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Erinnerungen an Sarajewo

Von Der in der Entwicklungshilfe tätige Eppsteiner kam 2010 in das kleine Land. Das Trikot, das er mitbrachte, erinnert ihn an den Aufenthalt in dem vom Balkankrieg gebeutelten Land.
Eppstein. 
Blau-weiß sind die Nationalfarben von Bosnien-Herzegowina. Dieter Falk war 2010 in dem kleinen, stolzen Land auf dem Balkan. Wie man sieht, ist er ein leidenschaftlicher Sammler von Trikots. 	Foto: Maik Reuß Bild-Zoom
Blau-weiß sind die Nationalfarben von Bosnien-Herzegowina. Dieter Falk war 2010 in dem kleinen, stolzen Land auf dem Balkan. Wie man sieht, ist er ein leidenschaftlicher Sammler von Trikots. Foto: Maik Reuß
„Eine schöne Idee“, fand Dr. Dieter Falk den Aufruf des Kreisblatts, hier anderen mal ein Trikot eines WM-Teilnehmers zu präsentieren, mit dem eine besondere Geschichte verbunden ist. Fußballfan Falk hat eine ganze Menge Trikots im Schrank. Gern bringt er sie als Souvenir von seinen zahlreichen Auslandsreisen mit nach Hause. Der in der Entwicklungshilfe tätige Eppsteiner, den viele im letzten Bundestagswahlkampf kennengelernt haben, als er für die SPD als Direktkandidat antrat, hat sich entschieden, uns die Geschichte des Trikots zu erzählen, das er vor einigen Jahren auf einem Markt in Sarajewo erstanden hat.

Weiß und Blau ist es, der Schriftzug auf dem Rücken nennt die noch junge Nation, die sicher zu den stolzesten WM-Teilnehmern zählt: Bosnien-Herzegowina. Das kleine Land auf dem Balkan, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Teil des kommunistischen Jugoslawien, hatte sich 1992 für unabhängig erklärt und in der Folge drei Kriegsjahre erlebt.

Dieter Falk kennt den Balkan gut. Dreieinhalb Jahre hat der heute 57-Jährige in Skopje (Mazedonien) gelebt und gearbeitet. „Das war 1996 bis 1999. Da haben wir den Kosovo-Krieg aus nächster Nähe miterlebt“, erzählt Falk. Als Balkan-Experte habe er fortan gegolten, auch seiner Sprachkenntnisse wegen. Mehr als 60 Mal sei er insgesamt in der Region gewesen, „eigentlich in allen Ländern“.

2010 führte ihn ein solcher Auftrag nach Bosnien-Herzegowina. Sarajewo – da wurden in Falk viele Erinnerungen an ein eindrückliches Kapitel des Balkankriegs wach. „Diese Bilder damals, als die Stadt, in der doch noch 1984 so wunderbare olympische Winterspiele waren, von den umliegenden Bergen unter Beschuss genommen wurde, das hat uns doch alle erschüttert“, sagt der gebürtige Hamburger.

Auf einem Markt in Sarajewo sah er sich nach Souvenirs um. Kaum zu fassen für Dieter Falk, was da angeboten wurde. „Ich fand es makaber, dass da 15 oder 20 Jahre nach diesem Krieg, der wirklich grausam war, polierte und sogar zum Teil ziselierte Patronen und Granathülsen angeboten wurden, die manche Touristen tatsächlich auch noch kauften. Dieter Falk griff lieber bei einem Stück zu, mit dem schießen, kämpfen, Angriff und Verteidigung nur Spiel sind, nicht blutiger Ernst, und kaufte eben jenes National-Trikot, das er als ganz persönliches Lieblingsstück präsentiert.

Er trägt es ab und zu auch, allerdings nicht zum Fußball. Zwar habe er als Jugendlicher in Bad Godesberg, wo er aufwuchs, „jeden Tag“ auf einer großen Fußballwiese gekickt („das war die schönste Zeit meiner Jugend“), doch dem Ball läuft er schon länger nicht mehr hinterher. Zum Fitnesstraining bei der TSG Eppstein zieht Falk aber regelmäßig eins seiner Trikots an.

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Dass es auch 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus auf dem Balkan viele wirtschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten gibt, weiß Falk aus eigener Anschauung. Die Hochwasserkatastrophe hat Bosnien-Herzegowina zusätzlich gebeutelt. Keine Frage, dass es Falk besonders gefreut hat, dass sich das Land erstmals für eine WM qualifiziert hat. Von den Profis aus dem kleinen Balkan-Staat hält der HSV-Fan eine Menge. „Džeko ist ein Super-Stürmer, ich war richtig traurig, dass er aus der Bundesliga weggegangen ist. Und auch Ibiševic finde ich klasse.“

Noch hat Dieter Falk Hoffnung, dass Bosnien-Herzegowina die Gruppenphase überstehen kann. Wäre das unglückliche Eigentor im Spiel gegen Argentinien nicht gewesen, wären die Aussichten vielleicht noch besser, im Achtelfinale dabei zu sein. Im Viertelfinale wäre sogar ein Aufeinandertreffen mit Deutschland möglich. Da würde Dieter Falk dann allerdings doch der Mannschaft die Daumen drücken, deren Anhänger er schon so viel länger ist. „Nach dem HSV kommt die Nationalmannschaft“, sagt der Eppsteiner, der sogar das Glück hatte, 1974 beim Endspiel in München dabei zu sein. In der Nacht zum Sonntag aber wird Falk erst mal wieder mit Bosnien-Herzegowina fiebern.

Info: Was erzählt Ihr Trikot?

Wer ein richtiger Fußball-Fan ist, hat auch ein schönes Trikot in den Farben seiner Nationalmannschaft im Schrank, das zur Weltmeisterschaft herausgeholt wird.

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