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Ende einer langen Flucht

Von Sie sind aus zerstörten Städten in Syrien geflüchtet, vor islamischer Miliz in Somalia. Einige Flüchtlinge haben über ihr Schicksal erzählt.
Zakariye und seine Frau Warsan waren drei Jahre auf der Flucht. Mit ihren Töchtern Sabrine (links) und Sunaira fühlen sie sich in der Krifteler Unterkunft wohl. Bei vielen Dingen des Alltags bekommen sie Hilfe vom Asylkreis. 	Foto: Reuß Zakariye und seine Frau Warsan waren drei Jahre auf der Flucht. Mit ihren Töchtern Sabrine (links) und Sunaira fühlen sie sich in der Krifteler Unterkunft wohl. Bei vielen Dingen des Alltags bekommen sie Hilfe vom Asylkreis. Foto: Reuß
Kriftel. 

Die 15 Monate alte Sabrine rennt durch den Flur der knapp 40 Quadratmeter kleinen Wohnung, Mama Warsan hat die vier Wochen alte Sunaira auf dem Arm, während Papa Zakariye vor der Tür mehrere Metallbetten zusammen montiert. Seit Anfang September ist die Asylbewerberunterkunft hinterm Friedhof das Zuhause der kleinen Familie. Für den 25 Jahre alten Zakariye und seine Frau Warsan ist es erst einmal die sichere Endstation einer langen Flucht.

 

Zehn Monate Haft

 

Vor drei Jahren haben sie ihre Heimat Somalia verlassen, aus Angst vor Bürgerkrieg und vor Verfolgung durch die islamische Al-Shabaab-Milz. Ihre erste Anlaufstation war, wie für viele Flüchtlinge, die Türkei, dann ging es weiter nach Griechenland. Mit bis zu elf Personen teilten sie sich einen Raum. Weil sie länger blieben als den einen Monat, den die griechischen Behörden erlauben, saß Zakariye zehn Monate in Haft. Dann sind sie weiter, zu Fuß nach Mazedonien, dann nach Serbien und Ungarn.

Die juckenden Bettwanzen waren wohl da das geringere Übel, denn auch in Ungarn musste Zakariye ebenfalls drei Monat Haft. Hochschwanger war Warsan, als sie vor gut 15 Monaten in dem Erstaufnahmelager in Gießen ankamen. Von dort bekamen sie eine Unterkunft in Hattersheim zugewiesen, weil es dort zu eng wurde, als sich das nächste Kind ankündigte, Warsan war wieder hochschwanger, als sie Anfang September mit ihrer Familie als die ersten Bewohner der Flüchtlingsunterkunft nach Kriftel kam. Kurz darauf hat die kleine Sunaira im Höchster Krankenhaus das Licht der Welt erblickt.

Doris Etter, Tanja Seitz, Barbara Tambour mit Tochter Teresa (von links) gehören zu den vielen Helfern im Arbeitskreis Flüchtlinge.
Asylkreis heißt Flüchtlinge willkommen

Sie begleiten die Asylbewerber zum Arzt, fahren mit ihnen zum Arzt, besorgen warme Kleidung, lernen mit ihnen Deutsch. Die Liste der Aktivitäten der 50 Helfer des Asylkreises Flüchtlinge ist lang. Weitere ehrenamtliche Unterstützer sind auch willkommen.

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In Kriftel fühlen sie sich wohl, hier seien viele liebe Menschen, sagt Zakariye auf Englisch. Er versucht sich nützlich zu machen, wo es möglich ist. Gerne geht er dem Hausmeister zur Hand. Gelernt hat er nichts, aber er möchte arbeiten, und sei es nur für wenig Geld. Weil er schon länger als neun Monate in Deutschland ist, dürfte er arbeiten. Doch wie bei vielen Flüchtlingen sind die mangelhaften Deutschkenntnisse Hürden auf dem Weg auf den Arbeitsmarkt (siehe Text unten).

 

Existenz verloren

 

Mahmoud hatte in Syrien ein kleines Bauunternehmen, vor drei Jahren ist er geflohen, als seine Heimatstadt Homs zu 90 Prozent zerstört war. Er habe alles verloren, sein Haus, sein Auto, erzählt er. Auch er ist über die Türkei und Griechenland nach Deutschland gekommen, zunächst war er in Diedenbergen, als dort die Unterkunft aufgelöst wurde, ist er nach Kriftel gekommen. Doch Mahmoud will wieder zurück nach Syrien, „das steht für mich zu 1000 Prozent fest“, aber wann, das weiß er nicht.

Familien aus Eritrea, Somalia, Pakistan, Serbien und Äthiopien, alleinstehende Männer aus Eritrea und junge Männer aus Syrien leben zusammen in der Unterkunft. „Wir fragen niemanden, warum er seine Heimat verlassen hat, wir sind dafür da, ihnen zu zeigen, wir heißen Euch willkommen“, sagt Barbara Tambour. Kriftel gilt mit der kleine Unterkunft fast so wie ein Vorzeigeprojekt für Asylbewerber. „Es läuft eigentlich sehr gut“, sagt Barbara Tambour, auch wenn es im Alltag die ganz normalen Problemchen gibt.

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