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Er plant für Bauhaus

Von Die Stadt hat vor einer Woche beim Regierungspräsidium einen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans gestellt. HK-Mitarbeiterin Ulrike Kleinekoenen hat darüber mit Investor Reinhard Milferstedt gesprochen, der den Baumarkt-Riesen „Bauhaus“ nach Hattersheim holen will.
ITM-Geschäftsführer Reinhard Milferstedt hat bereits die Pläne für das Verkaufsgebäude vorliegen. 	Foto: Nietner ITM-Geschäftsführer Reinhard Milferstedt hat bereits die Pläne für das Verkaufsgebäude vorliegen. Foto: Nietner
Hattersheim/Mainz. 

Reinhard Milferstedt ist ein leidenschaftlicher Gleitschirmflieger. Ein riskantes Hobby? Die Gefahren seien kalkulierbar, sagt der 63-Jährige, auch wenn er sich bei einem Sprung im Zillertal schon mal den Wirbel gebrochen hat. Risiken richtig einschätzen zu können, darin ist der Geschäftsführer der Immobilien-Treuhand Mainz (ITM) seit Jahrzehnten erfahren und auch sehr erfolgreich. Der Vater von vier erwachsenen Töchtern bleibt auch ganz entspannt, wenn er über eines seiner derzeit aktuellen Projekte spricht, das nach vier Jahren Vorarbeit nun in die entscheidende Phase geht. Milferstedt möchte den Baumarkt-Riesen „Bauhaus“ nach Hattersheim holen. In der vergangenen Woche hat das ehrgeizige Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro einen großen Schritt in die Gremien gemacht. Beim Darmstädter Regierungspräsidenten (RP) hat die Stadt das „Zieländerungsverfahren“ für den Regionalen Flächennutzungsplans beantragt. In 30-facher Ausführung wurden die Unterlagen in Darmstadt eingereicht.

 

Kooperation geplant

 

Dazu gehört auch die Analyse der Gesellschaft für Markt und Absatzforschung (GMA), die die Auswirkungen auf den Einzelhandel in Hattersheim und den umliegenden Kommunen beleuchtet. Auf Einzelheiten, zu welchen Erkenntnissen die Gutachter gelangt sind, will Milferstedt nicht eingehen. Nur soviel verrät er: Die Fachleute würden dem Baumarkt die „Verträglichkeit“ bescheinigen. Nun bleibt abzuwarten, wie der RP dies bewerte und wie sich die Nachbarkommunen dazu stellen. Den meisten Gegenwind erwartet Milferstedt aus Kriftel. Von dort wurde schon gleich nach Bekanntwerden des Vorhabens Protest laut. Dass die Gemeinde ihre infrastrukturelle günstige Lage mit dem Praktiker-Markt und der Ansiedlung von Discountern an der Landstraße in den vergangenen Jahren sehr profitabel ausgebaut hat, hält der Projektentwickler übrigens für legitim. Ebenso sei es aber auch zulässig, wenn Hattersheim als Mittelzentrum sich mit dem Mega-Baumarkt nun Kaufkraft zurückhole. Mit dem direkten Nachbarn, der Schlocker-Stiftung, hat Milferstedt schon auf oberster Ebene Kontakte geknüpft. „Wir denken hier an eine Kooperation“, kann sich der Unternehmer, der sich als „Familienmensch“ bezeichnet, viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der sozialen Einrichtung vorstellen.

 

Zwei Zufahrten

 

Formal sind sämtliche Hausaufgaben gemacht. Die Archäologen haben keine Bedenken gegen das Bauvorhaben auf dem 45 000 Quadratmeter großen Gelände neben dem Friedhof. Bekanntlich haben die Kelten einst in der Mainstadt gesiedelt. Da der Baumarkt jedoch nicht unterkellert ist, kann nicht viel Historisches zerstört werden. Langwieriger sind die artenschutzgerechten Untersuchungen, die erst im Herbst abgeschlossen werden können.

Über mehrere Zufahrten soll der Baumarkt erschlossen werden. An zwei Seiten soll die Anfahrt von der Heddingheimer Straße möglich sein, die entlang des Friedhofs bis zum Kreisel fortgeführt wird. Außerdem ist eine zusätzliche Anbindung zwischen dem Kreisel und der Kreuzung Mainzer Landstraße/ L 3011 geplant.

Bis zum Herbst, so ist Milferstedt nach zahlreichen Gesprächen zuversichtlich, sollte der RP seine Bewertung des Änderungsantrags abgeschlossen haben. Deshalb könnte noch vor Ende des Jahres das „Zielabweichungsverfahren“ Eingang in die nächste überörtliche Instanz, die Regionalversammlung des Planungsverbandes, finden. Im Laufe des nächsten Jahres ist mit einer endgültigen Entscheidung zu rechnen, ob das 45 000 Quadratmeter große Gelände, das derzeit noch Ackerland ist, in ein „Sondergebiet Baumarkt“ umgewidmet wird. Der ITM-Geschäftsführer ist optimistisch, dass das Projekt grünes Licht bekommt, das ihn bereits seit vier Jahren beschäftigt. 2009 hat Milferstedt die ersten Gespräche im Hattersheimer Rathaus geführt. Der Kauf von vier Grundstücken mit insgesamt 12 000 Quadratmetern, die sich in Privatbesitz befanden, wurde bereits vor zwei Jahren notariell beurkundet. Geld wird dafür aber erst fließen, wenn das Baurecht gesichert ist. „Wir haben uns natürlich den Rücktritt aufgehalten“, sagt Milferstedt. Wenn alle planungsrechtlichen Hürden genommen sind, kann es dann ganz schnell gehen. Nur ein halbes Jahr soll die Bauzeit dauern. Für die Eröffnung hat der Investor schon mal Frühjahr bis Sommer 2015 ins Auge gefasst. Für Hattersheim wäre der Baumarkt mit einer Verkaufsfläche von 8 000 Quadratmetern, zusätzlicher Gartenabteilung (5000 Quadratmeter) und einem separaten Bereich für das Baustoffsortiment (5000 Quadratmeter) und rund 400 Parkplätzen ein Glücksfall. Der Verkauf von 32 000 Quadratmetern städtischem Grund wird schon recht einträglich sein. Außerdem soll die Mainstadt Sitz eines Liegenschaftsunternehmens werden, das die Einnahmen von mehreren Bauhaus-Filialen generiert und die Gewerbesteuer in die klamme Kasse der Rettungsschirm-Kommune fließen lässt. Besser geht’s nimmer für die Stadtkasse.

INFO

Den Grundstein für seine Immobilien Treuhandgesellschaft Mainz (ITM) hat der Betriebswirt Reinhard Milferstedt vor gut 20 Jahren in Mainz-Weisenau gelegt, wo er seine ersten Reihenhäuser baute.

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