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Schwerer Start: Diskussion bei der Ökumenischen Flüchtlingshilfe mit Bürgermeister Frank Blasch

Von Zwei Flüchtlinge erzählen von ihren Startschwierigkeiten, aber auch von ihren ehrgeizigen Plänen. Sie wollen auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.
Bürgermeister Frank Blasch, Moderatorin Martina Aleweld im Gespräch mit Khalil Barikzai und Semhar Tsegai Ghirmai. Foto: MATTHIAS KNAPP Bürgermeister Frank Blasch, Moderatorin Martina Aleweld im Gespräch mit Khalil Barikzai und Semhar Tsegai Ghirmai.
Bad Soden. 

Vor zweieinhalb Jahren ist Khalil Barikzai nach Deutschland gekommen. Seit 2016 lebt der 29 Jahre alte Iraner mit seiner Frau in der Flüchtlingsunterkunft an der Königsteiner Straße. Semhar Tsegai Ghirmai (25) ist aus Eritrea geflohen und wohnt mit ihrem Ehemann seit anderthalb Jahren in Bad Soden, in einer kleinen Wohnung an der Hasselstraße. Der Anfang hier sei schwer gewesen, verrät Barikzai im Gespräch, „ich konnte kein Wort Deutsch“.

Doch an diesem Abend berichten beide Geflüchtete im evangelischen Gemeindesaal in fließendem Deutsch, was sie bisher erreicht haben. Sie stehen auf dem Podium an der Seite von Bürgermeister Frank Blasch und Moderatorin Martina Aleweld von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe.

„Sich das zuzutrauen, ist nicht einfach“, ermuntert Aleweld die beiden Neubürger, vor den 50 Besuchern zu sprechen. Ghirmai und Barikzai haben schon viel erreicht. Beide haben das B 1-Plus-Sprachzertifikat in der Tasche und den Integrationskurs absolviert. Das Sprachzertifikat ist ein Muss, damit sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Um weiter Erfahrungen zu sammeln, hat Ghirmai ein Praktikum in der Kita St. Katharina absolviert und wird ab August dort ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten. Der Traum der 25-Jährigen ist ein Studium im IT-Bereich. In ihrer Heimat hat sie bereits einen Bachelor in Informatik gemacht. Auch Barikzai hat ein Praktikum absolviert bei einer Firma in Hofheim. Der dortige Chef hat ihm ab 1. September eine Lehrstelle angeboten. Den Beruf des Poliers erlernen und dann noch den Meister machen, das sind Barikzais Pläne.

Doch schnell kristallisiert sich in der Diskussion heraus, wie problematisch es für sie ist, als anerkannte Flüchtlinge eine Wohnung in der Stadt zu finden. Mit seiner Frau hat er in der Unterkunft ein Zimmer, schildert Barikzai. Dort sei es sehr laut. Wenn er jetzt seine Ausbildung beginne, brauche er Ruhe, um abends zu lernen. Sie seien auf der Suche nach einer Wohnung, bisher ohne Erfolg. In der Souterrain-Wohnung von Ghirmai und ihrem Mann sei es sehr kalt und dunkel, berichtet die 25-Jährige.

„Was tut die Stadt?“, fragt Aleweld den Bürgermeister. Eine schnelle Lösung werde er nicht finden, reagiert Blasch mit etwas Ratlosigkeit. Bezahlbare Wohnungen seien knapp, der Konkurrenzdruck sei hoch. Er schlägt den Geflüchteten vor, sich bei der Stadt zu melden. „Wir helfen bei der Wohnungsvermittlung.“ Wenn die Stadt bei den Vermietern anrufe, meint Blasch, „ist das ein Türöffner mehr“. Doch gleich meldet sich ein Geflüchteter im Saal zu Wort und schildert seine traurigen Erfahrungen. Warum, fragt er, wollten die Leute nicht an „schwarze Bürger“ vermieten? Eine Besitzerin habe ihm eine Wohnung vermieten wollen, aber gesagt, dass sie Ärger mit ihren Nachbarn bekommen würde. Um gegen derartige Vorbehalte zu kämpfen und den Geflüchteten Mut zu machen, betont Aleweld, „auch deshalb organisieren wir solche Abende wie heute“.

Viele der Geflüchteten seien noch nicht so weit wie die beiden auf dem Podium. Sie müssten Deutsch lernen und Ausbildungsplätze finden. Ab August 2018 beteilige sich die Stadt finanziell an dem Bildungsprojekt „Deine Chance“, informiert Blasch, damit es bis Ende 2019 weitergeführt werden könne. Bis dahin würden die aktuellen Kursteilnehmer begleitet und sollten den Eintritt in die Arbeitswelt geschafft haben. Bisher wird „Deine Chance“ ausschließlich privat finanziert, die Organisation liegt in den Händen der Evangelischen Familienbildung, die Schulungsräume angemietet und Lehrer angestellt hat. Barikzai und Tsegai Ghirmai machen an dem Abend deutlich, wie dankbar sie für die Hilfe sind. Und was schätzen sie an ihrer neuen Heimat? „Dass ich hier meine Meinung sagen kann“, betont Ghirmai. Barikzai fühlt sich hier wohl, „weil sie mich als Flüchtling akzeptiert haben“.

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