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Die Qual der Europawahl

Kurz vor der Europawahl haben gestern die Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Höchst abgestimmt. Bei der Juniorwahl konnten auch die unter 18-Jährigen ihre Stimme abgeben. Bei dem Projekt geht es darum, die Schüler für das Wählen zu begeistern.
Sebastian, Torben und Mert (v.l.) geben ihre Stimme ab. 
Foto: Reuß Sebastian, Torben und Mert (v.l.) geben ihre Stimme ab. Foto: Reuß
Höchst. 

Eine Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent wird es bei der Europawahl am Sonntag höchstwahrscheinlich nicht geben. Einen Spitzenwert von rund 87 Prozent erreichten die Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums gestern bei der Juniorwahl im Bikuz. Ähnlich wie bei einer echten Wahl, kamen die Schüler in ein Wahllokal und konnten aus den 24 Parteien ihren Favoriten ankreuzen.

„Es ist wichtig, dass die Schüler ein Gefühl dafür kriegen, wie es ist, wählen zu gehen“, sagt Claude Görner. Der Lehrer für Politik und Wirtschaft hat gemeinsam mit den anderen Fachlehrern am Gymnasium die Juniorwahl organisiert. Es gibt Wahlkabinen, Wahlbenachrichtigungen und ein Computerprogramm, bei dem die Schüler ihre Auswahl nur anklicken müssen. Der Computer von Claude Görner zeigt die aktuelle Wahlbeteiligung an. Wenn alle Schüler gewählt haben, kann er mit einem Mausklick das Ergebnis auf seinem Bildschirm aufrufen.

Zwar dürfen viele der 564 stimmberechtigten Schüler am Sonntag noch nicht wählen, da sie unter 18 Jahre sind, doch dem Lehrer ist wichtig, dass die Schüler wissen, was es bedeutet, wählen zu können. „Das sind die Wähler der Zukunft“, sagt Görner.

Deutschlandweite Aktion

Die Juniorwahl ist eine Schülerwahl, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Außerdem unterstützen das Europäische Parlament und die Bundeszentrale für politische Bildung die Aktion, die deutschlandweit rund 200 000 Schüler an die virtuellen Urnen führt. Neben Deutschland nehmen auch Schulen aus Polen, den Niederlanden und Finnland an teil, insgesamt sind rund eine Million Schüler wahlberechtigt. Seit 1999 wird das Projekt zu allen Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen durchgeführt.

Im Unterricht haben die Kurse am Friedrich-Dessauer-Gymnasium über die Europawahl am Sonntag gesprochen, die Partei-Programme diskutiert und Aufgaben des Europäischen Parlaments kennengelernt. Auch die Teilnahme an dem Online-Wahlprogramm „Wahl-O-Mat“, bei dem die Nutzer vorher nicht wissen, welche Parteien hinter dem jeweiligen Programm stehen und am Ende eine Auswertung über die Übereinstimmung mit den Parteien bekommen, stand auf dem Lehrplan. Einige der Kurse haben auch das TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten Martin Schulz und Jean-Claude Juncker angeschaut und ausgewertet.

Auf dem Gang vor dem Informatik-Raum, in dem gewählt wird, werden die ersten Prognosen ausgetauscht. Daniela (18) und Maike (17) stehen noch etwas unentschlossen vor den bunten Plakaten. „Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, wen ich wähle“, sagt Daniela. „Gefühlt haben alle Parteien ähnliche Themen“, findet Maike. „Deshalb bin ich mir total unsicher, wen ich nun wählen soll.“ Torben (17) hat ähnliche Gedanken. „Bei meinem Wahl-O-Mat-Ergebnis lag meine maximale Übereinstimmung nur bei 56 Prozent“, sagt er. „Ich würde mir mehr Individualität der Parteiprogramme wünschen.“

„Hier gibt es, wie auch bei einer richtigen Wahl, Protestwähler und Spaßwähler“, sagt Claude Görner. „Ich bin schon sehr gespannt, wie das Ergebnis aussieht.“ Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hat die Schule das erste Mal an der Juniorwahl teilgenommen. Und lag mit ihrem Ergebnis weit vom tatsächlichen Wahlausgang entfernt.

Standpunkte der Parteien

„Es ist wichtig, dass die Leute nach ihrem eigenen Interesse wählen“, findet Sebastian (18). Der Schüler aus dem Leistungskurs Politik und Wirtschaft setzt auch am Sonntag sein Kreuz auf einem Wahlzettel, bei der Europawahl. „Viele gehen nicht wählen, das ist schade“, findet auch Mert (17). Auf bunten Plakaten haben die Schüler aus dem Leistungskurs die einzelnen Standpunkte der größten Parteien zu verschiedenen Themen aufgeschrieben. Einige Schüler, die kurz vor der Wahl noch unentschlossen sind, können sich dort noch einmal über die Parteien informieren. „Wir haben versucht, die wichtigsten Themen für Europa darzustellen“, sagt Mert. Er wird in einer Woche 18, ein paar Tage nach der Europawahl. „Aber zur nächsten Wahl gehe ich bestimmt.“

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