte er einen PC mit vielen Spielen zu Hause. Doch das wurde ihm zu „unproduktiv“, weshalb er den Computer gegen einen Laptop ganz ohne Spielprogramme eintauschte. Die Schule wechselte der Liederbacher, weil in Frankfurt der Informatik-Schwerpunkt ausgeprägter ist.

Politik als Hobby

Nach dem Abi möchte er versuchen, an die Mannheim Business School zu kommen. Aktiv spielt der engagierte Liederbacher noch Tennis in der U 18 des TC und engagiert sich bei den Jungen Liberalen in Frankfurt. Die Politik passt in die Familie – seine Mutter Bianka sitzt in der Liederbacher Gemeindevertretung – allerdings für die Grünen . . .

 

Informationen gibt es auf der Seite www.germany-says-welcome.de .

 

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