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Die kriminelle Karriere des Simon G.

Bekannt wurde Simon G. (21) in Zusammenhang mit den U-Bahn-Schlägern vom Ben-Gurion-Ring. Nun wird seine Verurteilung wegen versuchten Mordes neu aufgerollt.
Zuflucht vor den Kameras nimmt Simon G. unter der Jacke seines Verteidigers. Morgen sitzt er wieder auf der Anklagebank.	Foto: dpa Zuflucht vor den Kameras nimmt Simon G. unter der Jacke seines Verteidigers. Morgen sitzt er wieder auf der Anklagebank. Foto: dpa
Frankfurt. 

Als Fußballer soll Simon G. (21) wirklich vielversprechend gewesen sein. In der Oberliga hat er gekickt. Das ist ein paar Jahre her. Experten trauten ihm ohne weiteres eine Karriere als Fußball-Profi zu. Davon kann längst keine Rede mehr sein. Simon G. hat eine andere Karriere gemacht, eine ziemlich kriminelle. Raub, Erpressung, gefährliche Körperverletzung, versuchter Totschlag, schließlich versuchter Mord – immer ist es die ganz dicke Nummer, wenn Simon G. auf der Bildfläche erscheint. Jetzt sitzt er im Gefängnis, Justizvollzugsanstalt Weiterstadt. Wegen versuchten Mordes verurteilte ihn die Jugendkammer des Landgerichtes zu sechseinhalb Jahren.

Altes Urteil neu aufgerollt

Um dieses Urteil wird morgen erneut vor dem Landgericht Frankfurt gestritten. Rechtsanwalt Hans-Jürgen Borowsky, Verteidiger von Simon G., hatte beim Bundesgerichtshof (BGH) Revision gegen das Urteil eingelegt. Nicht, weil er seinen Mandanten für zu Unrecht verurteilt hielt. Es geht um einen Laien als eher technisch anmutenden Aspekt, nämlich den, dass das Landgericht bei der Verurteilung versäumt hatte, eine alte Strafe des Angeklagten, wenngleich verbüßt, mit einzubeziehen.

Die Bluttat, deretwegen Simon G. gerade einsitzt, hat er gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Freund David L. begangen. Beide kennen sich seit Kindesbeinen, beide wurden im Ben-Gurion-Ring groß. Beide brüsteten sich früher gern damit, zu den "Ghetto-Kinds von Bonames" zu gehören.

Als solche verbreiteten sie Angst und Schrecken, bekifften und betranken sich regelmäßig und hemmungslos. Fehlte ihnen, die nie eigenes Geld verdient haben, das Geld für Alkohol, klauten sie im Supermarkt Wodka, Whiskey und was sie sonst noch so für den großen, schnellen Rausch brauchten. Und plötzlich waren sie prominent, wenngleich auf äußerst zweifelhafte Weise. Bundesweit bekannt wurden Simon und sein Freund David, nachdem sie im Januar 2008 zusammen mit fünf anderen Jugendlichen aus Bonames einen 43-jährigen Zugführer einer U-Bahn auf dem Bahnsteig der Station Heddernheim angegriffen, getreten, geschlagen hatten. Das Opfer kam mit Prellungen im Gesicht und einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Weit schwerer noch wogen die psychischen Folgen für den Fahrer. Seit jenem Vorfall kann er nicht mehr während der Abend-und Nachtstunden arbeiten.

David wurde später wegen dieser Attacke verurteilt, Simon konnte vor Gericht nicht bewiesen werden, an dem tätlichen Angriff beteiligt gewesen zu sein. Dennoch klebt das Etikett "U-Bahnschläger" an ihm wie das Pech am Teufel.

Simon und David, David und Simon – das war ein Duo mit beachtlichem Gewaltpotenzial, spätestens, sobald sie sich hemmungslos mit Schnaps zugesoffen hatten. Da gab es so gut wie keine Schranken mehr. So war es auch am 27. Juli 2008, als Simon einen ihm Unbekannten niederstach, während David diesen festhielt, und dabei so schwer verletzte, dass das Opfer nur dank einer Notoperation mit dem Leben davon kam. Eine Tat aus niedrigen Beweggründen nannte das damals Oberstaatsanwalt Peter Seigfried in seiner Anklage vor der Jugendstrafkammer des Landgerichtes. Hintergrund der Messerattacke soll der Frust der beiden Jugendlichen darüber gewesen sein, absehbar längere Haftstrafen antreten zu müssen. Simon G. hatte die Bewährung für eine Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung verwirkt, weil er die Auflagen des Jugendgerichtes nicht fristgerecht erfüllt hatte. Für David L. stand der Antritt der Haftstrafe wegen der Misshandlung des U-Bahnfahrers unmittelbar bevor.

Sozialarbeiterin kommt

David und Simon waren bei Frankfurter Jugendrichtern nicht allein wegen ihrer kriminellen Taten bekannt, sondern auch dafür, dass sie ungehemmt und unverhohlen ihrem Hohn über die ihrer Ansicht nach ausgeprägte Laschheit der Justiz Ausdruck gaben.

Morgen, sagt Simons Anwalt Heinz Jürgen Borowsky, werde eine Sozialarbeiterin der Justizvollzugsanstalt in dem neuen Verfahren berichten, wie sich Simon G. dort entwickelt, welche Perspektiven er genutzt habe. Ein Anti-Gewalttraining habe er absolviert, indessen keine Berufsausbildung. "Weil das unter den Bedingungen eines Untersuchungshäftlings, als der er durch die Revision einsitzt, nicht möglich ist", erklärt der Verteidiger. Das Verfahren vor der 27. Strafkammer ist öffentlich, beginnt am Donnerstag (1. September), 9.30 Uhr, Saal 8, Gerichtsgebäude E.enz

(enz)
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