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Ein Zuhause im Stadtteil

Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren sind in Frankfurt derzeit Mangelware. Im Kleinkindhaus Nied werden zukünftig sechzig Ein- bis Dreijährige aus dem Stadtteil betreut.
Henry (6 Monate) fühlt sich auf dem bunten Teppich sichtlich wohl. Besonders das Spielzeug hat es ihm angetan. 
Fotos: Maik Reuß Bilder > Henry (6 Monate) fühlt sich auf dem bunten Teppich sichtlich wohl. Besonders das Spielzeug hat es ihm angetan. Fotos: Maik Reuß
Nied. 

Vorsichtig schiebt Leon das Fischstäbchen auf die Gabel und beäugt es argwöhnisch. Kaum ist das panierte Stück in seinem kleinen Mund verschwunden, folgen Reis und Brokkoli. Mit einem zufriedenen Blick lässt es sich der Eineinhalbjährige schmecken.

Leon wird seit rund einer Woche im Kleinkindhaus in Nied betreut. 18 pädagogische Fachkräfte kümmern sich an der Holzlachstraße künftig um rund 60 Kinder. Leon gehört zusammen mit Linnea, Henry, Fiona und drei anderen Kindern zwischen einem und drei Jahren zu den ersten Gästen in dem Neubau.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei begannen bereits Ende 2012 die Planungen für eine Betreuungseinrichtung für unter Dreijährige aus dem Frankfurter Westen. Nach einer Bedarfsanalyse der Stadt Frankfurt, nahm im Februar das Haus des Vereins für berufstätige Eltern den Betrieb auf.

 

Platz für sechs Gruppen

 

„In Nied gab es bisher nur wenige solcher Betreuungsplätze“, sagt Sabine Neumann. „Der Bedarf ist riesengroß.“ Die Leiterin der Einrichtung ist im Moment vor allem in Gesprächen mit Eltern, Erziehern und Mitarbeitern. „Wir beschäftigen derzeit vier Fachkräfte.“ In den nächsten Monaten sollen weitere Erzieher, Pädagogen und Praktikanten nach Nied kommen.

Anfang März zieht die zweite Gruppe in ihre Räume im Erdgeschoss. Auf rund 1200 Quadratmetern verteilt auf zwei Etagen sollen künftig sechs Gruppen mit je zehn Kindern spielen, toben, schlafen und essen. „Wir staffeln die Gruppenstarts, um den Kindern eine gute Eingewöhnungsphase zu bieten“, erklärt Neumann. Im Juni ziehen die letzten Ein- bis Dreijährigen ein.

Jede Gruppe hat ein Spielzimmer, einen Schlafraum und einen Pflegeraum. Diese Einheiten verteilen sich auf das Gebäude. „Wir arbeiten mit einem hohen Wiedererkennungswert der Räume“, sagt Neumann. Jede Einheit ist farblich gestaltet, dass auch die Kleinsten ihr „Zuhause“ wiedererkennen. So unterscheiden sich die Fußböden in den Fluren von denen in den Räumen. Auch die großen Zahlen auf den Türen sind als besondere Erkennungsmerkmale für die Kinder gedacht. „Es war mir besonders wichtig, dass sich die Kinder hier heimisch fühlen können“, so Neumann. Ein Großteil der Kinder verbringt den ganzen Tag in der Einrichtung.

 

Transparent gestalten

 

Zwischen 7.30 Uhr und 17 Uhr kümmern sich die Betreuer um die Kinder. Dabei wird vor allem darauf geachtet, die Entwicklungsschritte der Kinder zu dokumentieren. „Für die Eltern ist es wichtig, abends zu erfahren, wie sich das Kind entwickelt hat“, so Neumann. Deshalb finden in den „Tür- und-Angel-Phasen“, wie Neumann sie nennt, viele Gespräche zwischen Eltern und Erziehern statt. „Was hat mein Kind gegessen, gab es besondere Vorkommnisse, ist es entspannt?“, zählt Neumann die Fragen der jungen Familien auf. Das sei bei den kleinen Kinder, deren Eltern den ganzen Tag arbeiten, wichtig. „Eine transparente Gestaltung gibt den Familien Sicherheit“, so Neumann. „Es bestärkt sie, ihr Kind den ganzen Tag betreuen zu lassen.“

Auf die Gestaltung der Einrichtung ist Neumann besonders stolz. „Vieles trägt auch meine Handschrift“, sagt sie. Für die ausgebildete Erzieherin ist der Neubau in Nied eine neue Aufgabe. „Ich möchte einer großen Einrichtung ein Profil geben“, erklärt sie. Die 55-Jährige war lange als Teamleiterin in Betreuungseinrichtungen tätig. Jetzt möchte sie als Leiterin wertvolle Arbeit im Stadtteil leisten. Dazu gehört auch ein besonderes pädagogisches Konzept. „Wir haben aus jeder Pädagogik das beste heraus gepickt“, sagt sie. „Und einen gemeinsamen roten Faden daraus entwickelt.“

Im Kleinkindhaus in Nied sollen die Kinder entwicklungsgerecht unterstützt werden. „Wir stülpen nichts über, sondern bereiten das Kind auf die Situation vor, die kommt“, erklärt Sabine Neumann. Dazu gehört auch eine passende Umgebung. Die Gruppen können ihre Räume individuell gestalten. Kleine Tische, Puppenküchen, Polstermöbel und Bücherregale stehen für alle zur Verfügung. Doch das Spielzeug ist für jede Gruppe angepasst. „Am wichtigsten ist, dass das Kind eine Entwicklung in seiner Entwicklung macht“, so Neumann.

 

Außengelände in Arbeit

 

Zum täglichen Ablauf gehört auch die Natur. Das Außengelände ist zwar noch eine große Sandgrube. Doch in den kommenden Wochen sollen auf dem Außengelände zwischen den Bahngleisen und der Straße „Schwedenpfad“, Spielmöglichkeiten und Außenanlagen mit Bäumen und Büschen entstehen. „Die Kinder sollen ihr Umfeld naturnah erleben“, erklärt Sabine Neumann. Sie freut sich besonders über die Nähe zu Main und Nidda. „Die Lage ist hervorragend, wir wollen den Kindern bei Spaziergängen die Natur zeigen.“

Für Leon, Henry, Hajar, Linea und Fiona geht es nach dem Mittagessen in den benachbarten Schlafraum. Gemeinsam mit ihren Betreuerinnen Theresa Pruntsch, Kerstin Ahrens und Annika Bauer haben sich die fünf ihren Gruppenraum eingerichtet und gestaltet. „Wir sind aber noch nicht fertig“, erklärt Annika Bauer. Die 20-Jährige freut sich auf die kommenden Wochen.

„Das Haus füllt sich langsam mit Leben“, sagt auch Sabine Neumann. In der kommenden Wochen zieht die nächste Gruppe ein, bis zum Sommer soll das Haus voll sein. Ihr Wunsch für den Start: „Eine gute Vernetzung im Stadtteil.“ Sabine Neumann will im Frankfurter Westen etwas bewegen. „Damit das Kleinkindhaus in Nied bald dazugehört.“

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