E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Hofheim am Taunus 14°C

Ein Freier war ihr Mörder

Es sind "Cold Cases", Tötungsdelikte, die die Polizei bisher noch nicht gelöst hat. Die Ermittlungsakten liegen je nach Fall im Landeskriminalamt in Wiesbaden, im Frankfurter Polizeipräsidium oder in der Hofheimer Polizeidirektion Main-Taunus. Hin und wieder gibt es aber auch nach Jahrzehnten eine neue Spur – Mord verjährt nicht.
Das Frankfurter Rotlichtviertel heute – 1991 und 1992 soll es der Ausgangspunkt für die beiden Morde gewesen sein. Foto: Rainer Rüffer Bilder > Das Frankfurter Rotlichtviertel heute – 1991 und 1992 soll es der Ausgangspunkt für die beiden Morde gewesen sein. Foto: Rainer Rüffer
Hofheim/Bremthal. 

Die Lebensgeschichten der beiden Mordopfer Manuela Rumpf und Gisela Singh ähneln sich. Die beiden Frauen verdienten sich in Frankfurt als Prostituierte ihren Lebensunterhalt, beide waren drogenabhängig. Der Mörder könnte in beiden Fällen der gleiche Täter gewesen sein. Ob dieser Mann aus dem Fernfahrer-Milieu stammt oder einer der anderen Freier ist, die in der Frankfurter Kaiserstraße oder am Bahnhof die beiden Straßenprostituierten ansprachen, ist bis heute unklar. Sicher ist nach den Erkenntnissen der Polizei nur, dass die beiden Frauen zu ihrem Mörder in dessen Fahrzeug stiegen.

Leiche im Hofheimer Wald

Ein schrecklicher Anblick bietet sich einem Ehepaar mit ihrem 23 Jahre alten Sohn, als sie am Sonntag, 30. Juni 1991, gegen 17 Uhr im Langenhainer Wald am Parkplatz Eselsweg beim Pilzesuchen die teilweise schon verweste Leiche einer Frau entdecken. Anscheinend hat der Mörder versucht, den Leichnam zu verbrennen – so lautet jedenfalls der erste Eindruck der Ermittler. Als der Versuch jedoch anscheinend scheitert, wird der Körper in der Nähe des Eselswegs, der zwischen Hofheim und Langenhain durch ein ziemlich unwegsames Waldstück führt, unter Laub, Erde und Zweigen versteckt. Sofort nach Alarmierung der Polizei durchkämmen Spurensucher der Kripo das Waldstück, in dem die Tote gefunden wurde. Dabei werden eine Handtasche, Tablettenröhrchen sowie eine Einwegspritze gefunden. Fieberhaft arbeitet auch das gerichtsmedizinische Institut, in dem die Leiche obduziert wird. Dabei stellt sich heraus, dass das Opfer erdrosselt oder erwürgt wurde. Außerdem werden Stichwunden am Bauch festgestellt, die von einem Kampf mit dem Mörder stammen können. Auffällig sind die vielen Narben. Die Ermittler sprechen damals von "rätselhaften Narben", die vor allem an den Beinen festgestellt werden. So ist das linke Wadenbein mit mehreren Fünf-Markstück großen, runden Narben bedeckt.

Skelettierter Schädel

Genauere Angaben zum Todeszeitpunkt können die Gerichtsmediziner aber nur schwer machen, weil die Leiche seit mindestens zwei Wochen im Wald gelegen hat und ziemlich verwest ist. Der Schädel ist schon skelettiert. Ein Polizeisprecher erklärt einen Tag nach der Obduktion, dass die Untersuchungen den "Ersteindruck" nicht bestätigt hätten, dass versucht worden sei, den Leichnam zu verbrennen. Es stellt sich zudem heraus, dass der Fundort der Leiche der Frau nicht mit dem Tatort identisch sein muss. Der Mord könnte auch in einem Fahrzeug geschehen sein. Einige Tage nach dem Fund der Leiche ist deren Identität noch nicht klar. Doch nach der Veröffentlichung von Fotos der Ermordeten gelingt die Identifizierung innerhalb kurzer Zeit: Bei der Toten handelt es sich um die 36 Jahre alte Gisela Singh. Die Mutter einer Tochter war drogenabhängig und verdiente auf dem Autostrich im Frankfurter Westend sowie ab und an im Bahnhofsviertel Geld. Die Untersuchung der Gerichtsmediziner ergibt außerdem, dass Gisela Singh an Aids erkrankt war. Einige Wochen nach dem Fund der Leiche konzentrieren sich die Ermittler auf einen "Stammfreier". Dieser soll zwischen 40 und 50 Jahre alt, circa 1,80 Meter groß und stets sehr gut gekleidet sein. Der Vorname des Mannes lautet Hans und dieser Hans hat nach Angaben von Zeugen beste Umgangsformen. Er fuhr möglicherweise einen blauen Opel Rekord mit Darmstädter Kennzeichen. So stellt es damals auch die ZDF-Fernsehsendung in einem Filmbeitrag von "Aktenzeichen XY . . . " mit Moderator und "TV-Fahnder" Eduard Zimmermann dar. Trotz der über 40 Hinweise, die von der Kripo akribisch "abgearbeitet" werden, gibt es keine heiße Spur, die zum Mörder von Gisela Singh führt. Lediglich eines ist sicher: Die Frau war zuletzt am Freitag, 14. Juni 1991, gegen 15 Uhr in dem Frankfurter Betreuungscafé für Drogenabhängige (Café Fix) an der Moselstraße von einem Arzt lebend gesehen worden. Die Staatsanwaltschaft setzt für Hinweise, die zur Aufklärung des Mordfalls führen, eine Belohnung in Höhe von 5000 Mark aus. Vergeblich.

Kein Kampf mit dem Täter

Ein zweites Tötungsdelikt , das rund 14 Monate später entdeckt wird, ähnelt dem Mordfall Gisela Singh. Erneut ist eine drogenabhängige Frau das Opfer. Auch der "Rotlicht-Bezirk", in dem die Drogenkranke zur Finanzierung ihrer Sucht auf den Straßenstrich geht, liegt – wie bei Gisela Singh – im Frankfurter Bahnhofsviertel. Genauer gesagt in der Kaiserstraße sowie am Frankfurter Hauptbahnhof. Der Fund des Opfers ist für die Entdecker schockierend. Nach anstrengender Autofahrt will ein niederländisches Ehepaar in der Nähe des Parkplatzes "Am Sandstein" (Bundesstraße 455 bei Eppstein-Bremthal/Abfahrt Niedernhausen) frische Luft schnappen. Es ist Samstag, 15. August 1992, gegen 12 Uhr. "Wir wollten uns nur ein bisschen die Füße vertreten", sagt der Holländer später der Polizei. Doch statt einer Entspannung gab es eine grauenhafte Entdeckung. Schon nach wenigen Schritten stieß das holländische Ehepaar auf eine Leiche. Diese lag an einer Stelle, die häufig als wilde Müllkippe benutzt wird. Um die Tote sind Kleidungsstücke verstreut: Schwarze Leggings, schwarze Strumpfhosen, ein pinkfarbenes T-Shirt, ein langärmliger Pullover. Die Polizisten finden außerdem noch eine Handvoll Präservative. Die Tote hat Einstichstellen an beiden Armen. Die Kripo vermutet, dass die Frau am Fundort umgebracht wurde, auch wenn dort nichts auf einen Kampf hinweist. Ein Polizeisprecher sagt damals: "Die Frau hat außer den Würgemalen und den Einstichen keinerlei Wunden." Die Obduktion ergibt, dass die Ermordete mit ihren eigenen schwarzen Leggings erdrosselt wurde. Außerdem stellt sich heraus, dass die zunächst noch nicht identifizierte Frau seit längerer Zeit drogenabhängig war. Und, ganz wichtig für die Kripo: Die Tat muss sich von Freitag, 14. August 1992, auf Samstag, 15. August 1992, ereignet haben. Die Ermittler befragen Frankfurter Prostituierte, die die ehemalige Kollegin auf Fotos wiedererkennen. Doch niemand kennt ihren Namen. Dabei hat die unbekannte Tote eine auffällige Tätowierung auf dem rechten Oberarm: eine springende Katze.

Schließlich kommt der entscheidende Hinweis auf die Identität der Ermordeten von ihrem 26 Jahre alten Freund. Der liest mit einigen Tagen Verspätung von der Tat in der Zeitung. Er erzählt der Polizei, dass seine Freundin in Mainz wohnt und als Prostituierte im Bereich der Frankfurter Kaiserstraße tätig war. Manuela Rumpf heißt die junge Frau, die im Alter von 26 Jahren einen gewaltsamen Tod stirbt. Die Ermittler arbeiten fieberhaft an dem neuen Fall. Zwei Prostituierte, die innerhalb weniger Monate ermordet und jeweils an Fundstellen an den Taunushängen "abgelegt" wurden, lassen die Kriminalbeamten einige interessante Schlüsse ziehen. So gehen die Polizisten nach dem zweiten Fall davon aus, dass es sich um ein und denselben Mörder handelt. Dieser Mann trat als Freier den beiden Frauen gegenüber auf. Eine weitere Annahme der Kripo-Beamten: Bei dem Mörder soll es sich um einen Lkw-Fahrer handeln. Doch trotz intensiver Fahndungsarbeit kommen die Ermittler nicht weiter. Die Staatsanwaltschaft setzt – wie beim Mordfall Gisela Singh – eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Diese Belohnungen würden, im Falle eines "Tipps" der den Mörder überführen würde, auch heute noch ausgezahlt. Mord verjährt nicht.

Hinweise zu den beiden Fällen nimmt die Kripo in Hofheim unter Telefon (0 61 92) 20 79-0 entgegen.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen