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Ein Stein gegen das Vergessen

Von In der Schmidtbornstraße in Nied ist gestern ein Stolperstein für den Nazi-Verfolgten Heinrich Heps gelegt worden. Durch einen glücklichen Umstand kamen die Schüler, die die Verlegung zusammen die der AG „Geschichte und Erinnerung“ ausführten, doch noch an ein Foto von Heps.
Der Stolperstein – und die erst gestern entdeckte einzige Fotografie, die den kommunistischen Schlosser Heinrich Heps und seine Frau Lina zeigt. Bilder > Foto: L.Hamerski Der Stolperstein – und die erst gestern entdeckte einzige Fotografie, die den kommunistischen Schlosser Heinrich Heps und seine Frau Lina zeigt.
Nied. 

Anni Ulshöfer steht stumm mit ihrem Einkaufskorb am Rand des Geschehens und beobachtet. In der einen Hand hält sie eine Rose, in der anderen ein zerdrücktes Papiertaschentuch. Sie hat, als sie im Höchster Kreisblatt von der geplanten Verlegung des Stolpersteines erfahren hat, sofort die alten Familien-Alben durchforstet – und das wahrscheinlich einzige noch existierende Foto von Heinrich Heps gefunden. Der Nazi-Gegner, der an diesem Morgen mit einem Stolperstein geehrt wird, war ihr Onkel.

Im Strafbataillon 999

„Ich habe mit meiner Tante von 1944 an zusammen in der Schmidtbornstraße gelebt, bis zu meinem 19. Lebensjahr“, berichtet Anni Ulshöfer. 1944, das war das Jahr, in dem ihr Onkel im fernen Nikolajew starb. Die Nazis hatten den Schlosser in das berüchtigte Strafbataillon 999 gesteckt, das nur mit Himmelfahrtskommandos betraut wurde. Heinrich Heps war, wie die anderen in den „Wehrmachtsbewährungseinheiten“, wie die Strafbataillone hießen, als „wehrunwürdig“ eingestuft worden. Doch nach Stalingrad konnten die Nazis nicht mehr so wählerisch sein: Heps, der für seine Aktivitäten in der KPD von 1935 bis 1940 im Zuchthaus gesessen hatte, musste Anfang 1943 an die Front. Zurück ließ er in Nied in der Schmidtbornstraße 1 seine Frau Lina, mit der er erst zwei Monate zuvor von Höchst nach Nied gezogen war. Rund 15 Monate danach starb Heinrich Heps für das Nazi-Regime, das er bekämpft und unter dem er gelitten hatte.

„Stein gegen das Vergessen“ steht auf dem Transparent, das Kinder der Integrierten Gesamtschule (IGS) West bei der Stolperstein-Verlegung hochhalten. In einer Projektwoche, die unter dem Motto „Vielfalt, Demokratie und Toleranz“ steht und in der Schüler der 5. bis 10. Klassen in 28 jahrgangsübergreifenden Gruppen an unterschiedlichen Aspekten arbeiten, hatten sich die Mädchen und Jungen mit Heinrich Heps beschäftigt.

Unterstützung bekamen sie dabei nicht nur von ihren Lehrerinnen, sondern auch von Mitgliedern der Höchster AG „Geschichte und Erinnerung“, der Initiative zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Initiative wird von Kirchengemeinden, Parteien, dem Bund für Volksbildung, dem Neuen Theater Höchst, dem Bildungsschuppen, der Senioren-Initiative Höchst und anderen Einrichtungen unterstützt. Gestern verlegten die Kinder und die Mitglieder der Initiative nun einen Stolperstein im Bürgersteig vor dem Haus, in dem Heinrich und Lina Heps gewohnt hatten. Dass der Stolperstein ein Stolperstein für den Kopf und die Augen, nicht aber für die Füße wurde, dafür sorgte seitens der Stadt Andreas Langer: Er setzte die kleine Gedenktafel aus Messing mit Hilfe einiger Kinder bündig ins Trottoir ein.

Niemanden verraten

„Wir hätten nicht gedacht, dass wir noch an ein Foto von Heinrich Heps kommen“, freute sich Waltraud Beck, Mitglied der AG „Geschichte und Erinnerung“, die die Schicksale von Nazi-Opfern im Frankfurter Westen recherchiert und dokumentiert. Die Schüler Brix und Lukas hatten zuvor vorgelesen, was über Heinrich Heps bekannt ist. Viel ist es nicht. Klar ist nur, dass der Schlosser ein geradliniger Mann gewesen sein muss: Nach seiner Verhaftung hat er keinen einzigen seiner im Untergrund agierenden Genossen verraten. Und die Nationalsozialisten waren bekanntlich bei Verhören nicht zimperlich.

Das alte Schwarzweiß-Foto, das Heinrich Heps mit seiner Frau Lina zeigt, „ist das einzige, das noch existiert“, sagt Anna Ulshöfer, „auf den anderen Familienbildern ist er schon nicht mehr mit drauf.“ Dass Heinrich Heps nun mit einem Stolperstein geehrt worden ist, geht auf die Initiative von Erich Bay zurück. Der Nieder hatte schon im vorvergangenen Jahr das Schicksal Heps’ recherchiert. Im vorigen Jahr wurde daraufhin Heinrich Heps’ Name auf Veranlassung des Vereinsrings Nied und in Abstimmung mit Denkmal- und Grünflächenamt auf der Gedenktafel für die Nieder Antifaschisten auf dem Kahnplatz vor dem Nieder Friedhof ergänzt.

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