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Engagement für Flüchtlinge: Deutschkurse, Praktika, Buchspenden

Die Firma Rothenberger geht nach Meinung vieler Kelkheimer mit gutem Beispiel voran. Bisher hat sie Brunnen und Schulen in Afrika gebaut, nun ist Unterstützung vor Ort nötig.
Ein Team beim Deutsch-Unterricht: Lehrerin Wally Spahr, Schüler Abdalreza Maradi Pour, Rothenberger-Personalchefin Hildegard Eisen, Schülerin Elhan Firoozi und Pressesprecherin Daniela Süßenbach (von links). Foto: Knapp Ein Team beim Deutsch-Unterricht: Lehrerin Wally Spahr, Schüler Abdalreza Maradi Pour, Rothenberger-Personalchefin Hildegard Eisen, Schülerin Elhan Firoozi und Pressesprecherin Daniela Süßenbach (von links).
Münster. 

Diese Firma hat an alles gedacht: Eine passende Rothenberger-„Schultasche“ und einen Ordner für den Deutschunterricht haben die Flüchtlinge längst bekommen. Nun gibt es zum Abschluss des Kurses noch ein Buch über Deutschland, einen Block sowie das Abschluss-Zertifikat. Und zum Essen samt Kuchen als Nachtisch sind die 16 jungen Menschen auch wieder eingeladen. Versteht sich, dass der Unterricht in den Räumen des Werkzeugherstellers lief und dass die Flüchtlinge aus ihren jeweiligen Unterkünften mit einem Shuttle abgeholt wurden.

Das größte Kelkheimer Unternehmen geht bei der Flüchtlingshilfe in der Stadt mit gutem Beispiel voran: Unter dem Titel „Wir helfen“ wurde im vergangenen Jahr eine breit angelegte Initiative gestartet, die nun mit dem Ende des ersten Deutschkurses eine erste Station erreicht hat. Doch es soll nicht das Ende der Fahnenstange sein, wie Personalleiterin Hildegard Eisen und Daniela Süßenbach, zuständig für Unternehmenskommunikation, betonen. So dürfen 8 der 16 Teilnehmer des Kurses noch ein dreimonatiges Aufbauseminar machen, um möglichst schnell auch beruflich in Deutschland Fuß fassen zu können. Zu ihnen zählen Elham Firoozi und ihr Mann Abaalreza Moradi Pour aus dem Iran. Beide sind seit sechs Monaten hier, leben in der Unterkunft an der Frankfurter Straße und sind sehr zufrieden mit der Unterstützung. Er ist Glaser und möchte in seinem Beruf wieder arbeiten, sie ist Grafikern. Dass ihnen die von Rothenberger engagierte Lehrerin Wally Spahr jetzt erste wichtige Elemente der deutschen Sprache vermittelt hat, helfe ihnen schon sehr weiter – gerade im Alltag etwa beim Einkaufen oder Ausfüllen von Formularen. Nun wollen sie Deutsch richtig lernen und sind sehr dankbar für das Engagement der Firma.

Nachhaltiges Paket

Rothenberger indes sieht seine Aktivitäten ein Stück weit als verpflichtend an. Mit der „Tools for Life“-Stiftung engagiert sich der Konzern weltweit, vor allem in Afrika. „Wenn wir dort irgendwo Brunnen und Schulen bauen, dann sollten wir auch vor Ort unseren Beitrag leisten“, findet Hildegard Eisen. „Denn auch hier ist es nötig, dieses Thema zu stützen“, ergänzt Daniela Süßenbach. Und so setzten im vergangenen Jahr mehrere Menschen aus dem Betrieb den Impuls, in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden – mit der ausdrücklichen Rückendeckung von Chef Helmut Rothenberger.

Das Paket „Wir helfen“ wurde geschnürt – allerdings nichts ins Blaue hinein, sondern in Absprache mit der Stadt und dem „Runden Tisch Flüchtlingshilfe“. Hildegard Eisen macht deutlich: „Wir haben versucht, an alles zu denken. Und es soll im Anschluss weitergehen und nicht verpuffen.“ So wurde gemeinsam überlegt, dass in den Heimen oft die jungen Menschen, die nicht mehr in eine Schule gehen, weniger berücksichtigt werden. Daher gab es für sie den Deutschkurs – jeweils angelegt an das Programm der Volkshochschule. Mit Wally Spahr aus Fischbach war eine professionelle Lehrerin schnell gefunden, die in 100 Einheiten à 45 Minuten den Grundkurs „Deutsch als Fremdsprache“ stemmte und für das Zertifikat auch einen Test schreiben ließ.

Dass sich Rothenberger hier so engagiert, freut Wally Spahr: „Das ist toll, das machen sehr wenige. Viele sprechen darüber und machen nichts“, findet sie. „Es wäre schön, wenn andere Firmen das auch machen“, ist Mafalda Pinto-Schneider, Vorsitzende des Ausländerbeirats, begeistert. Und Petra Bliedtner von der städtischen Jugendarbeit, die auch das Flüchtlingsthema im Rathaus koordiniert, spricht von einem „Paradebeispiel“. So viel Lob ist dem Unternehmen fast schon unheimlich. Die Aktionen helfen den Menschen, „so ein bisschen Boden unter die Füße zu kriegen“, sagt Daniela Süßenbach zur Motivation. Wichtig sei es, dass sie sich hier in Deutschland bewerben können. Auch Rothenberger hilft übrigens beim beruflichen Einstieg: Ein Flüchtling aus Syrien macht derzeit ein Praktikum im Produktmanagement, ein zweiter soll in der Produktion einen Einblick bekommen. Zudem wurden bereits 100 Deutschbücher an die Kelkheimer Flüchtlingshilfe gespendet, eine Kleiderbörse unter den Mitarbeitern organisiert und Räume für die Deutschkurse des Runden Tischs bereitgestellt. Eine Summe im gut vierstelligen Bereich hat Rothenberger dabei bereits investiert. Personalchefin Hildegard Eisen denkt aber einen Schritt weiter: Sie habe das Thema auch bei der IHK platziert, „um es etwas weiter zu streuen“.

(wein)
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