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Illegale Tanzparty im Hangar: Eigentümer des Geländes stellt Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs

Von Die Organisatoren des Raves im Hangar müssen mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Ihnen geht es um mehr als wilde Tanzpartys.
Jede Menge Abfall hinterließen die Teilnehmer der Rave-Party im leerstehenden Hangar. Jede Menge Abfall hinterließen die Teilnehmer der Rave-Party im leerstehenden Hangar.
Schwalbach. 

Nein, ihre Namen wollen die Organisatoren der Tanzparty – „Rave“ heißt das im Szenejargon – nicht nennen. Und sie wollen auch nicht verraten, wie sie die ganze Ausrüstung in den ehemaligen Flugzeughangar im Arboretum schaffen konnten. Möglicherweise werde gegen sie ermittelt, vermuten sie im Gespräch mit dieser Zeitung, und das zu Recht. Der Eigentümer – das ist die Bundesanstalt für Immobilienanzeigen – werde Strafanzeige stellen wegen Hausfriedensbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung, berichtet Johannes Neumann, Pressesprecher der Polizeidirektion Main-Taunus.

Warum das? Die Veranstalter, die nach eigenem Bekunden einer „Raveinitiative Frankfurt“ angehören, haben mehrere Hundert Gäste in den Hangar eingeladen. Es gab weder eine Anmeldung noch eine Genehmigung, teilt die Stadt Schwalbach mit. Ausschlaggebend für den Vorwurf des Hausfriedensbruches ist aber, dass das Gelände ohne Einverständnis des Eigentümers betreten wurde. Zuvor wurden die Schlösser aufgebrochen – daher Sachbeschädigung – und weggebracht – daher Diebstahl. Die Polizei hat die notwendigen Personalien auch festgestellt.

Was die Polizei nicht getan hat ist, die Veranstaltung für beendet zu erklären. „Ein wundervolles und beispielhaftes Verhalten seitens der Polizei und Feuerwehr“, lassen sich die Organisatoren anmerken, dass sie selbst von dieser Vorgehensweise überrascht waren. Vorgängerveranstaltungen in den Jahren zuvor nämlich waren von der Polizei aufgelöst worden.

Die Partygäste waren zum großen Teil aus Frankfurt angereist, wie dieser Fahrschein  zeigt, der in der ehemaligen Flughalle gefunden wurde.

Polizeisprecher Neumann widerspricht den Spekulationen, die dazu angestellt worden waren. Weder habe sich die Polizei so entschieden, weil sie zu wenige Einsatzkräfte hatte, noch sei der Landespolizeipräsident einbezogen gewesen. Das Risiko, dass Personen sich auf dem unbeleuchteten Gelände verletzen könnten, wenn mehrere hundert Menschen bei einem Abbruch gleichzeitig die Halle verlassen müssten, sei zu groß gewesen, so Neumann.

Dies habe man abwägen müssen mit möglichen Schäden bei einer fortdauernden Veranstaltung. Unter Einbeziehung der Feuerwehr habe man nach Fluchtwegen und Notausgängen geschaut und festgestellt, dass beides ausreichend vorhanden war. „Die Veranstaltung war höchst professionell organisiert und ist bis zum Ende friedlich verlaufen“, fast Neumann zusammen. Demgegenüber fielen auch mehrere nächtliche Anrufe bei der Polizei nicht ins Gewicht, in denen von lauter Musik auf dem Gelände die Rede war.

Keine störenden Kameras

So ganz wurden die Veranstalter ihrer Forderung nicht gerecht, dass solche Raves nicht aufgelöst werden wollen, wenn Kommune, Umwelt und Anwohner nicht gestört würden. Allerdings stehen die nächsten Wohnhäuser in mehreren hundert Metern Entfernung, übermäßig laut dürfte die Musik dort nicht mehr gewesen sein.

Warum man sich den Hangar für das Fest ausgesucht hatte? Der Reiz bestehe nicht in der Illegalität des Veranstaltungsortes, betonen die Organisatoren. Sie wollen sich absetzen von kommerziellen Veranstaltungen – alleine dadurch, dass Eintritt gezahlt werden müsse, würden mögliche Gäste ausgegrenzt. Und: „Hier sind keine Kameras, hier kannst Du an den Wänden malen, hier kannst Du schreiben, toben, lieben, lachen und du wirst nicht dafür diskriminiert, wer du bist.“ Würde man eine solche Halle selbstverwaltet der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, „für verschiedene Workshops, soziale Projekte und auch Veranstaltungen, wäre der Reiz noch viel größer.“ Entsprechende Möglichkeiten seien schon eingefordert worden, seitens der Stadt Frankfurt habe es aber keine echte Reaktion gegeben.

Natürlich verbietet die Illegalität der Aktion, sie vorher groß bekannt zu machen. Eine Art von Eintrittskarten wurden an Freunde und Bekannte der Organisatoren verteilt, außerdem an Besucher vorhergehender Veranstaltungen. Die wissen natürlich grob, mit wem sie es zu tun haben. Für die weitere Kommunikation wird anonym die Internetplattform Facebook genutzt; auf diesem Wege wurde auch die Verschiebung des Veranstaltungsbeginns bekannt gegeben. Die Besucher waren begeistert. „Ihr wart der Hammer, die Location war der Hammer“, schrieb ein Facebook-Nutzer. „Selbst die Staatsmacht hat mitgespielt“, freut sich ein anderer. Auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr hofft ein Dritter – im Hangar ist das eher unwahrscheinlich. Wie unlängst berichtet, steht das Gelände vor dem Verkauf.

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