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Doppelter Schreck über die Gruft der „Baronin“

Das Grabmal auf dem Eppsteiner Friedhof hat an sich schon etwas Mysteriöses. Doch auch der Zustand lässt die Teilnehmer eines Rundgangs den Kopf schütteln.
Schauspielerin Katharina Schaaf als Baronin vor der Gruft. Schauspielerin Katharina Schaaf als Baronin vor der Gruft.
Eppstein. 

Seit Jahrzehnten geht von der kleinen Gruft der Freifrau Valeska von Lützow, die in Eppstein nur kurz die „Baronin“ genannt wurde, auf dem Friedhof eine mit Gänsehaut gepaarte Faszination aus. Aber vor allem die heutigen „Best-Agers“, die sich früher vielleicht auch schon mal gerne heimlich als Kinder zur Gruft hin gestohlen und hier Gruselgeschichten zusammen phantasiert haben, wissen noch von diesem denkwürdigen Ort.

Der Kulturkreis Eppstein hat die Gruft jetzt aus ihrem Dornröschen-Schlaf geholt und sie bei einer historischen Führung, bei der die Frankfurter Schauspielerin Katharina Schaaf in die Rolle der „Baronin“ geschlüpft ist, wieder in das Bewusstsein der Eppsteiner gebracht. Und das ist auch bitter nötig, denn das Mausoleum ist in einem bemitleidenswerten Zustand.

Ihr letzter Wille

„Ich habe das Gefühl, dass seit 1923 niemand mehr hier drin war und Blumen abgelegt hat, obwohl ich doch mein Haus der Kirche vermacht habe“, bedauerte dann auch die „Baronin“ alias Katharina Schaaf den Anblick, der sich ihr bot beim Höhepunkt der historischen Führung. Damit nahm die Schauspielerin Bezug auf die testamentarische Verfügung der Freifrau, nach der das Mausoleum „auf ewig“ zu erhalten ist. Das war die Auflage, mit der die aus einer schlesischen Adelsfamilie stammende „Baronin“ der Evangelischen Kirchengemeinde nach ihrem Tode am 19. September 1923 ihre Villa an der Rossertstraße 26 für „wohltätige“ Zwecke vererbt hatte. Dort ist bis heute auch tatsächlich der Kindergarten der Kirchengemeinde untergebracht. Seit über zehn Jahren schwelt nun aber schon der Streit zwischen der Stadt und der Evangelischen Talkirchengemeinde, wer die immensen Kosten für die Sanierung der Gruft übernehmen soll, die schon 2008 auf mindestens 15 000 Euro geschätzt worden sind. Eine Zahl, die noch heute in etwa aktuell sein dürfte.

Neben Schaaf hatten jetzt auch die rund 50 Teilnehmer, die den Historischen Spaziergang von dem Haus der Villa an der Rossertstraße über die steile Treppe hinunter zur B 455 und dann über die „Müllerwies“ zum Friedhof gefolgt sind, schon etwas Mühe, überhaupt die windschiefen und lockeren Treppenstufen vor der Ruhestätte heil hochzukommen. Die Tür zur ebenfalls maroden Gruft, die Kulturkreis-Vorsitzender Horst Winterer dank des ausgeliehenen Schlüssels von der Evangelischen Kirchengemeinde öffnen konnte, war übersät mit dicken Spinnweben – und auch im Inneren glich das Szenario eher einem Ausschnitt aus einem Gruselfilm. Die alten Kränze auf dem Boden ließen nur noch entfernt erahnen, dass es sich dabei mal um Blumengaben zur standesgemäßen Beerdigung der Beerdigung der „Baronin“ im Mausoleum gehandelt haben muss. Die Freifrau wollte ihre Gebeine eigentlich zur endgültige Ruhe in der Talkirche gebettet wissen. Katharina Schaaf erinnerte dabei auch an die Gerüchte, dass sich im Nachlass der „Baronin“ ein echter Rubens befunden haben soll, von dem aber heute jede Spur fehlt.

Einen Oberst geheiratet

Die Schauspielerin erzählte in dem gut zweistündigen Rundgang aber auch vom Alltag in einer Adelsfamilie, in der die Kinder die Eltern siezen mussten und im Übrigen von Kinderfrauen erzogen wurden. Die „Baronin“, die 1838 oder 1844 geboren wurde, so genau ist das nicht bekannt, hat für damalige Verhältnisse ziemlich spät das erste Mal geheiratet – mit 35 oder 41 Jahren. Mit ihrem zweiten Ehemann, Oberst Hans von Lützow, hat es sie dann wie viele andere Wohlhabende und Bildungsbürger in das schöne Städtchen mit der romantischen Burgruine und Bahnanschluss gezogen. Dabei war die „Baronin“ schon zu Lebzeiten der Eppsteiner Talkirchengemeinde eng verbunden.

(lux)
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