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Artisten-Familie: Drei Holzstühle auf dem Kinn

Von Eine Artisten-Familie gastiert von heute an bis Sonntag auf der Hofheimer Drachenwiese – die Oma ist auch dabei.
Jason zeigt dem Kreisblatt-Fotografen vorm Zirkuszelt schon einmal, was er kann. Foto: Hans Nietner Jason zeigt dem Kreisblatt-Fotografen vorm Zirkuszelt schon einmal, was er kann.
Hofheim. 

Drei Holzstühle hängt der 16-Jährige mit dem blau-weißen Glitzerjacket ineinander und hebt sie dann geschickt auf sein Kinn. Nur ein Kunststück von vielen, das der junge Artist auf Lager hat. Nebenher jongliert er mit Keulen und dem Diabolo, wirft Lasso und zeigt, wie er auf dem wackeligen Rola Rola balancieren kann.

Schon mit zwei Jahren habe er auf dem kleinen Pony gesessen und den Vater bei einer Clownnummer unterstützt. Inzwischen ist Jason Juniorchef des kleine Zirkus’, der seit sechs Generationen in den Händen der Familie Köllner ist. Drei Brüder sind in der Manege aktiv, nur der Jüngste sitzt noch im Zirkuswagen bei der Oma im Ställchen. „Aber auch er läuft morgens schon als erstes zu den Tieren“, erzählt Jason. Sechs Pferde, Ziegen, Tauben und zwei Lamas führe der Zirkus Köllner mit sich, der mit seinen bunt bemalten Wagen gerade auf der Drachenwiese in der Frankfurter Straße – gegenüber dem Landratsamt – gastiert und dessen Betreiber in vier Vorstellungen von Donnerstag bis Sonntag auf viele Besucher hofft.

Dann wird Vater Jürgen mit einer rassigen Pferdenummer in den Wilden Westen entführen und als Fakir und Messerwerfer das Adrenalin in die Höhe treiben. Bruder Ramon (13) führe Lama und Pony vor, Bruder Bernardo (10) sei Clown und Zauberer. Metier von Mutter Jessica sei die Taubendressur und Artistik in der Zirkuskuppel. Auch sie sei im Zirkus großgeworden.

Das Unternehmen ist Familiensache: Alle sind eingespannt in den Alltag, sogar die Oma sitze noch an der Kasse. Auch beim sechsstündigen Aufbau des großen Zeltes mit der Sternenhimmeldecke und dem Schutzzelt für die Tiere ist gemeinsames Anpacken angesagt. Woche für Woche zieht die Familie an einen anderen Ort, zurzeit mache man die Hessentour. „Wir sind aber auch schon mit den Trucks hoch oben an die Ostsee gewesen.“

Das aufregende Leben auf Wanderschaft: Dem 16-Jährigen gefällt es richtig gut. „Man lernt viele Leute kennen.“ Allerdings sei es nicht leicht, Freundschaften am Laufen zu halten. Zum Glück gebe es WhatsApp und Facebook. Übers Internet suche er auch neue Ideen für seine Darbietungen. „Ich habe mir vieles über You-Tube beigebracht“, verrät der junge Jongleur. Vier Stunden trainiere er täglich. Bis vor kurzem habe er morgens noch für die Schule lernen müssen. In der Grundschulzeit hatte er – wie üblich – immer die nächstgelegene Schule besucht, ab der fünften Klasse war alle vier Wochen der große Umschlag mit Aufgaben von der Zirkusschule Hilden gekommen, einer Einrichtung der rheinischen Landeskirche. Eine Stunde lang sei er außerdem täglich übers Internet im virtuellen Klassenzimmer unterrichtet worden. „Jetzt habe ich aber gerade meinen Hauptschulabschluss gemacht“, freut er sich. Mehr sei vorerst nicht geplant. Mit den Brüdern nämlich wolle er irgendwann den Zirkus weiterführen.

Aufgeregt sei er nicht in der Manege, versichert er. „Nur wenn ich eine Nummer zum ersten Mal aufführe.“ Das Schönste sei der Beifall, wenn es den Leuten gefalle. „Wir hoffen sehr, dass genug Leute den Weg zur Drachenwiese suchen“, sagen die Großeltern, die sich vor dem blau-rosa Wagen niedergelassen haben. „Zirkus hat es leider immer schwerer.“ Häufig werde einem die Genehmigung durch Städte oder Gemeinden versagt oder es gebe Beschwerden, weil man Tiere halte. Diese Sorge der Tierschützer kann die Oma nicht verstehen. „Wir leben mit den Tieren“, sagt die Seniorin, die selbst als Zirkuskind großgeworden ist, im leicht schlesischen Dialekt. „Wir sagen immer: erst die Tiere, dann die Kinder!“ Jede Woche schaue der Amtstierarzt nach dem Rechten. Auch heute stehen die gepflegt wirkenden Tiere unter dem Zeltdach in geräumigen Ställen. Schade sei auch, dass so wenige Schulkinder im Publikum seien. „Es sind eher Kindergartenkinder.“ Schön wäre, wenn mal ein Lehrer mit einer Klasse eine Vorstellung besuchte, gerne auch mal Zwölfjährige.

 

Vier Tage lang bietet sich die Gelegenheit zum Zirkusbesuch, Am heutigen Donnerstag, am Freitag und am Samstag heißt es um 17 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr „Manege frei!“. Freitag ist Familientag (Erwachsene zahlen Kinderpreis); heute gibt es für Kinder eine kleine Überraschung.

 

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