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Eine Familie sucht Nachwuchs

Klassisches und Modernes war beim Herbstkonzert des Akkordeon-Orchesters Langenhain zu hören. Den Verein plagt aber ein Problem.
Fingerfertig: Andriy Lisovskyy bei seinem Solovortrag. Fingerfertig: Andriy Lisovskyy bei seinem Solovortrag.
Langenhain. 

„Es war einmal ...“ – so beginnen viele Märchen und Fantasiegeschichten. Ganz real aber standen 20 Musiker des Akkordeon-Orchesters Langenhain auf der Bühne der Wilhelm-Busch-Halle und präsentierten vor über 160 Zuhörern beim Herbstkonzert des Vereins die unterschiedlichsten Melodien aus der Märchenwelt. Immerhin hat das Ensemble rund 200 Stücke im Repertoire, wie der Vorsitzende Sven Schnabel erzählt, aus denen dann das aktuelle Programm ausgewählt wurde. Im Mittelpunkt stehen altbewährte Märchen der Brüder Grimm wie Hänsel und Gretel, Dornröschen, Hans im Glück oder Aschenputtel, die zum Teil in der Märchensinfonietta von Rudolf Würthner musikalisch verewigt wurden. Und dass sich die Harmonien durchaus der Handlung anpassen, darauf macht Ingrid Nothdurft, die Zweite Vorsitzende und Moderatorin des Abends, aufmerksam: „Wenn Aschenputtel ihren Prinz findet, ändert sich die triste Moll- in eine heitere Dur-Tonart, Hans im Glück pfeift ein fröhliches Liedchen, und wenn Dornröschen mit ihrem Prinz in den Himmel tanzt, dann passt der flotte Walzerrhythmus von Peter Tschaikowsky perfekt.“

Ausbilder Andriy Lisovskyy, der aus dem „Kinderalbum“ von Victor Vlasov spielt, „lässt Bilder von Kobolden vor unserem inneren Auge entstehen“. Direkt zurückversetzt in ihre Kindheit fühlen sich viele bei der charakteristischen Musik von Karel Svoboda aus „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Der tschechische Kultfilm aus dem Jahre 1973, basierend auf dem Grimm-Märchen, ist aus dem jährlich wiederkehrenden Weihnachts-TV-Programm schließlich nicht wegzudenken.

Aber auch Erzählungen aus bekannten Musicals finden ihren Platz im Programm, und Nothdurft erläutert: „Gut und Böse treffen im Märchen aufeinander, und am Ende wird das Gute belohnt und das Böse häufig bestraft. Bei ,Die Schöne und das Biest’ ist ein Prinz durch einen Fluch verzaubert, der erst gebannt wird, wenn er Liebe empfängt und selber auch geben kann.“ Das Orchester, verstärkt durch Tilmann Morlang am Schlagwerk, gibt unter der Leitung von Manfred Klepper sein Bestes. Mit den Melodien aus „Hänsel und Gretel“, „Das Dschungelbuch“, „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Tanz der Vampire“ gibt es auch nach der Pause einen gelungenen Mix aus klassischen und modernen Stücken.

Neben Brigitte Töteberg, die seit fast 60 Jahren schon Orchestermitglied und nach vielen Jahren als Ausbilderin inzwischen Ehrenvorsitzende ist, gibt es mit Karin Kolb eine weitere langjährige Musikerin. Die 72-Jährige hat bereits 61 Jahre im Ensemble hinter sich, aber „man muss schon noch daheim was tun, denn ohne Üben geht es nicht, auch wenn man das so lange macht. Und es dauert halt, bis ich mich mit den modernen Stücken zurechtfinde; die kann ich dann nicht vom Blatt spielen. Aber es macht mir immer noch viel Spaß!“ Zu Hause hat sie zwar zwei Akkordeons stehen, aber gespielt wird auf hochwertigen Vereinsinstrumenten von Hohner, die jeder mit nach Hause nehmen darf. „Solange die Finger laufen, mache ich weiter“, ist sie guten Mutes, „denn die Musik hat mir sehr geholfen, gerade als mein Mann vor zwei Jahren starb, und die Gruppe ist für mich wie eine Familie.“

Eine Familie, in der der Nachwuchs fehlt, wie der Vereinsvorsitzende Sven Schnabel berichtet. „Seit etwa drei Jahren haben wir kein Jugendorchester mehr. Früher gab es rund fünf Anfänger jedes Jahr, aber aktuell unterrichtet unser Ausbilder Lisovskyy nur zwei Schüler, aber daher werden wir wohl mal wieder Schnupperkurse in Schulen anbieten.“

Nächstes Jahr steht sowieso Großes auf dem Plan, denn da kann das 75-jährige Bestehen gefeiert werden. Neben einem Neujahrsempfang am 10. Januar und dem traditionellen „Langenhainer Grenzgang“ am 1. Mai wird es ein Jubiläumskonzert mit anschließender Party geben. Sie wird am Samstag, 12. November, stattfinden.

(skr)
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