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„Ein Zeichen gegen das Vergessen“

Trotz des Brückentags nahmen am Freitagnachmittag über 150 Menschen an der bewegenden Gedenkfeier teil. Aus Israel und Kanada waren zwei Angehörige der Familie Isserlin angereist.
Im Beisein von Schülern, Angehörigen und  Gästen verlegt Gunter Demnig die Stolpersteine vor dem Haus »Zum Quellenpark 6«. Fotos: Reuß Bilder > Im Beisein von Schülern, Angehörigen und Gästen verlegt Gunter Demnig die Stolpersteine vor dem Haus »Zum Quellenpark 6«. Fotos: Reuß
BadSoden. 

„Lasst uns niemals vergessen. Denn wer die Geschichte vergisst, ist verdammt, sie zu wiederholen.“ Mit diesen Worten appellierte der Kanadier Jonathan Isserlin (siehe „Extra“) an die zahlreichen Menschen, die sich zur Stolperstein-Verlegung vor dem Haus „Zum Quellenpark 6“ (ehemals Hauptstraße 6) versammelt hatten. Hier hatte Jonathans Großvater, der ehemalige Sodener Badearzt und langjährige Leiter der Israelitischen Kuranstalt, Max Isserlin, seinen letzten frei gewählten Wohnort in Bad Soden, gemeinsam mit seiner Frau Regina, den Kindern Bruno und Ruth und der Haushälterin Mina Grünebaum. Fünf Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig erinnern nun an ihre Geschichte und an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, vertrieben oder deportiert wurden.

 

„Nein sagen“

 

Die rund 150 Teilnehmer der Gedenkfeier erlebten bewegende Momente, als sich die Paten der Stolpersteine und die Angehörigen der Verfolgten in die Arme schlossen. Die beiden Enkel Ora Goldschmidt und Jonathan Isserlin waren eigens aus Israel und Kanada angereist. „Es war eine sehr lange und sehr emotionale Reise“ erklärte der Kanadier Jonathan Isserlin. Die Schüler der Heinrich-von-Kleist-Schule (Eschborn) und der Mendelssohn-Bartholdy-Schule (MBS, Sulzbach) legten Rosen nieder. Die Schulen haben die Patenschaften für die Steine von Max Isserlin und Mina Grünebaum übernommen und wollen damit „ein lebendiges Zeichen gegen das Vergessen setzen“, erklärten die Jugendlichen.
 

Extra: Ohne Groll

Jonathan Isserlin, geboren 1944, ist der Enkel von Max Isserlin, dem langjährigen Leiter der Israelitischen Kuranstalt und Sodener Badearzt.

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„Wir wollen unseren Schülern nicht nur Wissen vermitteln, sondern sie zu kritischen Bürgern erziehen“, sagte MBS-Leiterin Sara Morawietz und stellte den Bezug zur Gegenwart he. Sie verwies auf die Ergebnisse der Europawahl, bei der Rechte beispielsweise in Frankreich viele Stimmen erhielten, und die Notwendigkeit, „die Erinnerung wach zu halten und Nein zu sagen“. Die Zukunft könne man „nur gestalten, wenn man die Vergangenheit kennt“, mahnte der Leiter der Kleist-Schule, Adnan Shaikh. Seine Schüler hatten tags zuvor die Gelegenheit, Jonathan Isserlin kennenzulernen. Der Kanadier berichtete von seinen Erinnerungen und seinen Empfindungen gegenüber Deutschland. „Es war beeindruckend, wie wenig Groll Herr Isserlin in sich hat“, beschrieb Shaikh.

Die Stolperstein-Verlegung in Bad Soden geht auf die Initiative der AG Stolpersteine zurück. Nachdem 2011 die ersten Steine verlegt wurden, hatten Ingo Heise weiter recherchiert und Kontakt zu den beiden Nachfahren der Familie Isserlin hergestellt. Mit der Verlegung der sechs Steine soll die Aktion nicht beendet sein. „Wir werden für alle, die in Bad Soden Opfer der Nazis geworden sind, Stolpersteine verlegen“; erklärte Harald Fischer, der Pate für Ruth Isserlins Stolperstein. Sechs Stolpersteine wurden am Freitag in Soden verlegt:

Ein Stein erinnert an der Hasselstraße 20 an Bernhard Freymann, der dort die Pension „Villa Charlotte“ betrieben hat. Freymann wurde 1941 nach Lodz deportiert und dort im Konzentrationslager ermordet.

Fünf Stolpersteine vor dem Haus „Zum Quellenpark 6“ gedenken an Familie Isserlin und deren Haushälterin Mina Grünebaum. Grünebaum wurde 1941 von den Nazis deportiert und in Minsk ermordet. Der Familie Isserlin gelang die Flucht nach England. Die Kinder Bruno und Ruth wurden von den Eltern bereits 1933 und 1936 nach London geschickt. Regina und Max Isserlin folgten 1938. Ruth Baum, geborene Isserlin, lebte später in Tel Aviv, wo sie im März 2014 starb. ehm

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