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Hexenverfolgung: Diskussion über Hexenjagd

Von Bündnis 90/Die Grünen möchten die unter dem Vorwurf der Hexerei verfolgten Hattersheimerinnen rehabilitieren.
Hattersheim. 
Das Ölgemälde »Auf zum Sabbat« des Malers David Teniers des Jüngeren, zeigt eine Hexe bei ihrer »Arbeit«. Bild-Zoom
Das Ölgemälde »Auf zum Sabbat« des Malers David Teniers des Jüngeren, zeigt eine Hexe bei ihrer »Arbeit«.

Thöngessen Crein, Köchin aus Hattersheim, wurde 1597 nach ihrem Prozess in Hofheim hingerichtet – dass sie unter der Folter eine andere Frau als Hexe denunziert hatte, nutzte ihr offensichtlich nichts. Im gleichen Jahr wurde Hans Rohdens Frau Crein, ebenfalls aus Hattersheim, verhört – mit unbekanntem Ausgang, aber mit Sicherheit auch gefoltert. Johann Höngels Frau Elß, die in Akten auch als die Möllerin aus Hattersheim auftaucht, wurde zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, und sie verbrachte diese Zeit im – heute noch stehenden – als Jost-Haus bekannten Gebäude in Hattersheim. 1602 schließlich wurde die Elß, Ehefrau eines Hans Hahn, ebenfalls in Hofheim zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Diese vier Fälle der Verfolgung unter dem Vorwurf der Hexerei sind aktenkundig. Ob es mehr gab, weiß man nicht – aber das ist für die Absicht auch gar nicht entscheidend, die die Grünen haben. Es gehe darum, den Opfern ihre Würde zurückzugeben, heißt es in dem Antrag, ein symbolischer Akt soll das sein. Darüber hinaus soll sich die Stadtverordnetenversammlung generell gegen Gewalt an Frauen aussprechen. An der Altmünstermühle soll eine an die Opfer der Hexenverfolgung mahnende Gedenktafel angebracht werden.

In der Antragsbegründung heißt es, anlässlich des Internationalen Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ dürfe auch zu den aktuellen Geschehnissen in den Krisengebieten der Welt nicht geschwiegen werden. „Religiöser Fanatismus und eine rigide Sexualmoral“ werden als Ursache der Aggression gegen Frauen benannt und sollen die Themen Hexen und Flüchtlinge miteinander verbinden.

Im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung widersprach selbstverständlich auch die Opposition nicht dem Anliegen der Grünen. CDU-Parteichef Klaus Schindling würde die Aufmerksamkeit der Hattersheimer Politik aber lieber auf die aktuellen Probleme der Stadt konzentrieren. FDP-Mann Dietrich Muth argwöhnt, man verschaffe sich mit einem solchen Beschluss zwar ein gutes Gefühl, ohne etwa zu bewegen. „Fällt den Grünen nichts mehr ein?“, fragte der Freidemokrat.

 

Antrag wurde vertagt

 

Die Verteidigung der Menschenwürde sei überhaupt das Wichtigste aller Themen, hielt dem der Grünen-Fraktionsvorsitzende Winfried Pohl entgegen. Schließlich ließ er sich dazu bewegen, einer Vertagung des Antrags zuzustimmen. Diskutiert werden soll vor allem, an wen sich diese Resolution überhaupt richten soll und ob aus der Begründung – nur dort taucht das Thema Flüchtlinge auf – nicht ein Teil des Antrag werden kann. Dass die Gedenktafel statt an der Altmünstermühle auch am sogenannten Jost-Haus angebracht werden könnte, wie es die Freien Wähler vorschlagen, das wäre aus Sicht der Grünen eine Veränderung des Antrages, auf die man sich wohl einlassen könnte. Dass es noch ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen wird, wie es bei Resolutionen üblich ist, das zeichnete sich aber gar nicht ab.

Kommentar Schnellschuss

Nein, das ist kein durchdachter Antrag, den die Grünen da vorgelegt haben. Es ist zwar völlig okay, die als Hexen verurteilten Frauen nach 400 Jahren zu rehabilitieren.

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