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Flüchtlinge in Schwalbach: Ende einer Odyssee

Von Drei Familien, zwei Paare und einige Männer machen jetzt in Schwalbach Station – gleicht versorgt von vielen Helfern.
Die ersten Flüchtlinge sind gestern Nachmittag im Schwalbacher Atrium angekommen. Foto: Maik Reuß Die ersten Flüchtlinge sind gestern Nachmittag im Schwalbacher Atrium angekommen.
Schwalbach. 

Besonders den kleinen Kindern sieht man die Erschöpfung an, auch wenn sie große Augen machen, als sie das Atrium betreten. „Sie sind müde“, sagt eine afghanische Mutter in ihrer Landessprache fast entschuldigend. Eine ihrer Töchter weint bei der Ankunft erst mal bitterlich. Als die Kleine später die frischen Trauben und das viele gute Essen in der Küche sieht, strahlt sie wieder. Auch ein Kuchen mit den Fahnen der Herkunftsländer der Flüchtlinge steht liebevoll dabei.

Gestern kurz nach 15 Uhr kommen die ersten Flüchtlinge aus der Direktzuweisung des Main-Taunus-Kreises per Bus an. Sie werden jetzt im Atrium am Westring untergebracht. Das Gepäck ist schnell entladen. Dann großes Gewimmel im Atrium-Eingang. Aber ohne Umschweife bekommen die Flüchtlinge ihre Räume zugewiesen und stellen dort ihre Habseligkeiten ab. Dann treffen sich alle in der Küche.

Auch Regeln erklären

Rathaus-Mitarbeiter, auch Bürgermeisterin Christiane Augsburger und Vertreter der Kreisverwaltung sind da, außerdem ehrenamtliche Helfer und Bewohner der benachbarten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Sie alle unterstützen die Neuankömmlinge dabei, sich zurecht zu finden. Hayman Rauof aus der Gemeinschaftsunterkunft sagt: „Ich will den neuen Flüchtlingen helfen und ihnen erklären, wie man sich in Schwalbach richtig benimmt.“ Der 35 Jahre alte Iraker ist seit sechs Monaten in Schwalbach und kann schon gut Deutsch.

Die evangelisch-freikirchliche Gemeinde unter der Leitung des Ehepaars Hanne und Uwe Pöppel, die im Atrium Räume hat, kümmert sich schon seit der ersten Stunde um die Flüchtlinge, die schon seit Monaten hier sind. Auch sie sind bei der Ankunft im Einsatz und haben das Willkommens-Essen organisiert. Zu diesem Team der aktiven Flüchtlingsunterstützer vor Ort gehören ebenso die Schwalbacherinnen Alia Abu-Awad und Suhila Thabti-Megharia, die im Marokkanischen Kulturverein und bei der Flüchtlingshilfe Schwalbach mitmachen. Abu-Awad dolmetscht. Ganz engagiert dabei ist auch Ursel Bals, eine Anwohnerin aus der Frankenstraße.

Erst einmal müssen aber die Listen abgeglichen werden: Sind alle gekommen, die für diesen Montag angekündigt waren? „Also, wir haben jetzt 23 Flüchtlinge, die ins Atrium einzogen sind. Ein Mann aus Eritrea, der angekündigt war, ist nicht dabei. Eine Frau aus Eritrea, die dabei ist, wird noch nach Bad Soden gebracht“, hat die Schwalbacher Jugend- und Sozialamtsleiterin Brigitte Wegner nach einer Stunde den Durchblick. „Im Atrium haben wir damit jetzt drei Familien mit jeweils zwei Erwachsenen und insgesamt neun Kindern, vor allem Kleinkindern. Außerdem sind es zwei Pärchen. Der Rest der neuen Flüchtlinge sind Männer. 17 Personen kommen aus der Direktzuweisung des Kreises und 6 Personen sind Umquartierungen aus dem Kreis“, rechnet Wegner vor.

Die Menschen im Atrium kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und einer aus Eritrea, und sie haben eine lange, strapaziöse, lebensgefährliche Flucht hinter sich, zuvor haben sie in ihrer Heimat Chaos und Krieg überlebt. Jetzt sind sie aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen und aus Außenstellen nach Schwalbach gekommen. Erste Station für sie ist das Kreishaus in Hofheim, wo Formalitäten erledigt werden.

149 Flüchtlinge, so die letzte aktuelle Zahl, und die Zahlen ändern sich ständig – sind Schwalbach im Februar aus der Direktzuweisung des Kreises avisiert. Für 110 Flüchtlinge sind – wie berichtet – nun etliche Räume im Atrium vorbereitet. Ganz zuletzt erfuhr die Stadt, dass auch kleine Kinder kommen. „Wir haben es noch geschafft, die Kinderbetten rechtzeitig zu organisieren“, ist Wegner stolz. Die Sanitär-Container vor dem Atrium werden am heutigen Dienstag installiert mit Duschen, WCs und Waschmaschinen. Toiletten gibt es bis dahin natürlich im Atrium. Auch die Kelsterbacher Unternehmerin Zeynep Gürcan, die die Flüchtlings-Ausstattung für das Atrium besorgt hat, ist zum Auftakt dabei und kann Arabisch dolmetschen.

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