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Eine unrealistische Idee

Von Werden die Wallauer wieder selbständig? Auch Kommunalpolitiker aus Wallau halten das für unrealistisch.
Ikea dominiert den Stadtteil - so sieht es jedenfalls von der Luftansicht aus. Ikea dominiert den Stadtteil - so sieht es jedenfalls von der Luftansicht aus.
Wallau. 

Nein die Frage macht ihm keinen Spaß. Was soll da schon einer sagen, der aus Wallau ist und von dem erwartet wird, dass er Wallauer Interessen vertritt, und der gleichzeitig als Vorsitzender der Hofheimer CDU den Anspruch hat, in der Politik für die ganze Stadt ein gewichtiges Wort mit zu sprechen. Da kommt auch bei Christian Vogt zuerst die Aussage, bei der sich alle einig sind: Wallau aus Hofheim herauszulösen und wieder selbständig zu machen, das ist eine unrealistische Idee.

In Wallau gibt es freilich einige, die sehen das anders. Ausgangspunkt der Debatte war der Streit um die Ländcheshalle, in dem die Interessengemeinschaft Wallauer für Wallau immer wieder argumentiert, der Ort steuere zwar einen großen Teil der Hofheimer Gewerbesteuereinnahmen bei, werde aber bei den Investitionen benachteiligt. Mario Kleber hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass Wallau wieder selbständig werden soll. Die Wählergemeinschaft Wallau/Taunus wurde gegründet, sie soll bei den nächsten Kommunalwahlen für den Ortsbeirat und die Stadtverordnetenversammlung kandidieren.

Über den ersten Teil der Argumentation wird unterschiedlich gedacht. „In den letzten Jahren mangelte es an Investitionen“, sagt Ortsvorsteher Benjamin Hauzel (CDU). „Es ist wenig nach Wallau geflossen“, pflichtet ihm der FWG-Stadtverordnete Bodo Tadewald bei, Wallauer Urgestein, auch wenn er jetzt in der Kernstadt wohnt. Aber andere beurteilen dies anders.

„Wallau wurde nicht benachteiligt“, sagt CDU-Chef Vogt. Er erinnert daran, dass zuletzt erheblich in das Alte Rathaus investiert wurde. „Ich weiß nichts, was Wallau nicht bekommen hätte“, betont Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD). „Wallau hatte schon immer die beste Infrastruktur“, erinnert Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU), der selbst im Ort wohnt. Wallau sei als erster der Hofheimer Stadtteile im Dorferneuerungsprogramm gewesen, so Vogt und Exner übereinstimmend.

Ortsvorsteher Benjamin Hauzel fällt immerhin ein, dass aus seiner Sicht in Wallau eine Art Vereinshaus fehlt. Aber er ist optimistisch, dass diese Räume beim Neubau der Ländcheshalle entstehen. Unumstritten ist, dass dies der Zankapfel ist, der die ganze Debatte ausgelöst hat. Seit 2005 werde über die Ländcheshalle gesprochen, schimpft Tadewald. Wallau habe es nicht zu verantworten, dass der Zustand des Gebäudes immer schlechter wurde.

„Die Wallauer standen sich bei der Ländcheshalle auch schon selbst im Weg“, sieht Exner das anders - und er äußert das längst nicht zum ersten Mal. Der Neubau eines Sportparks durch Investoren aus Wallau - ohne Kostenbeteiligung des Turnvereins - scheiterte nicht am Widerstand aus Hofheim. Über Standorte für einen Neubau waren sich die Wallauer lange selbst nicht einig, der Ortsbeirat gehörte nicht immer zu denen, die das Projekt vorantrieben. „Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Wunsch, das Geld auszugeben“, betont auch Stang.

Inzwischen ist die neue Ländcheshalle ihrer Realisierung ein Stück näher gekommen, an den Absichten der Wählergemeinschaft ändert das nichts. Exner findet aber schon die grundsätzliche Ausrichtung der Initiative merkwürdig: Ob man Wallau luxuriös ausstatten solle und in Wildsachsen gar nichts mehr investieren dürfe, fragt der Erste Stadtrat, wie konsequent das Argument zu Ende gedacht werden soll. Er sieht die Wählergemeinschaft auch als Indiz für einen Egoismus, der in der Gesellschaft immer mehr um sich greife.

 

„Kaum lebensfähig“

 

Ob man dies so deutlich bewertet wie Exner oder lieber gar nicht, wie Ortsvorsteher Hauzel, an einen Erfolg der Bemühungen der Wählergemeinschaft glauben die Kommunalpolitiker nicht. Der Landesgesetzgeber werde da nicht mitspielen, und kleine Kommunen seien selbständig kaum lebensfähig, ist Vogt überzeugt. Hofheim werde es sich gar nicht leisten können, Wallau gehen zu lassen, weiß Hauzel.

Aus Sicht der Bürgermeisterin ginge dies auch ganz gegen den Trend der Zeit. Angesagt sei doch, sich zu überlegen, welche Aufgaben Kommunen gemeinsam erledigen könnten, um dies effektiver zu tun. Dass ungeachtet dieser Debatten die Wallauer mit nur einem Stadtverordneten, der tatsächlich dort wohnt, unterrepräsentiert sind, lässt sich nicht bestreiten: In Lorsbach wohnen fünf Stadtverordnete in einer Straße. Aber das zu ändern, wird bei der nächsten Kommunalwahl Sache der Parteien und der Wähler sein.

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