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Reste des ehemaligen Friedhofs kommen überraschend ans Tageslicht: Eddersheim: Knochenfunde unter der Kita

Von Bei den Abbrucharbeiten am ehemaligen Kindergarten sind Reste des ehemaligen Friedhofes aufgetaucht. Was hat das für Folgen?
Auch Schädel mit Zahnresten fanden sich im Untergrund. Auch Schädel mit Zahnresten fanden sich im Untergrund.
Eddersheim. 

Keiner brauche sich Sorgen zu machen, mit den an der Eddersheimer Bahnhofstraße gefundenen menschlichen Knochen werde nicht angemessen umgegangen, versichert Beate Leinthaler, Pressesprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege. „Sie werden pietätvoll aufbewahrt“, sagt sie. Nicht etwa alle irgendwo in einer Kiste, sondern getrennt. Untersucht werden die Gebeine vorerst nicht. Aber für spätere wissenschaftliche Forschungen steht das Material zur Verfügung.

Das ist nicht die übliche Vorgehensweise. Weithin üblich ist, die Gebeine unter dem neuen Grab beizusetzen. Das wäre in dem Fall ohnehin nicht möglich, weil das einstige Friedhofsgelände mit Reihenhäusern bebaut werden soll. Es seien auch keine Angehörigen der Toten mehr zu identifizieren, sagt Leinthaler. Denn der von 1817 bis 1909 betriebene Friedhof wurde längst abgeräumt, irgendwelche Grabstätten wurden nicht erhalten.

Gruft für Geistliche

Offensichtlich beließ man es bei diesen Arbeiten aber bei der Oberfläche. Im Untergrund gibt es nach Angabe der Bürgerinitiative für Umweltschutz (BFU) aber nicht nur Gebeine, sondern auch mindestens zwei Grufte früherer Edderheimer Geistlicher. Auch diese seien bei Baggerarbeiten gefunden worden.

Überhaupt, zu sehen war auf dem Gelände bis gestern nichts mehr. Mehrere Gruben, jeweils mehrere Meter tief, waren bereits am Donnerstag wieder zugefüllt worden. Das beauftragte Abbruchunternehmen beschäftigte sich dann mehr mit dem, was oberhalb des Erdbodens dem Neubauvorhaben im Wege war. Die Abrissarbeiten am alten Kindergartengebäude wurden fortgesetzt. Außerdem rückten die Arbeiter der Bepflanzung zu Leibe. Große Bäume wurden nicht etwa gefällt, sondern einfach mit dem Bagger herausgerissen.

Ähnlich brachial muss zunächst auch in der Tiefe gearbeitet worden sein. Einzelne Knochen lagen schließlich gut sichtbar auf dem Berg von Erdaushub, der am Rande des Geländes angehäuft wurde. An dem Tag tauchte auch die Bauaufsicht des Main-Taunus-Kreises auf. „Die Auflagen der Abbruchgenehmigung wurden eingehalten, die Bauaufsicht brauchte nicht einzuschreiten, das Gesundheitsamt sieht keine Gesundheitsgefahr“, so Kreishaus-Pressesprecher Johannes Latsch. Die BFU hatte die Befürchtung geäußert, es könnten sich gefährliche Krankheitserreger im Untergrund gehalten haben.

Nur Dokumentation

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte noch einen Baustopp empfohlen. Demnach sollen die weiteren Tiefbauarbeiten von einer dafür qualifizierten Firma begleitet und alle Funde dokumentiert werden. Diese Fachfirma sei bereits beauftragt worden, erklärt Latsch, warum der Kreis auf den Baustopp verzichtet hat. Die Baggerarbeiten am Mittwoch seien Probegrabungen gewesen. „Kein Beinbruch, dass bereits dabei etwas gefunden wurde“, erklärt der beim Landesamt für Denkmalpflege mit der Angelegenheit befasste Kai Mückenberger.

Der macht auch klar, dass es nie um einen Erhalt des Friedhofes gegangen sei, lediglich um die Dokumentation der Bodenfunde. Dazu gebe es keine Veranlassung, und daran ändere sich auch nichts, wenn jetzt tatsächlich die eine oder andere Gruft ans Tageslicht komme. Die BFU hatte sich von Anfang an gegen die geplante Reihenhausbebauung und für einen Erhalt des Friedhofs ausgesprochen. Die Eddersheimer werden den weiteren Gang der Erdarbeiten sicher genau beobachten . . .

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