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Hofheimer Architekt Gutfleisch: Ein Mann, der zupackt

Von Am 2. März, wird der Hofheimer Architekt 80 Jahre alt. Zur Ruhe gesetzt hat sich Leonhard Gutfleisch bisher nicht. Auch im 55. Berufsjahr steckt er noch voller Tatendrang.
Ruhestand ist anders: Leonhard Gutfleisch auf seiner aktuellen Baustelle in der Hauptstraße 35. Foto: Maik Reuß Ruhestand ist anders: Leonhard Gutfleisch auf seiner aktuellen Baustelle in der Hauptstraße 35.
Hofheim. 

Abseits von Bürgervereinigung und Politik gibt es einen, der viel damit zu tun hat, wie sich die Hofheimer Altstadt heute präsentiert. Mitbegründer des Jazz-Clubs Hofheim war er auch. Und den Gewerbeverein Industrie Handel Handwerk (IHH) hat er zum wichtigen Mitspieler geformt, als es darum ging, der jüngsten Kreisstadt Hessens das diesem Rang entsprechende Format zu verleihen. Der Hessentag 1988 hat da keine unwesentliche Rolle gespielt. Die Idee, sich für diese Landes-Veranstaltung zu bewerben, ist am Küchentisch von Leonhard Gutfleisch erstmals ausgesprochen worden. Am Ende der Altstadt-Sanierung habe er zu seiner Frau beim Frühstück gesagt: „Eine schöne Altstadt haben wir jetzt, fehlt uns nur noch ein Hessentag in Hofheim “, erzählt der frühere IHH-Vorsitzende.

Eine Briefmarke

Seine Frau habe die Idee gleich gut gefunden, der IHH genauso. Per Brief habe er dann den Magistrat gebeten, sich für den Hessentag zu bewerben. Die Reaktion war positiv. „Wenige Monate später kam’s dann durchs Radio, dass Hofheim Hessentags-Stadt wird“, weiß Gutfleisch noch. Er erzählt es nicht, um sich wichtig zu machen, sondern als Beispiel für seine Strategie, einem Gewerbeverein, der keine großen Mittel zur Verfügung hat, große Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Eine Briefmarke“ habe der Anstoß für die Hessentags-Bewerbung gekostet, sagt er schmunzelnd.

Den Wäldchestag hat der IHH unter Gutfleischs Führung in die Stadt geholt – von den ersten Jahren schwärmt mancher noch heute. Vor der malerischen Kulisse in der oberen Hauptstraße, wo Gutfleischs Privathaus zu den Musterbeispielen der Sanierung gehört, gab sich die örtliche Prominenz bei Bier und Erdbeerbowle ein Stelldichein. Die Pflanzung eines Baums gehörte immer zum Programm. Auch so hat der Architekt das Stadtbild mitgeprägt. Seine Sanierungsobjekte tun es sowieso. Das Haindl-Haus gehört genauso dazu wie das Alte Rathaus. Gerade ist der Rastlose, der am 2. März 80 Jahre alt wird, dabei, seinen Beitrag zu Hofheims heutiger Schönheit zu krönen. Mit dem Haus Hauptstraße 35, dem einstigen Gasthaus „Zum Löwen“, hat er sich noch einmal – auch aus alter Freundschaft zur Eigentümer-Familie – ein Riesen-Projekt „angetan“. Aber er hat – im mittlerweile 55. Berufsjahr stehend – auch eine Riesen-Freude daran.

Immer neue Dialekte

Zuzupacken, sich nicht auf die faule Haut zu legen, hat Leonhard Gutfleisch schon früh gelernt. Nichts, sagt der Vater von drei Kindern und Großvater von sieben Enkeln, habe ihn mehr geprägt als die ersten zwei Jahrzehnte seines Lebens. Weil der Vater berufsbedingt alle Jahre versetzt wurde, zog die sechsköpfige Familie immer wieder um. „Jedes Jahr in neue Orte mit neuem Dialekt. Das war schön. Ich liebe Dialekte“, sagt der gebürtige Wiesbadener, der seine große Fähigkeit zur Kommunikation auf genau diese Schule zurückführt.

Als die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Vermittlung von Freunden nach Hofheim kam, war die (später von ihm sanierte) Pestalozzischule für den kleinen Leonhard schon die achte Schule. Auf die Frankfurter Musterschule ging er danach noch. Und hatte dann Lust, ein Handwerk zu lernen. Nach der Schreinerlehre in der Rhön baute er für den Vater ein Haus in der Hofheimer Rheingaustraße. So kam ihm die Idee, auch beruflich in diese Richtung zu gehen. In Offenbach begann er ein Innenarchitektur-Studium, ging dann bei Fritz Novotny in die Architekturklasse. Im Frankfurter Büro Meid/Romeick, damals eine der ersten Adressen bundesweit, begann seine Architekten-Karriere. Planung und Bauleitung zugleich habe er dort gemacht, die Nestlé-Niederlassung in Niederrad gehörte zu seinen Projekten.

1969 machte sich Gutfleisch selbstständig. Gereizt habe ihn immer, die Örtlichkeit, den Bedarf des Bauherrn und dessen finanzielle Möglichkeiten miteinander in Einklang zu bringen. „Je schwieriger ein Grundstück war, desto mehr hat’s mich interessiert“, sagt der Architekt. Die Sanierung von Baudenkmälern wie dem Bad Sodener Badehaus sah er wirtschaftlich eher als schwierig, begrenzte sie daher bewusst. „Es frisst viel Zeit“, erklärt Gutfleisch. Villen (etwa in Kronberg) hat er genauso gebaut wie Sporthallen (so die Wilhelm-Busch-Halle in Langenhain).

Zwei Wüsten-Fans

In den Auszeiten dazwischen hat der begeisterte Taucher mit seiner Frau immer wieder den nahen Flughafen angesteuert (auch etwas, warum er Hofheim so schätzt). Wüsten-Fans seien sie, sagt Gutfleisch, und überhaupt immer abenteuerlustig. Mit Zelt und ländewagen reist er noch heute gern. Zum Geburtstag zieht es ihn aber nicht in die weite Welt sondern an einen Ort, mit dem er einige Erinnerungen verbindet. Im Hofheimer Stadtmuseum wird gefeiert, in dessen Keller er 1959 den Jazzclub mitbegründete und vor 54 Jahren mit seiner Frau Hochzeit feierte. Klar, am heutigen Erscheinungsbild des Museums hat Gutfleisch auch seinen Anteil – als Bauleiter. Mit 80 will er übrigens doch ein wenig kürzer treten, wenn die Hauptstraße 35 denn vollendet ist. Im kleinen Dorf auf Mallorca, das längst seine zweite Heimat ist, würden sie ihn gern als Berater für schonende Ortsentwicklung gewinnen. Das, sagt Gutfleisch, „würde ich sehr gern machen“.

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