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Obstwiesenlehrpfad zwischen Bremthal und Wildsachsen: Eine Apfelsorte namens Shakira

Der zwischen Bremthal und Wildsachsen gelegene Obstwiesenlehrpfad hat ein neues modernes Gesicht bekommen. Bei einem Rundgang erfährt man, dass unser Apfel eigentlich aus Kasachstan stammt.
Klaus Stephan vom BUND mit einem der neuen Wegweiserschilder, die nun den Obstwiesenlehrpfad bei Bremthal bestücken. Foto: Maik Reuß Klaus Stephan vom BUND mit einem der neuen Wegweiserschilder, die nun den Obstwiesenlehrpfad bei Bremthal bestücken.
Bremthal. 

Zwischen blühenden Bäumen und leuchtend gelben Feldern schlängelt sich zwischen Bremthal und Wildsachsen ein lehrreicher Pfad. Der Obstwiesenlehrpfad, der 1997 angelegt wurde, hat nun ein neues Gesicht bekommen. Der rund fünf Kilometer lange Rundweg mit seinen zwölf Stationen wurde vom Main-Taunus Streuobst und dem Kreisverband des BUND modernisiert. Haben sich hier früher die Wanderer mit Broschüren auf den Weg zu den Stationen machen müssen, kann man sich nun direkt vor Ort an übersichtlichen Wissenstafeln informieren. Auch ein QR-Code ist dabei, so dass sich die spannenden Infos rund um die Obstwiesen im Main-Taunus-Kreis und ihr Hauptprodukt, den Apfel, bequem aufs Handy ziehen lassen.

 

Aus Kleinasien

 

Mit dem diesjährigen „Apfelblütenfest“ wurde der neue Lehrpfad nun offiziell eingeweiht. Barbara Helling vom Streuobst-Verein führte die Besucher über den ihr wohlvertrauten Weg und erläuterte die Geschichte der Obstwiesen.

Der Anbau von Äpfeln ist dem Menschen schon seit langem bekannt. Bereits vor rund 3000 Jahren begann man mit der Veredelung der Sorten. Schon hat Helling die erste Überraschung für ihre Zuhörer parat: „Unsere hier heimischen Apfelsorten kommen ursprünglich aus Kasachstan und Teilen Kleinasiens, sowie fast alle hier bekannten Nutzpflanzen und -tiere.“ Richtig auf dem Vormarsch befand sich der Apfel in deutschen Gefilden aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg. Damals fiel dieser nämlich nicht unter den Zehnt und war somit steuerlich eine lohnende Angelegenheit. Mit der Zeit beschäftigten sich immer mehr Menschen mit der Veredelung und der Zucht neuer Sorten. Aus dieser Zeit stammen die Sorten mit wohlklingenden Namen wie „Geheimrat Dr. Oldenburg“ oder „Kaiser Wilhelm“. Denn es war gang und gäbe, dass Züchter ihre neuen Sorten nach von ihnen bewunderten Personen benannten. „Wenn ich hier mit Schulklassen unterwegs bin, frage ich sie immer, wie sie eine Apfelsorte nennen würden“, erzählt Helling. „Manch einer schlägt zum Beispiel ,Shakira’ vor.“

 

Bienen lieben Gelb

 

Dabei haben sich die bevorzugten Apfelsorten über die Zeit verändert. „Vor 150 Jahren hat man lieber saure Äpfel gegessen. Damals war in dem Essen generell viel weniger Zucker enthalten als heute. Heute muss neben dem süßerem Essen auch der Apfel süßer schmecken.“ Diese und viele weitere interessante Erkenntnisse gibt Helling an die andächtig lauschenden Besucher zwischen Apfelbäumen und weiten, gelben Rapsfeldern weiter.

Ach ja, der Raps: „Der Raps ist für uns ein Problem, denn Insekten lieben Gelb. Viel mehr als die weißen Blüten der Apfelbäume. Der Nektar ist beim Raps zudem leichter zu erreichen.“ An der Eichendorffschule in Fischbach hat Helling mit den Schülern den Test gemacht und gezählt. Für jede Biene, die zu einem Apfelbaum flog, flogen 30 andere lieber zum Raps. So klaut die gelbe Nutzpflanze den Apfelbäumen ihre wichtigen, natürlichen Bestäuber.

Schädlinge erschweren dem Streuobstverein ebenfalls den Anbau, auch wenn diese mit rein biologischen Mitteln dagegenhalten. „So kann es leider ab und zu sein, dass auf bestimmten Feldern die Ernte ausfällt.“ Generell sind im Main-Taunus-Kreis die Obstwiesen rapide zurückgegangen. Von 100 Prozent im Jahre 1950 sind heute nur noch 8 Prozent vorhanden, hauptsächlich durch die große Ausbreitung der Siedlungsflächen. Die Wiesen, die heute noch existieren, liefern beste Bio-Äpfel „made in MTK“. In der Regel gehen sie in eine Kelterei in Laubuseschbach und werden dort zu Saft und natürlich dem berühmten Apfelwein verarbeitet. Vor dem „Stöffche“ steht aber die Erntearbeit, die der Streuobst-Verein seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit begeisterten Eltern und Kindern durchführt. „So eine Familie kriegt am Tag schon um die 50 Kilogramm zusammen“, erzählt die Expertin.

Weitere Infos zum Lehrpfad und den Apfel gibt es auf der Internetseite des Streuobst-Vereins: www.streuobst-mtk.de.

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