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Wegen Iran-Besuchs: Einreise in die USA verweigert

Von Nix da. Er bekommt kein grünes Licht. Ein Sodener Bürger und FDP-Politiker wollen nach Denver fliegen, um in den Bergen mit Freunden Ski zu fahren. Aber schon bei der Abfertigung am Frankfurter Flughafen ist die zwölftägige Tour für ihn vorbei. Ein Kreisblatt-Redakteur schildert diesen Fall und baut eigene Erfahrungen ein.
<span></span> Bilder > Foto: Knapp
Bad Soden. 

Wer in die USA einreist, kann was erleben. Vor vielen Jahren stand ich in Salt Lake City vor einem Grenzbeamten, dessen Neugier kaum zu bändigen war. Der Herr mit dem finsteren Blick traute mir allem Anschein nach allerlei Ungemach zu. Jedenfalls löcherte er mich eine knappe Viertelstunde lang mit Fragen, die teilweise in den Intimbereich vordringen: Wie groß ist meine Wohnung in Frankfurt? Lebe ich dort alleine? Habe ich eine Frau oder Freundin? Wie viel Geld habe ich einstecken? In welchen Währungen? Wer ist mein Arbeitgeber? Welchen Beruf habe ich? Geduldig, aber innerlich genervt antwortete ich und durfte den Schalter schließlich passieren.

Einige Jahre später, ich meine in Las Vegas, lief’s, oh Wunder, auf einmal wie am Schnürchen. Anstelle von Grenzbeamten standen Automaten bereit, an denen die Einreisenden den Reisepass einlegen sowie Fingerabdrücke und ein Foto machen lassen. Schwuppdiwupp steht der Flugpassagier auf US-Boden, ohne jedwede Schikane. Der weite Weg lohnt: Die USA sind ein wunderschönes Reiseland mit traumhaften Landschaften und grandiosen Wandergebieten.

„Ich bin brav“

Der Bad Sodener Bürger Wolfgang Tischler weiß indes nicht, ob er noch einmal ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten reisen will und darf. Er sagt zum Kreisblatt: „Im Moment habe ich keine Lust.“

Frust statt Lust überkommt ihn, denn sein jüngster Versuch, zum Skifahren in die Rocky Mountains zu reisen, endete vor wenigen Tagen am Lufthansa-Schalter des Frankfurter Flughafens. Die USA verweigerten ihm die Einreise.

Es ist Freitagnachmittag, als Tischler mit unserer Redaktion telefoniert und uns seine Geschichte schildert. Er lacht. Hat er keinen Groll mehr auf die USA? „Das ist schon vorbei.“ Aber seine Frau sage, er solle dort nicht mehr hinreisen. Wolfgang Tischler hegt im Grunde Sympathie für die Vereinigten Staaten: Er kennt und liebt das Gebiet um Vail (Colorado), war schon etliche Male „drüben“ und ist Ehrenmitglied eines Deutsch-Amerikanischen Clubs. Tischler, Landesvorsitzender der „Liberalen Senioren Hessen“, fügt humorvoll an: „Ich bin ein braver Junge.“

Der 70 Jahre alte FDP-Politiker spricht von einer „bösen Überraschung“, die ihn am Mittwoch dieser Woche auf dem Flughafen ereilte. Zunächst lief alles glatt. Die US-Zoll- und Grenzbehörde erteilte ihm die visumfreie Einreisegenehmigung, die deutsche US-Reisende gegen Gebühr im Internet beantragen (ESTA). Tischler schildert, er habe am Tag der geplanten Abreise „nochmals überprüft“, dass mit ESTA alles in Ordnung ist – „mit positivem Ergebnis“. Tischler fährt guter Dinge und voller Vorfreude an den Flughafen. Er ist der Vorsitzende des Deutsche-Bank-Skiklubs „DB-Snow“, der mit einer Gruppe von mehr als 20 Skifahrern die Reise in die USA und den Flug nach Denver gebucht hatte. Zu seinen Begleitern gehören Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und das einstige Slalom-Ass Christian Neureuther. Der Ruheständler Tischler, der sich als „Deutschbänker mit Leib und Blut“ bezeichnet, schwärmt: „Rosi ist eine tolle Frau.“ Gemeinsam Ski fahren werden sie im Februar nicht. Die Truppe genießt das „tolle Skigebiet rund um Vail“ (Tischler) ohne den Freund aus Bad Soden. Der Senior mit dem FDP-Parteibuch muss im derzeit trüb-tristen Hessen bleiben.

Im Konsulat befragt

Er ahnt, wieso die USA ihn dieses Mal abweisen. Er erzählt, er habe 2014 eine Reise in den Iran gemacht. „Schon im Jahr danach, 2015, konnte ich allerdings ohne irgendwelche Probleme in die USA einreisen“, wundert sich Tischler, der am Mittwoch bedröppelt am Lufthansa-Schalter stand. Er betont, wie hilfsbereit die Mitarbeiterinnen der Fluggesellschaft gewesen seien. Tischler: „Die von dieser Art der Kundenbehandlung selbst überraschten freundlichen Damen telefonierten mit dem Frankfurter US-Generalkonsulat und erfuhren, dass man sich in diesem Falle um ein Einreisevisa bewerben muss. Termine seien aber erst ab Mitte Februar frei.“ Buchung hin, Buchung her – für Tischler war die Reise bei der Passagierabfertigung vorbei, ehe sie begonnen hatte. „In der Gruppe herrschte über diese Entwicklung großes Bedauern“, bekundet der Hobby-Skifahrer. Christian Neureuther habe ihn vom Abfluggate aus angerufen und ermuntert, „alles zu versuchen, um doch noch ein Visa in die USA zu erhalten“.

Tischler resignierte nicht. Das Reisebüro buchte den Abflug auf diesen Samstag um. Über den Banker einer US-Großbank schaffte er es, einen Notfall-Termin für den Donnerstagmorgen im US-Generalkonsulat zu bekommen. Tischler: „Dort wurde ich eingehend zur Iran-Reise befragt, welche ich als Politiker organisiert hatte. Im Iran besuchte unsere Gruppe neben den touristischen Sehenswürdigkeiten auch die Deutsche Botschaft, die Deutsch-Iranische Handelskammer, die Vertretung der deutschen evangelischen Kirche in Teheran. Sie traf sich in Isfahan mit Professor Dr. Mohammad Salavati aus Freiburg im Breisgau, dem Initiator der Städtepartnerschaft Freiburg-Isfahan. Dies alles erschien den Verantwortlichen des Generalkonsulates doch suspekt, und der Antrag wurde vorübergehend abgelehnt.“ Die Amerikaner, die zum Iran ein spannungsgeladenes Verhältnis haben, hätten ihm angeboten, „einen Lebenslauf in englischer Sprache zu schreiben, welcher an das Head Office nach Washington geschickt würde und dort überprüft werde. Eine Antwort welcher Art auch immer käme allerdings erst im Verlauf der nächsten Woche.“ Damit, so Tischler, war auch der Versuch gescheitert, an diesem Samstag nach Denver nachzureisen.

Deutsche Touristen, die im Iran waren, sollten „nur mit einer langen, langen Vorlaufzeit“ eine USA-Reise angehen, rät der FDP-Mann. „Aber selbst dann ist eine Einreise nicht sicher, wie mein Beispiel zeigt.“ Das Kreisblatt richtete gestern eine Anfrage an das US-Generalkonsulat in Frankfurt. Eine Antwort liegt noch nicht vor.

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