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Wo er schläft, wo er isst - und wie es weitergehen soll: Ein Obdachloser aus Hattersheim erzählt

Von Zahlreiche Menschen ohne festen Wohnsitz nutzen das Angebot des Caritasverbandes in der Hattersheimer Obdachlosenunterkunft. Regelmäßiger Gast ist auch ein Mann, dem das Schicksal übel mitgespielt hat. Doch die Hoffnung gibt der 47-Jährige nicht auf.
Robert Wagner (Name geändert) genießt es, zwei Mal in der Woche mittags in der Gemeinschaft im Haus St. Martin zu essen. Foto: Hans Nietner Robert Wagner (Name geändert) genießt es, zwei Mal in der Woche mittags in der Gemeinschaft im Haus St. Martin zu essen.

Die Glocken von St. Martinus geben die Uhrzeit an: Es ist 12 Uhr mittags. Während sich der Geruch von gegrillten Würstchen in der Luft ausbreitet, sitzt Robert Wagner (Name geändert) an einem Bierzelttisch und wartet. Der 47-Jährige macht allerdings keine Mittagspause. Er befindet sich weder auf der Arbeit, noch Zuhause. Um genau zu sein, hat Wagner beides schon seit einigen Monaten nicht mehr – keinen Job, kein Zuhause. Mittwochs und freitags isst er deshalb im Haus St. Martin. Die Wohnungsloseneinrichtung der Caritas bietet zweimal wöchentlich warme Speisen. Robert Wagner kommt gerne her. In Hattersheim finde er nette Menschen und gute Gespräche, sagt der gebürtige Bayer aus Traunstein. Lieber wäre es ihm aber, wenn er den Kontakt zur Hilfsstelle gar nicht nötig hätte.

Vor etwas über einem Jahr sah die Welt für Robert Wagner noch ganz anders aus. Alles habe mit der Trennung von seiner Freundin begonnen, erzählt der Wohnungslose, während er auf sein Mittagessen wartet. Wagner lebt seit etwa elf Jahren im Umkreis von Frankfurt.

Nach dem Ende der Beziehung habe er sich die bisherige gemeinsame Wohnung nicht mehr leisten können. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete der 47-Jährige noch im Außendienst eines Vertriebs. Seine Provision hätte ausgereicht, um vorübergehend in Pensionen unterzukommen, berichtet er. Dann verschlechterte sich die Lage jedoch dramatisch – ausgerechnet an Weihnachten: Am 24. Dezember 2016 habe er sich das Fußgelenk gebrochen, erzählt Robert Wagner. Mit der Verletzung sei es ihm nicht mehr möglich gewesen, in den Außendienst zu gehen. Wagner verlor seinen Job und konnte sich keine Pension mehr leisten. „Es geht tatsächlich schnell“, resümiert er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Mittlerweile hat der Oberbayer ein improvisiertes Dach über dem Kopf. Für den Sommer habe er sich in einer Wanderhütte im Taunus einquartiert, erzählt Wagner. Dort sei er aus drei Richtungen gegen das Wetter abgesichert und müsse keine Angriffe fürchten. In Frankfurt will er sich als Wohnungsloser lieber nicht aufhalten. Dort treffe man in den Unterkünften auf zu viele Menschen mit Alkoholproblemen, erzählt der 47-Jährige, der seit etwa einem Jahr ins Haus St. Martin kommt.

Hier nutzt er das Frühstück und das Mittagessen. Nachmittags setzte er sich dann meist in den Kurpark in Bad Homburg. „Da fällt es bei warmem Wetter niemandem auf, wenn ich meine Decke ausbreite“, sagt der Wohnungslose. Solange kein Schnee liege, komme er klar. „Im Winter müsste ich mir etwas einfallen lassen“, räumt Robert Wagner ein.

Mit dem Tagegeld, das er sich in verschiedenen Wohnungsloseneinrichtungen abholen kann, kommt er zumindest auf 410 Euro im Monat. Seinen verbliebenen Besitz hat Wagner bei Freunden gelagert. Die Mehrheit habe nach seinem Wohnungsverlust weiterhin zu ihm gehalten, erzählt der 47-Jährige. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels: Wagner hofft auf eine neue Wohnung ab Anfang August. Dann habe er auch wieder einen Job in Aussicht.

Das Haus St. Martin bietet seinen Mittagstisch mittwochs und freitags. Unter den Gästen, die dann um 12 Uhr vorbei schauen, sind nicht nur Wohnungslose: Zum Essen komme auch eine alte Dame, die sich in ihrer Wohnung nicht mehr gut selbst versorgen könne, erläutert Einrichtungsleiter Klaus Störch. Mittwochs trifft sich sogar eine Kochgruppe, in der die Besucher ihre Speisen selbst zubereiten. Auch Robert Wagner nimmt daran teil. „Auf der Straße muss niemand verhungern“, betont Störch. Man müsse allerdings das Netzwerk der Hilfestellen kennen.

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